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«Es herrscht Funkstille»

Seitdem der Gemeinderat die Sanierung des Stadttheaters aus dem Finanzplan gekippt hat, hängt Theaterdirektor Beat Wyrsch im luftleeren Raum. Über das weitere Vorgehen wurde er nicht informiert.

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Solothurner Zeitung

Regula Bättig

Etwas zornig sei er schon, sagt Beat Wyrsch, Direktor des Theaters Biel Solothurn. Tiraden gegen die Stadt oder vielmehr den Gemeinderat sind von ihm allerdings keine zu hören - oder aber er hat sein Pulver längst verschossen: Seit dem Abend, an dem der Solothurner Gemeinderat die Sanierung des Stadttheaters aus dem Finanzplan gekippt hat, sind schliesslich schon einige Wochen vergangen. Doch nicht nur Wyrsch hält sich zurück. «Es herrscht Funkstille», sagt er. Er wisse nicht, wie es weitergehe, von Seiten der Stadt sei er nie darüber informiert worden.

Ein Theater trotzt der Krise

«Wir spüren wenig von der schlechten Wirtschaftslage», sagt Beat Wyrsch, Direktor des Theaters Biel Solothurn - und schiebt fast beschwörend ein «noch» nach. Genau genommen gehört das Theater sogar zu den Profiteuren der Krise: «Wir sind wohl das preisgünstigste Stadttheater der Schweiz», erklärt Wyrsch. Und das lockt - jetzt, da das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt, auch Zuschauer, die den Weg nach Solothurn früher nicht in Kauf genommen hätten. Das Haus sei regelmässig voll, sagt Wyrsch. «Wir sind im Aufwind», stellt er fest. Das liegt aber nicht einzig an der Preispolitik: Dass man lieber auf grosse Stücke denn auf grosse Namen setzt, zahlt sich auch andersweitig aus. Das Ensemble sei zwar jung, aber das Publikum habe realisiert, dass es hier immer wieder Perlen zu entdecken gebe. Und auch die Geldgeber sind treu: «Unser Hauptsponsor hat den Vertrag eben für weitere drei Jahre verlängert», sagt er. Dass die Werbeabteilung so gut arbeitet, dass die Plakate mittlerweile in Museen in aller Welt hängen, kommt noch hinzu. «So gesehen wäre eigentlich alles super.» (rb)

Wyrsch glaubt, dass diese Stücke wohl bald zum Einsatz kommen werden, Gemeinderatsentscheid hin oder her. Denn gewisse Dinge müssten gemacht werden, es gehe auch um die Sicherheit. «Sonst laufen wir Gefahr, dass der Zustand des Hauses irgendwann so schlecht ist, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als einen Bus vors Theater zu stellen und die Leute für die Aufführungen nach Biel zu fahren.»

Ist eine Bar Luxus?

Auch wenn das Gebäude im Besitz der Stadt sei, förderlich für das Image des Theaters sei das Ganze nicht. «Wir haben einen sehr guten Ruf, aber langsam beginnt dieser zu leiden», sagt Wyrsch und zupft einen Brief aus einem Ordner: Eine Besucherin aus Zürich beklagt sich über eine überschwemmte Toilette und das Fehlen einer Bar, die diesen Namen verdiene. «Bezeichnend», findet Wyrsch. Die maroden Toiletten, der fehlende Lift, die wenig gemütliche Bar, das sind auch die Anliegen des Beat Wyrsch.

Auch die Bar, selbst wenn er keine Luxuslösung anstrebe. «Man kann es auch Café nennen», sagt er, «aber wir brauchen einen Ort, wo die Leute ein Cüpli trinken oder die Schauspieler treffen können.» So etwas gehöre heutzutage einfach zu einem Theaterbesuch, «man kann dem Publikum nicht mehr einfach nur Theater bieten, das Drumherum ist genauso wichtig». Mit der Bar wäre auch das Problem der Einführungen in die Stücke gelöst. Diese werden mangels Alternativen bis anhin im Foyer gemacht - die Zuhörer sitzen auf der Treppe.

Ohne Krieghaus wäre aber weder Bar noch Lift realisierbar, der Platz wäre zu knapp. Allerdings macht gerade dieser Einbezug die Sanierung massiv teurer als dereinst angekündet. Doch Wyrsch verteidigt die Idee: «Man sollte doch nicht einfach die billigste Lösung anstreben, sondern eine, die für eine möglichst lange Zeit stimmt.»

Sollen Private mitzahlen?

Die Bar brauchts also, doch anderes könnte durchaus vernachlässigt werden, findet Wyrsch. Denn ob der Theatersaal tatsächlich neu gestaltet oder das Kassenhäuschen ennet der Strasse miteinbezogen werden müsse, darüber könne man diskutieren. «Das sind sehr schöne Ideen, aber zwingend ist beides nicht.» Auch sonst zeigt sich Wyrsch kompromissbereit. «Vielleicht müsste man eine Etappierung noch einmal durchdenken», stellt er fest. «Wir wären offen dafür.» Auch für anderes. Durchaus ein Thema ist für Wyrsch der Einbezug privater Geldgeber. «Ich wäre sehr gerne bereit, mich dafür einzusetzen», sagt er. «Denn so ein Gemeinschaftswerk ist immer etwas sehr schönes und sorgt auch für die Verankerung.» Beispiele gebe es genug in der Schweiz. Allerding umgarnt bereits Christoph Vögele, Konservator des Kunstmuseums, potenzielle Geldgeber, um «seinen» Annexbau zu finanzieren. «Natürlich stünden wir bis zu einem bestimmten Punkt in Konkurrenz», sagt Wyrsch. Da man sich aber in einem anderen Bereich der Kultur bewege, sehe er darin kein so grosses Hindernis.»

Nächster Fixpunkt ist für Wyrsch nun der Mittwoch, dann wird er Stadtpräsident Kurt Fluri die Petition überreichen, die sich für die Sanierung des Stadttheaters einsetzt. Und er hoffe doch sehr, wenigstens dort etwas über das weitere Vorgehen zu erfahren.

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