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Gemeinsam nicht einsam sein

Seit 27 Jahren organisiert der Lions Club Solothurn an Heiligabend die Weihnachtsfeier für Alleinstehende und Einsame. Dieses Jahr war der Wirthensaal mit über 80 Personen besetzt. Im Verlaufe der Jahre hat sich die Zusammensetzung der Teilnehmenden deutlich verändert.

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Solothurner Zeitung

Niklaus Stuber

Für Einige war es bereits gute Tradition, für Andere das erste Mal, dass sie abends im Saal des Zunfthaus zu Wirthen an der Weihnachtsfeier teilnahmen. Entsprechend zielbewusst steuerten die «Habitués» auch «ihren Tisch» an, während die Neuen unsicher ob der Dinge, die da kommen, einen leeren Platz besetzten. War diese besondere Feier für Einsame früher eher ein Anlass für ältere Personen, so hat sich die Zusammensetzung im Verlaufe der Jahre deutlich verändert: Die jüngste Teilnehmerin am Heiligabend war acht Jahre alt, der älteste «sechsundneunzig und ein halbes Jahr - nicht siebenundneunzig», wie er betonte. Ebenfalls dabei waren die Zwanzig- bis Vierzigjährigen.

Neben der Tendenz, dass vermehrt jüngere Leute gemeinsam nicht einsam sein wollen - so das Motto - ist eine Durchmischung der sozialen Schichten feststellbar. Alle wollen und können «klassische» Weihnachten feiern. Gerade dies ist beeindruckend. Trotz der grossen Unterschiede ist auch dieses Jahr eine ruhige, besinnliche Feier zustande gekommen.

Grosser Effort für Alleingebliebene

Organisiert und durchgeführt wird der Anlass immer am 24. Dezember von einem Team, bestehend aus Mitgliedern und Angehörigen des Lions Club Solothurn. Knapp 30 Personen, darunter auch Kinder und Jugendliche, planen die Feier, organisieren das Erforderliche, schmücken Baum und Saal, verpacken das von anderen Lions Mitgliedern zubereitete Weihnachtsgebäck, schneiden die Züpfe und den frischen Fruchtsalat. Beim Eintreffen werden die Gäste vom Team begrüsst und an ihre Plätze gebracht, wo sie von nun an mit Speis und Trank bedient werden - ebenfalls vom Lions-Team. Die reichhaltige Salatauswahl und die feine Hamme stammen dabei aus der Küche der «Wirthen», welche dem Anlass grosszügig mit «Material» und Lokalität entgegenkommt.

Während des Abends werden verschiedene, besinnliche Einlagen geboten. Heuer waren es vorerst Mario Ursprung und später Iris Kofmel, welche am Klavier bekannte Weisen spielten und zum Mitsingen aufforderten. Ebenfalls Tradition ist das gemeinsame Singen der wohl bekanntesten Weihnachtslieder «Stille Nacht» und «Oh Du Fröhliche». Auch hier kam das «Gemeinsame» zum Ausdruck: Zusammen sangen alle - jung und alt und bedürftig oder weniger bedürftig.

Das Abschiedsgeschenk beim nach Hause Gehen, ein Sack mit Weihnachtsgebäck, wurde gerne mitgenommen. Sowohl für den Hinweg wie für den Rücktransport war für diejenigen gesorgt, die nicht so gut zu Fuss waren, oder schlicht das Billett für die öffentlichen Verkehrsmittel nicht aufbringen konnten: Weitere Lions-Mitglieder fuhren die Teilnehmenden aus der Stadt und den umliegenden Dörfern zur Feier und wieder nach Hause.

Sozial engagierter Club

«Es ist beeindruckend, mit wie wenig man vielen Leuten Freude machen kann», fasste der aktuelle Präsident des Lions Clubs Solothurn, Michael Baumgartner, seine Eindrücke vom Abend zusammen. «Und es kommt ganz klar zum Ausdruck, dass das persönliche Engagement und das Sichkümmern mehr geschätzt werden als Geschenke. Für mich ist das richtiges Weihnachten.»

Der Lions Club Solothurn zählt rund sechzig Männer, die es sich zu Aufgabe gemacht haben, dort zu helfen, wo weder Staat noch soziale Institutionen helfen können. Die Solothurner legen dabei das Schwergewicht auf «tätige Hilfe», wie eben die Weihnachtsfeier für Alleinstehende und Einsame, oder beispielsweise den Transport von Patienten und den Wiederaufbau des Spielplatzes Güggi.