Haus in Solothurn besetzt

Seit Freitagabend halten Jugendliche die ehemalige Drogenanlaufstelle am Dornacherplatz in Solothurn besetzt. Sie fordern die Schaffung eines Autonomen Jugendzentrums (AJZ). Die Stadt als Liegenschaftsbesitzerin lässt sie vorerst gewähren.

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Solothurner Zeitung

Franz Schaible

Von der Liegenschaft vis-à-vis des Dornacherplatzes tönt laute Musik, vermumte Besetzer stehen auf dem Balkon. Auf dem Dornacherplatz wird ein Flyer verteilt: «AJZ statt Ramada». Seit über zwei Jahren versuchten viele Jugendliche in Solothurn ein selbstverwaltetes Jugendzentrum zu realisieren, erklärt eine junge Frau, die ihre Solidarität mit den Besetzern zeigt. «Leider wurden wir nicht Ernst genommen», sagt die Kontakt-Frau, die ihren Namen nicht nennen will. Erst noch im Juli habe die Autonome Freiraum Bewegung (AFB) Kontakt gehabt mit der Regionalplanungsgruppe (Repla) betreffend einer Neunutzung der ehemaligen Drogenanlaufstelle als AJZ. Der Kontakt sei inzwischen wieder abgebrochen.

«Kein Platz für rechtsfreie Zone»

«Jetzt haben Jugendliche Eigeninitiative ergriffen und versuchen, die Behörden und Volksvertreter zum Dialog zu zwingen», heisst es im Flyer weiter. Nach Angaben der jungen Auskunftsperson seien die Besetzer teilweise dieselben, welche vor kurzem das alte Gloria-Areal kurz besetzten. Man wolle nun so lange bleiben, bis die Stadt eine Lösung anbiete oder zumindest das Gespräch suche. Warum nur rund zehn Personen an der Aktion auf dem Dornacherplatz teilnahmen, begründete sie mit «der Kurzfristigkeit und der Spontanität der Aktion».

Stadtpräsident Kurt Fluri weist den Vorwurf, die Jugendlichen nicht ernst zu nehmen, zurück. «Die Stadt habe vom Anliegen sehr wohl Kenntnis. Aber nicht immer sind alle Wünsche erfüllbar», sagt Fluri. Fakt sei, dass es «in der Stadt für eine rechtsfreie Zone weder räumlich noch politisch Platz hat.» Auch nicht in der ehemaligen Drogenanlaufstelle? Nein, betont Fluri und verweist auf die Pläne der Stadt, das Haus für Asylbewerberwohnungen umzubauen.

Man lasse sich nicht unter Druck setzen und werde höchstens «über den Auszug der Besetzer verhandeln». Heute Montag, so Fluri weiter, werde die Stadt als Liegenschaftsbesitzerin mit der Polizei das weitere Vorgehen besprechen. Den Besetzern werde für die Räumung des Hauses wohl ein Ultimatum gesetzt.

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