Hausbesetzer

Die Party ist vorbei

Die Hausbesetzer haben wie angekündigt gestern die ehemalige Anlaufstelle an der Dornacherstrasse geräumt. Stadtpräsident Kurt Fluri zeigt ebenfalls wie angekündigt Gesprächsbereitschaft – konkret macht er aber keine Versprechungen.

Wolfgang Wagmann

Gut solothurnisch elf grosse Säcke mit Ghüder stapeln sich - ordentlich beklebt mit Kebag-Marken - an der Mauer mit dem Gitterzaun; eine blaue Fahne hängt an der Antenne auf Halbmast. Ganz aufgeräumt haben die Autonomen nicht: «Ideen kann man nicht totschweigen» prangt weiterhin auf einer breiten Plastik-Blache quer über der Fassade.

«Unser Liegenschaftenverwalter hat bestätigt, dass das Haus in ordentlichem Zustand und geputzt verlassen worden ist», erklärte gestern Stadtpräsident Kurt Fluri. Einzig eine Fensterscheibe sei bei der Besetzung am vorletzten Samstag zu Bruch gegangen - aber einen Strafantrag stelle man deswegen nicht.

«Es gibt keine Liegenschaft»

Die gewaltfreie Auflösung der Besetzung ist offenbar weniger auf einen «Schmusekurs» des Stadtpräsidiums zurückzuführen, sondern auf eher pragmatische Überlegungen. «Zuerst muss ein entsprechendes Polizeiaufgebot für eine Räumung verfügbar sein, und dann wollten wir sicherstellen, dass im Haus sofort mit den Renovationsarbeiten begonnen werden kann.»

Das sei nun der Fall, bekanntlich will die Stadt das Haus neu als Unterkunft für acht bis neun Asylbewerber nutzen. Offen räumte der Stadtpräsident aber auch ein, dass man «keinen Krieg in der Vorstadt» haben wollte - das wäre bei einer sofortigen Räumung wie in anderen Städten - und auch in Solothurn von Hardlinern gefordert - wohl unweigerlich der Fall gewesen.

Die mit dem Abzug verbundene Zusicherung eines Gesprächs will Kurt Fluri einhalten, sobald die Hausbesetzer eine Delegation nominiert hätten. Materiell wollte sich Fluri gestern nicht allzu viel entlocken lassen. Er stellte lediglich fest, dass es in der Stadt keine für ein Autonomes Jugendzentrum AJZ geeignete Liegenschaft gebe, «über die wir verfügen». Im Weiteren müsse die Diskussion auch in der Region geführt werden, «in der Repla oder einem anderen Gremium ist das Thema allerdings noch nie traktandiert gewesen».

Seit zwei Jahren fordern Jugendliche aus der Region ein AJZ. Nach verschiedenen Aktionen hatten sie vorletztes Wochenende die ehemalige Anlaufstelle besetzt, um vor allem mit Partys ihre Ideen von einem selbst verwalteten Jugendzentrum auszuleben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1