Sebastian Hagenbuch

Remo Germann vom Jonental ist schon über 36 Jahre mit seiner fahrbaren Brennerei unterwegs. Wem das lange erscheint, dem muss das Alter seines Gefährts geradezu historisch vorkommen: Die mobile Kundenbrennerei wurde bereits im Jahr 1893 gebaut. «Klar musste man seither viele Teile ersetzen. Jedes Ersatzstück ist eine Einzelanfertigung, und das Prinzip der Brennerei ist stets dasselbe geblieben», erkärt Germann.

Während bis zu zehn Monaten pro Jahr sucht er mit seiner Schnapsbrennerei Sammelplätze auf. Diese sind meist auf dem Hof eines Bauern. Dort wird er mit Wasser, Holz und Mittagessen versorgt. Die Bauern aus der Region bringen dann ihre Fässer mit eingelegtem Obst, damit Germann den Destillationsprozess durchführen und die gegorenen Früchte - Äpfel, Birnen, Kirschen, Quitten, Zwetschen oder Trauben - zu Schnaps brennen kann.

Fast ungetrübte Zukunft

Germann blickt zuversichtlich in Richtung Zukunft. Er hat eine grosse Stammkundschaft und genügend Aufträge. Auch die Wirtschaftskrise vermag seinen Elan nicht zu bremsen, ganz im Gegenteil. «Die Bauern gehen in schwierigen Zeiten noch sorgfältiger mit ihren Rohstoffen um», hat Germann bemerkt. Das führt dazu, dass das Obst sorgfältiger aufgelesen und mehr gegorenes Obst zu ihm gebracht wird.

Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung: Germann ist des Brennens noch nicht müde. «Ich möchte noch ein paar Jahre weitermachen, aber natürlich habe ich auch schon über eine Nachfolge nachgedacht», so der Freiämter. Am schönsten wäre es für ihn, wenn einer seiner Söhne den Betrieb weiterführen würde. Ob dies dann tatsächlich der Fall sein werde, könne man zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen, meint er schulterzuckend.

Schnapsbrennen für Anfänger

Gelernt hat Germann das Schnapsbrennen als Angestellter einer Brennerei. Dort kam er auf den Geschmack, und als sich ihm die Möglichkeit bot, die mobile Kundenbrennerei des in den Ruhestand tretenden Walter Widler aus Jonen zu kaufen, hat er sofort zugeschlagen. Damit ein allfälliger Nachfolger von Germann gut eingearbeitet wird, kann er ihm zunächst über die Schulter schauen. Die eidgenössische Alkoholverwaltung des Bundes bietet sogar Brennkurse für Anfänger an, wo sich potenzielle Aspiranten das nötige Know-how aneignen können.

Auf das illegale Brennen und den Eigenkosum seines Produktes angesprochen meint Germann: «Ich werde wöchentlich von der Alkoholverwaltung kontrolliert und kann mir keine Unstimmigkeiten leisten. Schliesslich verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit Schnapsbrennen.» Er denkt nicht, dass heutzutage viel Schnaps illegal hergestellt wird. Persönlich mag er ab und zu ein Kafi Lutz oder einen Bätzi (Schnaps aus Äpfel und Birnen), aber alles im Mass. Germann sieht zu, wie der destillierte Schnaps aus seiner Brennerei in eine Kanne tropft und meint nachdenklich: «Obwohl es so ein klares Wässerchen ist, vermag es doch so viel zu trüben.»