«Er ist kein bösartiger Mensch»

Am Montag raubte Daniel N. die Badener Kantonalbank aus: Für sein Umfeld ist dies unfassbar.

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Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

«Ich bin aus allen Wolken gefallen», sagt Silvia Boer, Servicefachangestellte im Ehrendinger Bistro Ampère. Dort sass Daniel N. (33) etwa viermal pro Woche und trank sein Bier: «Er war sehr nett und hilfsbereit. Geredet hat er aber nicht viel.» Dies bestätigt auch ihr Lebenspartner und «Ampère»-Besitzer Rolf Kellenberger: «Man musste ihm jedes Wort aus der Nase ziehen. Wir sind überzeugt, dass er unter Depressionen litt.» Am letzten Samstag trank er das letzte Bier im «Ampère»: «Er war noch ruhiger als sonst.»

Zwei Tage später wurde aus dem Ehrendinger ein mutmasslicher Bankräuber (MZ berichtete). Dabei ging er unmaskiert in die Schalterhalle der Badener Kantonalbank, bedrohte die Angestellte mit einer Pistole und erbeutete sich 10 000 Franken. Danach flüchtete er mit dem Flugzeug nach Palma de Mallorca. 24 Stunden später verhaftete ihn die spanische Polizei in einem Hotel. Laut dem «Blick» hat der Maler den Banküberfall offenbar seit einiger Zeit vorbereitet. Er überwies noch die September-Miete (830 Franken) für seine Dreizimmerwohnung. Dann löschte er sein Facebookprofil, verfasste einen Abschiedsbrief an seine Familie und fuhr mit dem Postauto zur Kantonalbank. Er habe sie alle gern. Und hoffe, dass sie ihm den «Seich» verzeihen können, den er jetzt tun werde. Vielleicht melde er sich per

E-Mail, schrieb Daniel N. gemäss «Blick» an seine Familie. Zudem verfasste er auf einem Zettel eine handgeschriebene Nachricht an seinen Chef.

«Er litt unter Einsamkeit»

«Er hat mich informiert, dass er nicht mehr arbeiten kommt», sagt sein Chef. Er entdeckte die beiden Nachrichten als Erster, als er am Montagmorgen Daniels Wohnung betrat: «Er kam nicht zur Arbeit, also schaute ich bei ihm vorbei. Ich machte mir Sorgen, weil er sonst immer pünktlich war.» Die Briefe überflog er nur: «Ich kontaktierte sofort seine Schwester.» Diese informierte die Polizei, weil sie Angst hatte, ihr Bruder würde sich das Leben nehmen. Die Vermisstmeldung war der entscheidende Tipp für die Polizei.

«Ich würde gern verstehen, warum Daniel so etwas getan hat», sagt sein Chef. Er hat sich vorher nie etwas zuschulden kommen lassen.» Für ihn ist klar: «Daniel N. ist kein bösartiger Mensch. Er war ein guter Mitarbeiter und hat sich stets korrekt verhalten.» Viel geredet habe er zwar nicht, aber er sei von seinen Kollegen akzeptiert worden.

Silvia Boer hat ihren Stammgast nur einmal anders erlebt: «Meine Nichte und ich haben ihn einmal in die Disco mitgenommen. Wir haben es bis fünf Uhr morgens krachen lassen. Er war lustig und tanzte sehr gut.» Er erzählte der Servicefachangestellten des «Ampère» aber auch, dass er unter Einsamkeit leide und keine Freunde habe: «Er hatte Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen, weil er so verschlossen war.» Sie kann sich nicht vorstellen, dass er seine Tat langfristig plante: «Das muss eine Kurzschlussreaktion gewesen sein. Vielleicht wollte er einfach mal etwas Aufregendes erleben.»

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