Für noch mehr Lebensqualität

Der Garten des Solothurnischen Zentrums Oberwald in Biberist ist nicht nach den Bedürfnissen der schwerstbehinderten Menschen konzipiert. Mit der geplanten Umgestaltung soll er freundlicher werden und als weiterer Förderraum die fünf Sinne der Bewohner anregen.

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Behindertenheim

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Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

«Wir haben einen Garten, der nicht genutzt werden kann», sagt Enrico Meuli, Geschäftsführer des Solothurnischen Zentrums Oberwald in Biberist. Nur schwer oder gar nicht rollstuhlgängige schmale Wege und Rasenflächen, Höhenunterschiede, Steine, Rosen und unbegehbare Glasoberlichter entsprächen nicht den Bedürfnissen der Bewohner. Diese schwerstbehinderten Menschen lernten durch Sehen, Riechen, Schmecken, Hören, Tasten. «Mit dem neuen Gartenkonzept kommen wir unseren Bewohnern auf dieser Ebene entgegen», erklärt Enrico Meuli. Erarbeitet wurde das Konzept von einer im Januar 2006 gegründeten Arbeitsgruppe, die sich aus Personen des Kinder-, Erwachsenen- und Förderbereichs zusammensetzt sowie einem Gartenbauarchitekten.

Lebensnah und realitätsbezogen

Geplant ist eine erlebnis- und wahrnehmungsreiche Aussengestaltung, die alle Sinne anregt. Bereits ein Weidentunnel auf dem Weg zum Garten vermittelt Natur. Im Barfusspfad können die unterschiedlichsten Materialien wie Sand, Kies, Tannenzapfen, Rinden und Holz befühlt werden. Der Tastsinn wird auch mit dem Tastgeländer in der Pergola beansprucht. Duftstaudenflächen motivieren zum Riechen, Wasser und Klangobjekte zum Hören. Spass und Bewegung ermöglichen Schaukeln, Rutschbahn, Sandkasten, Hängematten. Am Pflanztisch können die Rollstuhlfahrer mit unterschiedlichen Naturmaterialien experimentieren. Der neue Begegnungsplatz mit portablem Feuerkorb, mobilen Bänken, befahrbaren Rasenwaben ist für gemütliches Beisammensein, Morgenstunden und Rituale gedacht. Einladend und freundlich gestaltet werden ebenfalls die beiden Eingangsbereiche des Zentrums.

Finanzierung mit Spendengeldern

Das Gartenkonzept soll von 2010 bis 2012 bereichsweise realisiert werden. «Wir möchten aber nicht nur machen lassen», verrät Enrico Meuli. Er hofft dabei auf externe Unterstützung wie zum Beispiel erneut des Biberister «Sägemehlklubs», der Lions oder Kiwanis. Zudem denkt er daran, Oberstufenschüler ins Projekt mit einzubeziehen. Die Kosten von rund 120 000 Franken werden mit Spendengeldern finanziert. Seit dem 75-Jahr-Jubiläum vor zwei Jahren sammelt das Zentrum Oberwald gezielt für den Sinnesgarten. «Für erweiterte Fördermassnahmen, Freizeitbeschäftigungen, Ausflüge, Geselligkeit und Ferien fliesst kein Geld von der öffentlichen Hand», erklärt der Geschäftsführer. «Daher sind wir auf Spenden angewiesen.» Spenden würden auch für spezielle Therapien wie etwa Hippotherapien (mit Pferden) oder für Bewohner ohne Finanzierer eingesetzt. Wesentlich sei stets die erweiterte Lebensqualität eines behinderten Menschen. «Oft müssen wir schon zufrieden sein, wenn der Gesundheitszustand von einzelnen Bewohnern nicht schlechter wird», betont Enrico Meuli.

Spendenkonto Solothurnisches Zentrum Oberwald Biberist PC 45-1167-0.