Oberaargau
Die vielen versteckten Edelsteine

Das Smaragd-Gebiet Oberaargau fördert eine vielfältige und attraktive Natur und Landschaft. In der Region Aarwangen-Thunstetten lebt mit der Helm-Azurjungfer eine äusserst seltene Libellenart. Verstecktes kommt auf dem Streifzug mit Biologe Christian Hedinger zum Vorschein.

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Christian Hedinger

Christian Hedinger

Berner Rundschau

Brigitte Meier

Nach einem kurzen Mairegen strahlt die Nachmittagssonne auf die idyllische Waldlichtung und erwärmt die lehmhaltige Erde. In der Nähe der Aarwanger Risigrube streift Christian Hedinger durch die grüne Wildnis. «Sehen Sie den winzigen Vogel dort drüben - ein Zaunkönig», erklärt der Koordinator für das Smaragd-Gebiet. Unweit entfernt lebt die Geburtshelferkröte. Die Suche gilt jedoch einer anderen, seltenen Amphibienart - und tatsächlich: In einen Tümpel schwimmen über ein Dutzend Gelbbauchunken, obwohl sie durch ihre perfekte Tarnfarbe kaum vom trüben Wasser zu unterscheiden sind.

Biodiversitätstag Oberaargau im Berken-Cher

Das Smaragd-Gebiet Oberaargau ist das grosse Thema am zweiten Biodiversitätstag Oberaargau, der die Vielfalt des Lebens aufzeigen will. Er findet am Sonntag im so genannten Berken-Cher zwischen dem Kraftwerk Bannwil und der Berkenbrücke statt. Dieser Abschnitt der Aare liegt mitten im Smaragdgebiet. Auf einem Erlebnisspaziergang auf abwechslungsreichen Pfaden (rund fünf Kilometer) warten 19 Organisationen auf die Teilnehmenden, stellen sich vor, informieren und bieten Spezialitäten aus der Region an. Zu den Organisationen gehören sowohl solche, welche die Natur nutzen, als auch solche, welche sie schützen wollen. Am Berken-Cher hat es nur wenige Parkplätze. Die Organisatoren bieten deshalb ab 9.30 Uhr stündlich einen kleinen Shuttle-Bus ab Bahnhof Langenthal nach Stadönz an (Sitzplatz-Zahl beschränkt, Rückfahrt zur vollen Stunde). Ab Bahnhof Bannwil ist der Rundgang mit einer zwei Kilometer langen Wanderung erreichbar, ab Wangen a/A sind es vier Kilometer, ab Herzogenbuchsee fünf Kilometer. (mgt/jr)

Sonntag, 17. Mai, 10 bis 16 Uhr. Beteiligte Organisationen: ASA - Schutz der Aare, Benis Imbiss, Biketec AG, Landfrauen Langenthal, onyx-Energie Mittelland, VCS Oberaargau-Emmental, Arge Oenztal, Hallo Biber!, Naturfreunde Oberaargau, Patentjägerverein Wangen-Aarwangen, Verein Smaragd-Gebiet Oberaargau, WWF Bern, Pro Natura Oberaargau, Geissbühler Glacen, Bienenzüchterverein Oberaargau, Fischpachtvereinigung Oberaargau, Vogelschutzvereine Langenthal, Lotzwil-Bleienbach-Rütschelen und Aarwangen. Weitere Infos: www.biodiversitaetstag.ch

Hedinger spricht mit gedämpfter Stimme, damit die scheuen Tiere nicht aufgescheucht werden. Mit einem kleinen Netz fischt er geschickt eine Unke und legt sie auf seine Handfläche. Ihr typisch gefärbter Bauch wird sichtbar. «Gelb-Schwarz bedeutet in der Natur giftig - beispielsweise bei der Wespe», erklärt der Biologe. Behutsam setzt er die Unke auf einen Stein. Diese verharrt kurz in einer Schreckstellung, um dann quicklebendig in den Tümpel zu hüpfen.

«Kiesgruben sind das letzte Refugium für Unken. Ziel ist es, 40 weitere Tümpel anzulegen und zu vernetzen. Der genetische Austausch ist wichtig, damit die Tiere fit bleiben. Unken brauchen nicht grossen Flächen, aber flaches Wasser ohne viel Vegetation. Die Tümpel müssen deshalb betreut werden, damit sie nicht verlanden», erklärt Hedinger.

Partnerschaftliches Projekt

Christian Hedinger ist in Zofingen aufgewachsen. «Als Bub habe ich in Tümpeln auf dem Gelände hinter der Firma Siegfried gespielt. Als eine so genannte Flurbereinigung durchgeführt wurde, wurden die natürlichen Spielplätze zerstört. Das war der Auslöser, mich beim WWF und bei Pro Natura zu engagieren - und später Biologie zu studieren», erzählt der 53-jährige Burgdorfer. Er hat sich zum Botaniker, Fachrichtung Vegetationskunde-Ökologie ausgebildet und arbeitet im Atelier für Naturschutz und Umweltfragen UNA in Bern. Seit 1984 leitet und koordiniert er grössere Projekte wie das Smaragd-Gebiet. Dieses umfasst 21 Gemeinden in den vier Kantonen Bern, Luzern, Aargau und Solothurn.

Finanziert wird das Projekt vom Bundesamt für Landwirtschaft, Kantonen, Gemeinden, Sponsoren und dem Fonds Landschaft Schweiz. Hedinger ist dafür verantwortlich, dass die 1,7 Millionen Franken wie geplant eingesetzt werden. Vor allem freut ihn, dass Idealismus auf freiwilliger Basis auch heute noch funktioniert. Dem Smaragd-Gebiet wird von überall her Goodwill entgegengebracht wird. Gefahren sieht er in den vielen Einflüssen und Unsicherheitsfaktoren, welchen die Landbesitzer ausgesetzt sind: «Daraus kann leicht eine allgemeine Skepsis entstehen, die neue Projekte ablehnt.»

Kleinode schützen

Smaragd ist das europäische Netzwerk für gefährdete Tiere, Pflanzen und Lebensräume. «Ein passender Name, der auf versteckte Edelsteine in der Natur hinweist», betont Hedinger und nennt als weiteres Beispiel den Wilden Reis. «Das ist eine Uferpflanze, die im Mittelalter als Getreideersatz diente. In Zusammenarbeit mit den Landwirten wollen wir in Bleienbach und im Rottal wieder Wilden Reis vermehren. Analysen des Bundes zeigten, dass im Oberaargau viele europaweit bedrohte Arten vorkommen. Einzigartig ist die Region Aarwangen-Thunstetten für Libellen. In den Wiesengräben lebt die schweizweit grösste Population der Helm-Azurjungfer.

Durch die optimale Pflege ist es möglich, dass die Wiesengräben ihre Entwässerungswirkung behalten und gleichzeitig durch schonende Uferpflege für Libellen attraktive Lebensräume bleiben. Das Besondere an Smaragd-Gebieten ist, dass Aufwertung und Förderung Priorität geniessen und keine neuen Schutzgebiete ausgeschieden werden. Ein Trägerverein sichert den Bezug zur Bevölkerung und hilft bei Anlässen wie dem Biodiversitätstag mit. Der Verein steht allen offen.
Infos unter: www.smaragdoberaargau.ch.

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