Brugg

Hier wurde früher scharf geschossen

Von der schleichenden Umnutzung der Schützenhäuser – eine Bestandesaufnahme im Bezirk Brugg.

Peter Belart

Schützenhäuser und Schiessstände - das sind meistens sehr nüchterne, schmucklose Gebäude, die kaum Aussicht hätten, einen Wettbewerb für architektonische Spitzenleistungen zu gewinnen. Fast ausnahmslos wurden sie ausserhalb der Bauzonen gebaut, üblicherweise den Blicken - nicht aber den Ohren! - entzogen.

Und doch gehörten sie irgendwie zum Dorfbild, zum festen Inventar. Und sie bleiben wohl vielen von uns in sehr lebhafter Erinnerung. Hier war es, wo wir als Kadetten oder Jungschützen erstmals eine Scheibe anvisierten und einen Schuss abgaben. Hier war es, wo die Begriffe Ausstossen, Fettschuss, Hülsensack, Mouche, kleine Zerlegung oder Laufkontrolle eine Bedeutung erhielten.

Fallstricke und Klippen

Und hier war es, wo wir uns mit allerlei Demütigungen abfinden mussten: die ausladend winkende schwarze Kelle, die Schussabgabe auf die falsche Scheibe, das Kichern des Warners, wenn er «eins» sagte, der Schock, wenn nach der Sechserserie als Erstes eine weisse Kelle auftauchte, der Spitzenschütze auf der Nachbarliege mit seinen gut gemeinten Ratschlägen, das Flimmern vor den Augen, die Schreckauslösung, wenn es nebenan knallte, das «Gopfertami!» von Matte 4, die Suche nach der letzten Patrone, die unerwartet heisse Hülse - eine schier endlose Reihe von Fallstricken und Klippen. Immerhin: Was damals als kleinere oder grössere Katastrophe wahrgenommen wurde, bildete später reichlich Stoff für heitere Nostalgie-Runden.

Neue Voraussetzungen

Und heute? Viele kleinere Schiessstände haben schon längst keinen Pulverdampf mehr gesehen. Unsere Gesellschaft ist sehr viel lärmempfindlicher geworden, der Sinn des vaterländischen Schiessens wird breiter hinterfragt, und viele Schützengesellschaften haben erhebliche Probleme beim Rekrutieren von Nachwuchs.

Geschossen wird mancherorts nicht mehr «zu Hause», sondern in grösseren regionalen Schiessanlagen, etwa in Auenstein, Lenzburg oder Wohlenschwil. Im Bezirk Brugg sind einige Schützenhäuser bereits verschwunden: Dasjenige von Mülligen stand der Autobahn im Weg, in Schinznach-Dorf rückten ihm Einfamilienhäuser zu Leibe, und auch in Effingen wurde es im Zuge der Regionalisierung des Schiesswesens abgebrochen. Andere stehen zwar noch, sind aber zweckentfremdet. Und wieder andere dürfen nur noch einige Jahre auf Zusehen hin betrieben werden.

Alle diese Umstände bewogen uns, eine kleine Auslegeordnung im Sinne einer Momentaufnahme zu machen: Schiessstände in unserer Region. Hier sind diejenigen aufgelistet, die zwar noch existieren, aber nicht mehr ihrem ursprünglichen Verwendungszweck dienen.

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