«Diese Arbeit ist sehr spannend»

Rund 300 Stunden hat Urs Kistler bis jetzt an seinem Modell der Brugger Vorstadt gearbeitet. Zusammen mit seinen Modellen des Aareüberganges beim Schwarzen Turm und des Schlosses Hallwyl wird die Arbeit jetzt an der Hobby-Messe des Seniorenrates ausgestellt.

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Kistler

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Aargauer Zeitung

Louis Probst

«Ich weiss nicht, ob das Bohnen oder Reben sind», meint Urs Kistler schmunzelnd und platziert ein winziges «Pflänzchen» in seinem Modell der Brugger Vorstadt. Genauer: in die Ecke zwischen dem längst verschwundenen Westtor und der Aare. In der Werkstatt riecht es nach Leim. Und aus dem CD-Player ertönt klassische Musik.

«Das Modell zeigt die Vorstadt um 1500», erklärt Urs Kistler. «Aus Ratsprotokollen weiss man, dass zwischen 1522 und 1525 die Stadtmauern der Vorstadt erstellt worden sind.» Aus dem Modell von Urs Kistler wird aber nicht nur der Verlauf dieser Stadtmauern ersichtlich. Dargestellt wird sogar, wie die Stadtmauern im östlichen Bereich der Vorstadt gebaut werden. «Ich habe mir vorgestellt, wie das vor sich gegangen sein könnte», sagt der Bauingenieur Urs Kistler. «Ich denke, dass man die Steine für die Mauer vor Ort gebrochen hat. Der Untergrund besteht ja aus Fels. Ich habe aber beim Historiker Max Baumann nachgefragt. Seine Antwort hat mich dann allerdings etwas verunsichert. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass man so vorgegangen ist, wie ich mir das vorstelle.»

Wirklichkeitsgetreu so weit möglich

Urs Kistler legt grossen Wert darauf, dass seine Modelle der Wirklichkeit entsprechen, soweit sich diese Wirklichkeit überhaupt noch rekonstruieren lässt. Die Grundlagenbeschaffung ist nämlich nicht immer ganz einfach.

«Die meisten Stiche mit Ansichten der Brugger Vorstadt sind jüngeren Datums», erklärt er. «Und die alten Ansichten sind oft sehr fantasievoll. Von Johannes Stumpf beispielsweise gibt es eine Ansicht, bei der die Fortsetzung der Aarebrücke mitten durch den Schwarzen Turm verläuft. Ich weiss natürlich nicht, wie die Vorstadt damals ausgesehen hat. Ich habe mich aber von Peter Frey, dem Spezialisten für das Mittelalter bei der Kantonsarchäologie, beraten lassen.» Eine grosse Hilfe ist Urs Kistler aber auch die Dissertation von Max Stahl aus dem Jahre 1959, in der minuziös die Gebäude der Stadt Brugg um 1530 aufgezeigt und auch beschrieben werden.

Fortsetzung zum Brückenmodell

Auf die Idee gekommen, die Brugger Vorstadt im Massstab 1:100 nachzubauen, ist Urs Kistler bei der Arbeit an seinem Modell der gedeckten Aarebrücke beim Schwarzen Turm. «Irgendwie wie hat es mich damals gestochen, wie das weitergehen könnte», gesteht er ein. «Aber mit der Vorstadt habe ich mir schon etwas eingebrockt. Ich habe ja auch Modelle des Schlosses Hallwyl, der Liebegg und der Trostburg gebaut. Aber dort habe ich immer auf genaue Planaufnahmen zurückgreifen können. Für die Vorstadt gibt es jedoch nichts Derartiges.»

Das Ganze sei aber schon sehr spannend und mache Spass, stellt er fest. «Ich stelle alles selber her. Ich kaufe nichts. Daher stosse ich immer wieder auf ein Problem, bei dem ich mich fragen muss: Wie kann ich das jetzt machen?» Gelöst hat Urs Kistler dabei, unter anderen, das Problem der Figuren, die seine Modelle bevölkern. «Beim Modell des Aareüberganges habe ich die Figürchen aus Holz geschnitzt», sagt er. «Jetzt mache ich sie aus Draht. So sind sie auch formbar.»

Er räumt aber ein: «Bei den Figuren kann ich den Massstab nicht mehr genau einhalten. Die Figürchen würden sonst viel zu klein. Im Mittelalter waren die Leute zudem erst noch kleiner als heute. Meine Vorstadtbewohner entsprechen daher alle einer realen Körpergrösse von einsachtzig bis zwei Meter.» Ein Problem hat Urs Kistler allerdings noch nicht ganz im Griff: «Ich höre stets Musik, wenn ich am Modell arbeite», sagt er. «Da kann es schon passieren, dass mir ganz kleine Teile wegfliegen, wenn ich zur Musik vor mich hin pfeife.»

Bis jetzt habe er etwa 300 Stunden in den Nachbau der Brugger Vorstadt investiert, stellt Urs Kistler fest. «Bis zur Ausstellung wird das Modell wohl nicht ganz fertig werden. Aber so kann man sehen, wie ich arbeite. Ich freue mich jedenfalls auf die Ausstellung.»

Hobby-Messe des Seniorenrates der Stadt Brugg. Berufsbildungszentrum Brugg. Annerstrasse. Samstag, 21. November, von 13.30 bis 17 Uhr. Sonntag, 22. November, von 10.30 bis 17 Uhr. Kein Eintritt. Kein Verkauf. Verpflegungsmöglichkeit vorhanden.

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