Eisbahn
«Ein Cadillac statt eines VW Golfs»

Es wird eine harte Auseinandersetzung zwischen den Eisbahnbefürwortern und dem Gemeinderat. Die Befürworter werfen diesem vor, mit viel zu pessimistischen Zahlen zu operieren.

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Visualisierung Eisbahn Urdorf

Visualisierung Eisbahn Urdorf

Flavio Fuoli

Der Gemeinderat habe im Rahmen der Bearbeitung der Eisbahninitiative aus einem VW Golf einen Cadillac gemacht, sagte Markus Bösiger vom Komitee «Weihermatt für alle». Dies könnte als Quintessenz gelten für das, was das Komitee an einer Presseorientierung dem Gemeinderat vorwirft. Zur Erinnerung: Nächsten Mittwoch erfolgt eine vorberatende Gemeindeversammlung über den Zusatzkredit von 2,11 Millionen Franken, über den am 29. November an der Urne abgestimmt wird.

Bösiger wirft dem Gemeinderat seine finanzpolitischen Prioritäten nicht vor, aber die Art und Weise, wie er in der Weisung zum Geschäft informiere, wie er weiter sagte. Konkret: «Der Gemeinderat präsentiere einen unnötig aufgeblähten Zusatzkredit und argumentiert in unzulässiger Weise mit angeblich notwendigen Zusatzinvestitionen und einem ebenso übertriebenen Betriebskredit.» Dieses Vorgehen sei unzulässig, politisch wie auch rechtlich.

Eine Million Franken weniger

Peter Sturzenegger, der Totalunternehmer, der unter anderem den Schluefweg saniert hatte, sagte, man habe bewusst gewisse Risiken ausgeklammert wie Baugrund, Altlasten und die bestehende Kälteplatte. Diese Risiken übernehme kein Totalunternehmer. Die Anlage sei funktionstüchtig, diverse Sachen, welche der Gemeinderat in die Weisung genommen habe, seien nicht angemessen für diese Anlage. Er kam aufs Energie-Contracting zu sprechen. Danach seien Energiekonzerne bereit, in die Hausenergiezentrale zu investieren. Das würde die Investitionskosten um eine Million Franken reduzieren. Sturzenegger behauptete: «Die von uns errechneten 4,9 Millionen Franken Kosten würden reichen, ohne Folgekosten in nächster Zeit.»

Bernhard Kunz, Mitinitiant und Präsident des EHC Urdorf, sprach den kantonalen Investitionsbeitrag von 500 000 Franken an, den Urdorf erwarten kann. Als weitere Option könne sich der EHC vorstellen, die Matchuhr und die Banden zu finanzieren. Das würde eine weitere Reduktion der Investitionskosten von 250 000 Franken bedeuten. Die für 150 000 Franken vom Gemeinderat eingesetzte Bauherrenvertretung wäre nicht nötig, könnte laut Kunz doch eine Urdorfer Baukommission diese Arbeit erledigen. Auch bei den Bewilligungs- und Anschlussgebühren sollte nur der Mehrwert der Anlage unter die Gebührenordnung gestellt werden.

Zu hoch kalkuliert?

Die Initianten fühlen sich von der gemeinderätlichen Weisung desavouiert. Das Zusatzkreditbegehren sei bewusst überdehnt worden. So werde suggeriert, bei der Eissportanlage handle es sich um ein Fass ohne Boden, welches schon bald nach erheblichen Zusatzinvestitionen rufen würde. Tatsache sei, dass der Totalunternehmer einen mindestens zehnjährigen Weiterbetrieb der Anlage garantiere und erhebliche Zusatzinvestitionen als ausgesprochen unwahrscheinlich taxiere.

Sind Initianten desavouiert?

Auch bei der Betriebsrechnung sieht Evelyne Locher, die Co-Initiantin, zu korrigierende Angaben. Die Kapitalfolgekosten würden durch den Kasak-Beitrag (Kantonsbeitrag) und einem möglichen Energie-Contracting reduziert. Der Gemeinderat würde die Betriebsfolgekosten einfach auf dem heutigen Stand weiterrechnen. Dank dem Dach gäbe es eine Energieverbrauchsreduktion, der Eismeister hätte weniger Aufwand und die Belegung wäre höher, weil die Eisbahn mehrere Wochen länger offen halten könnte. Zudem sei die Sommernutzung nicht berücksichtigt, etwa durch eine Minigolfanlage. Locher rechnet mit 20 Prozent Betriebskosten weniger als in der Weisung aufgeführt.

Joseph Leimgruber erinnerte daran, dass die Kapitalfolgekosten bei einem Kredit von 6,11 Millionen Franken nur im ersten Jahr 794 300 Franken betragen würden. Bereits nach zehn Jahren sei dieser Betrag dank Abschreibungen auf 299 708, nach zwanzig nur noch auf 104 502 Franken jährlich gesunken. Das Volk sei in dieser Hinsicht nicht richtig informiert worden, so Leimgruber.

Sport versus Fettleibigkeit

Miguel Lehmann trat der gemeinderätlichen Meinung entgegen, dass lediglich die Eissportvereine Interesse an der Weihermatt hätten. «Mit einem Abbruch würden wir Unsportlichkeit und Fettleibigkeit nur fördern», war er der Meinung. Die Eisbahn sei ein gutes Wintersportangebot. An einem Wochenende seien viele Leute dort anzutreffen, darunter viele Einheimische. Und das neue Dach würde für den Betrieb garantieren.

Schliesslich wehrt sich das Komitee «Weihermatt für alle» gegen die Entweder-oder-Taktik des Gemeinderats. Der möchte die Eisbahn abbrechen, falls der Kredit an der Urne durchfällt. Dies widerspreche dem Volkswillen, der durch die Abstimmung vom Herbst 2007 manifestiert worden sei, so die Ansicht des Komitees.