Carole Gröflin

Sieben Jahre lang war das grösste Mosaik der Sammlung in Augusta Raurica aus Sicherheitsgründen verpackt gewesen. Anfang Juli wurde das 100 Kilogramm schwere Artefakt umfassend aufgefrischt.

«Wir müssen bei der Einsetzung der jährlich zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel jeweils Prioritäten setzen», erläutert Donald Offers, Leiter Restaurierungen in Augst, weshalb die Wiederherstellung so lange auf sich warten liess.

Die Museumsleitung von Augusta Raurica beauftragte André Zehrfeld und seine Frau Susanna Sbaraglia mit der Restaurierung. «Mit ihnen haben wir bereits in der Vergangenheit gearbeitet, und wir waren jeweils sehr zufrieden mit dem Ergebnis», sagt Offers. Als die Arbeiten gestartet wurden, ging man davon aus, dass die Risse sowie Verfärbungen am Mosaik durch Menscheneinwirken entstanden seien.

Faulige Überraschung

Die Überraschung war gross, als sich die Rückseite des Mosaiks dem Restaurations-Team offenbarte: Die Rückwand aus Spanplatten war verfault, die einst holzige Stütze war schwammig. André Zehrfeld erklärt: «Dieses Mosaik – wie die meisten in Augst– wurde in den 1970er-Jahren zuletzt restauriert. Damals wurden andere Materialien verwendet.»

Einen Vorwurf will der gebürtige Deutsche seinem Vorgänger jedoch nicht machen. «Es ist gut möglich, dass wir für unser Vorgehen in 50 Jahren belächelt werden», sagt Zehrfeld.

Hauptsächlich wurde Araldit verwendet, um die Steinchen zu fassen. Rund 150 Schrauben wurden zudem angebracht, um das Kunstwerk zu befestigen. Da diese lediglich zwei Zentimeter lang waren, wurden sie ihrer Aufgabe nicht gerecht. Durch das frühzeitige Anbringen der Stützverkleidung konnte verhindert werden, dass das römische Mosaik niederstürzte.

Massanfertigung benötigt

Nachdem die modrigen Spanplatten entfernt wurden, begann das Team, die Mosaiksteine zu desinfizieren und den Schimmelbefall zu bekämpfen. Ein Konzept für eine neue Trägerkonstruktion aus Edelstahl wurde ausgearbeitet und bei einer lokalen Schlosserei in Auftrag gegeben.

«In unserem Beruf wird man immer wieder herausgefordert», meint der 41-jährige Zehrfeld. So sei das Unbekannte bei einem Auftrag jeweils die grösste Herausforderung. Das Mosaik hängt seit letzter Woche wieder an der Wand. Zehrfeld und seine Frau sind nun bemüht, die Risse mit Mörtel aufzufüllen und Araldit-Spuren abzuschleifen. Bald soll der Grundputz angebracht werden.

Eine chemische Reinigung werde man jedoch nicht vornehmen. «Die Patinierung und Ablesbarkeit der Geschichte soll grösstmöglichst erhalten bleiben», erläutert der Restaurator.

Noch während zweier Wochen kann dem Restaurations-Paar in der Mosaikensammlung bei seiner spannenden und millimetergenauen Arbeit über die Schultern geschaut werden.