Grenchen

Ein wahrer Mehrwert für alle

Sinnvolle Sache: (v.l.) Erich Blaser (Kontaktperson Tandemgruppe für Sehbehinderte und Blinde Solothurn und Umgebung), Boris Banga (Stadtpräsident Grenchen), Hans Kübli (Gemeindepräsident Bettlach) und Viktor Stüdeli (Gemeindepräsident Selzach) freuen sich über das gesponserte Tandem. (Bild:Felix Gerber)

Tandem

Sinnvolle Sache: (v.l.) Erich Blaser (Kontaktperson Tandemgruppe für Sehbehinderte und Blinde Solothurn und Umgebung), Boris Banga (Stadtpräsident Grenchen), Hans Kübli (Gemeindepräsident Bettlach) und Viktor Stüdeli (Gemeindepräsident Selzach) freuen sich über das gesponserte Tandem. (Bild:Felix Gerber)

Die Gemeindepräsidien aus Grenchen, Bettlach und Selzach übergaben der Tandem-Gruppe, die unter dem Patronat der Kontaktstelle für Sehbehinderte und Blinde steht, eine neues, doppelsitziges Velo. Damit kann die aus 10 «Piloten» und 15 Sehbehinderten bestehende Gruppe noch aktiver werden.

Gundi Klemm

Grenchens Stadtpräsident Boris Banga, der - bei der Tandem-Übergabe auch im Auftrag seiner beiden Kollegen Hans Kübli (Bettlach) und Viktor Stüdeli (Selzach) - sprach, bekräftigte dieses gemeinsame Sponsoring für ein Tandem als «besonders sinnvolle Sache». Grundsätzlich gehe es einer Gesellschaft nämlich nur so gut, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgehe. Die Menschen, die vom gemeinsam durch Grenchen, Bettlach und Selzach finanzierten Doppelvelo nun profitieren, taufte Banga kurzerhand von «Sehbehinderte» in «Sehverhinderte» um. Denn gerade bei diesen Personen, so wusste es der Stadtpräsident, seien ja alle übrigen Sinne und viele Fähigkeiten besonders stark entwickelt.

«Ich geniesse die Gerüche»

Wie etwa beim Grenchner Jean Müller, der durch Absterben des Sehnervs erst nach der Pensionierung erblindete. Mit Kreativität und Fingerfertigkeit töpfert der frühere Mechaniker heute formvollendete Schalen und sogar Figuren. Auch er nutzt besonders gern das seit vier Jahren bestehende Bewegungsangebot der Tandemgruppe. «Es ist einfach wunderbar, gemeinsam mit dem Piloten auf dem Velositz vor mir durch die Landschaft zu fahren. Ich geniesse die Natur, ihre Gerüche und Düfte, die Arbeit meiner Beine und erst recht die Gespräche mit meiner Begleitung», sagt er aus tiefem Herzen dankbar. Seit er regelmässig Velo fahre, sei er kräftiger sowie insgesamt sportlicher geworden und traue sich selbst wieder mehr zu.

Ehrenamt mit Mehrwert

Einer der Tandem-Piloten, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen, ist der Subinger Kurt Dauwalder. «Ich selbst bin gerne an der frischen Luft», unterstreicht der beruflich als Metzger tätige Mann. «Und warum soll ich nicht gleichzeitig jemandem, der das sonst nicht könnte, ein Bewegungspensum im Freien ermöglichen?» Dieses Engagement sei für ihn «ein Ehrenamt mit Mehrwert», schmunzelt er. Organisiert wird der Einsatz der zehn durch Kurse bei der Dachorganisation «Plusport» ausgebildeten Betreuerinnen und Betreuer durch Hans-Rudolf Flückiger (Derendingen), der selber sehbehindert ist. Das Tandem-Angebot werde immer bekannter, berichtet er. Die Interessenten für eine Ausfahrt würden sich in der Regel selber melden. Als Initiant der Gruppe, die ohne Vereinsstatuten unter dem Patronat der Solothurnischen Kontaktstelle für Sehbehinderte (Olten) agiert, wirkt Erich Blaser, den man in der Region als ehemaligen Wirt im Derendinger «Widder» kennt. Dank seinen Ideen erlebt die Gruppe eine beachtliche Weiterentwicklung.

Noch kein Unfall

Als Dank für das gesponserte vierte Doppel-Fahrrad gab Blaser einen Einblick in die sportliche Leistungsfähigkeit der Gruppe. So unternehme man gemeinsam Ausflüge und Seerundfahrten und habe dabei bald 5000 km «pedalt». Auch die Teilnahme an der in Bätterkinden ausgerichteten Schweizer Meisterschaft im Zeitfahren zählte dazu. Man sei gut versichert, und falls doch etwas passiere, dürfe man auf den TCS-Abschleppdienst zählen. «Unfälle hat es zum Glück bei uns aber noch nicht gegeben.» Denn die Tandems seien belastbar und gut ausgerüstet. Den Start der Gruppe ermöglichte das erste Doppelvelo als Geschenk der Gemeinden Solothurn und Derendingen. Das zweite, so Blaser, habe man mit den Einnahmen eines Festes selber erwirtschaftet. Das dritte Gefährt sponserte Feldbrunnen. Und das neue Tandem der drei Gemeinden, das bezeichnenderweise in Altreu an einem wichtigen Punkt des nationalen Velonetzes übergeben wurde, erweitere nun die Aktivitäten. «Das ist das Beste, was mir gegenwärtig passiert», lobte ein durch einen Skiunfall schwer gezeichneter Teilnehmer - ein früher erfolgreicher Biker - dieses Tandem-Angebot. «Chapeau, was diese Leute alles machen», sagte er mit Blick auf die Betreuer-Crew. Deren Ausbilder Peter Roth erläuterte zudem kurz die bei Plusport ausgebaute Förderung des Breiten- und Spitzensports für Personen mit Handicaps.

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