Heizen

«Gegen Solotanz des Aargaus»

Vom Verbot für Ölheizungen ist die ganze Branche völlig überrumpelt worden. «Dieser Aargauer Solotanz ist diskriminierend, inkonsequent und wirtschaftsfeindlich», sagt Präsident Gautschi.

Hans Lüthi

Das im Energiegesetz postulierte Verbot für Elektroheizungen löst keine Diskussionen aus, weil mit der zunehmenden Verteuerung oder Abschaffung der Nachttarife diese Wärmequelle unbezahlbar wird. Ganz anders beim Heizöl: Hier wird eine ganze Branche existenziell getroffen, wenn der Kanton neue Ölheizungen de facto verbietet und die 55 000 alten Anlagen sukzessive auslaufen. Wer glaubt, diese Heizart sei wegen der Endlichkeit des Öls und des CO2-Problems ein Auslaufmodell, der irrt sich. 23 600 Ölheizkessel sind letztes Jahr trotz Preisexplosion neu eingebaut oder bei Sanierungen schweizweit ersetzt worden. Um die 10 Prozent dürften es im Aargau sein - eine beachtliche Zahl.

Bei Sanierungen gefragt

Für mehrere Generationen werde es noch Öl geben, glaubt Präsident Martin Gautschi von Swissoil-Präsident Aargau, dem Verband der Mineralölfirmen und Brennstoffhändler. Mit den steigenden Preisen nehme auch die Förderung in bisher wirtschaftlich uninteressanten Gebieten zu. Vor allem aber: «Die Brennstoff-Technologie hat sich stark entwickelt, eine moderne Ölheizung spart 35 Prozent und ist ein umweltfreundlicher Wärmespender», versichert Gautschi. Bei Neubauten läuft Öl nicht mehr wie geschmiert, der Anteil ist auf klägliche 4 bis 8 Prozent abgesackt. «Aber bei Sanierungen sind Ölheizungen weiterhin gefragt, weil sie günstig und effizient sind», meint Gautschi. Die Hälfte der Aargauer heizt mit Öl, vor diesem Hintergrund ist das Potenzial beachtlich.

Gegen Dirigismus des Staates

Der Aargau leiste keine ernsthafte Energiepolitik, wenn er einerseits Ölheizungen verbieten wolle, anderseits einen Anschlusszwang für Gas ins neue Gesetz aufnehme. Auch Gas trage zum Klimaproblem bei und verursache CO2. Das gelte auch für jenen Importstrom, der in Kohlekraftwerken produziert werde. «Wir haben das Thema im Zentralvorstand diskutiert, alle sind sehr erstaunt, dass der Energiekanton Aargau die Ölheizung verbieten will», berichtet Martin Gautschi. Die Planwirtschaft mit Zwang und Verboten vergrössere die Bürokratie. «Und das ist ein schlechtes Signal für eine liberale Wirtschaft», betont Gautschi, der die Branche von der Pike auf kennt: Seit zwei Jahren ist er auch Vorsitzender der Geschäftsleitung von Voegtlin-Meyer in Windisch und führt den Familienbetrieb in vierter Generation. 2012 wird das Unternehmen 100 Jahre alt. Von den 105 Mitarbeitenden sind 60 im Busdepot, ohne Öl wären 45 Stellen gefährdet.

Mit Lenkungen zum Ziel

Die Branche will das Klimaproblem nicht ignorieren oder zerreden, «aber der Aargau darf keinen Solotanz machen». Trotz Wachstum der Bevölkerung sinke der Absatz von Heizöl, und 2010 verdreifache sich die CO2-Abgabe auf 9,54 Franken pro 100 Liter. Mit Abgaben und Lenkungen werde die gewünschte Wirkung erreicht, bei der Sanierung von Gebäuden liege ein grosses Sparpotenzial brach. Eines betont Gautschi mit Nachdruck: «Das Energiegesetz verkennt die technologische Entwicklung der Ölheizung komplett, die Richtwerte werden deutlich unterschritten». Denn: «Auch wir wollen für die kommenden Generationen eine gesunde Welt erhalten». Eine Senkung des Verbrauchs von 6000 auf 2000 Watt pro Person bis 2050 erachtet Gautschi jedoch als Illusion. Beim Energiegesetz hofft er auf die liberalen Parteien oder auf eine Revision durch die Regierung - gestützt auf die Reaktionen.

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