Bürgerbus
Eine Spritztour wird zur Extrafahrt

Der Bürgerbus von Hellsau-Höchstetten-Willadingen-Koppigen ist erfolgreich gestartet. Eine Testfahrt von gestern Morgen deutet aber vor allem auf das Potenzial hin.

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Solothurner Zeitung

Marisa Cordeiro

Es ist kurz nach acht Uhr, und in Hellsau liegt dichter Nebel. Bis der Bus kommt, dauert es noch eine Weile. Die Hoffnung, dass er schon früher eintrifft und eine Sitzgelegenheit an der trockenen Wärme bietet, verfliegt rasch. Sie sei auch schon mitgefahren, entgegnet eine Passantin auf eine entsprechende Frage.

Nicht aus Neugier, sondern aus Überzeugung: «Wenn uns ein solches Angebot schon bereitgestellt wird, soll man es auch nutzen», meint sie und fügt an: «Für Kommissionen in Koppigen ist es praktisch.» Doch heute bleibt sie im Dorf und führt ihren Hund spazieren.

Auslastung Ende Oktober auswerten

«Mit dem ersten Zwischenergebnis sind wir zufrieden - auch wenn es nach so kurzer Zeit noch nicht sehr aussagekräftig ist», sagt Rita Marti (parteilos), Hellsauer Gemeinderätin und Medienverantwortliche der Bürgerbuskommission. Seit dem 10. August verfügen die Gemeinden Hellsau, Höchstetten, Willadingen und Koppigen nämlich versuchsweise für drei Jahre über ein neues Angebot des öffentlichen Verkehrs. Mit dem Bürgerbus nach Koppigen sind Hellsau, Höchstetten und Willadingen an den dortigen öffentlichen Verkehr angeschlossen. Bis dato habe die Auslastung und die verkauften Abos die Erwartungen sogar übertroffen, sagt Marti. Was das in Zahlen heisst, kann sie noch nicht sagen. Die Auswertung der Beförderstatistik erfolge erst Ende Oktober. Die Bevölkerung werde an den bevorstehenden Gemeindeversammlungen orientiert. Der Busbetrieb kostet die Gemeinden 80 000 Franken, wovon der Kanton 50 000 Franken übernimmt. Er fordert allerdings, dass der Bus einen Kostendeckungsgrad von mindestens 20 Prozent erreichen muss. «Dies zu erfüllen, wird nicht einfach», sagt Marti. Doch brauche das neue Angebot eine gewisse Anlaufzeit. Sie hofft, dass mit dem Winter die Auslastung steigen wird. Der Bürgerbus ist übrigens mit einem Wettbewerb an der Koppiger Gewerbeausstellung dieses Wochenende präsent. (com)

Umdenken gefordert

Seit gut sieben Wochen ist der Bus zwischen Hellsau, Höchstetten, Willadingen Richtung Koppigen in Betrieb, ein Angebot, für das die Gemeinden lange gekämpft haben. Erfolgreich sei dieser nun auch gestartet, ist im Internet zu lesen. In den ersten 25 Betriebstagen - vom 10. August bis 11. September - sind auf 150 Kursen total 417 Personen mit jenem Bus gefahren, der soeben beim Feuerwehrmagazin in Hellsau vorfährt.

Es ist der letzte Kurs der Morgenschicht von Chauffeur Otto Wälchli. Er teilt sich die Fahrten mit Walter Tschiemer und zwei Ersatzchauffeuren. Los gehts Richtung Höchstetten, Käsereistrasse. Die Haltestellen scheinen nur für Ortskundige sichtbar. Umgeben von Höfen, auf einer engen Kreuzung mitten im Dorf weist einzig eine kleine gelbe Fahrplantafel darauf hin, dass von Montag bis Freitag hier jeweils ein öffentliches Verkehrsmittel Halt macht.

«Nomen est Omen» muss man ihm allerdings zugestehen, ist doch der Bürgerbus eigens für die Bewohner von Hellsau, Höchstetten und Willadingen ins Leben gerufen worden. Auch sie sollten einen Anschluss an den öffentlichen Verkehr in Koppigen erhalten.

«Man merkt, dass Ferienzeit ist», sagt Chauffeur Wälchli. Normalerweise führen pro Kurs zwei, drei, bis zu fünf Personen mit, darunter auch Gymnasiasten. Manchmal komme es aber auch zu Leerfahrten. Es gebe aber auch Berufstätige, die mit dem Bürgerbus bereits zur Arbeit pendelten. «Jene, die das Angebot nutzen, finden es auch praktisch.»

Doch erfordere die neue Art der Mobilität bei den meisten noch ein Umdenken, sagt er. Die Leute «hier» seien es sich gewohnt, selber zu fahren. Vielerorts stünden zwei Autos vor dem Haus, beobachtet Wälchli, für den der Chauffeurdienst ein Nebenerwerb zum Bauernbetrieb bedeutet.

«Manchmal ist es komisch»

Die Fahrt nach Willadingen Moosgasse und Dorf Richtung Koppigen führt am Schulhaus vorbei weiter Richtung Zentrum. Bisher habe er es nie erlebt, dass jemand «hier» zugestiegen und bis «Aspi» gefahren sei, sagt Wälchli just als er bei der Gemeindeverwaltung in Koppigen vorfährt. Das erstaune, seien doch die Planer davon ausgegangen, dass Senioren das Angebot für Besuche im dortigen Heim nutzen würden. «Vermutlich muss sich das aber erst noch herumsprechen», sagt er.

Bei Koppigen «Post» warten endlich die ersten Fahrgäste. Sie heben die Hand, winken zum Gruss und Wälchli hält - doch die Wartenden bleiben stehen. «Es ist nicht meine Lieblingstour», gibt der Chauffeur zu, als er den Blinker wieder Richtung Strasse setzt und die Fahrt ohne Passagiere fortführt. «Manchmal komme ich mir schon komisch vor. Ich fahre zu, halte an und fahre dann wieder weg, ohne dass jemand zusteigt.» Der Schulbus, den er bereits seit Jahren fahre, bereite ihm deshalb mehr Freude.

Doch lässt sich der Chauffeur nicht entmutigen: «Gut möglich, dass die Auslastung im Winter, wenn es kalt und die Tage kürzer werden, besser wird.» In Hellsau taucht der gibeligelbe Bus wieder in den Nebel ein. Und so endet die kurze Spritztour mit Otto Wälchli, die notabene zur «Extrafahrt» geworden ist.

Infos unter www.hellsau.ch

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