Grenchen
Die Masse soll wieder Eterna tragen

Die Wirtschaftskrise und ihre Folgen für die Uhrenbranche haben in diesem Jahr den Blick auf die wirklichen Innovationen im Uhrenbusiness getrübt. Dabei kann die Grenchner Eterna mit einer bahnbrechenden Entwicklung auftrumpfen. Und wie in der Vergangenheit spielen die Kügelchen die Hauptrolle.

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Eterna

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Schweiz am Sonntag

von Urs Byland

«Ideen stehen am Anfang neuer Produkte. Innovative Ideen sind der Schlüssel zum Erfolg.» Was Wirtschaftstheoretiker Tag für Tag predigen, steht in der Uhrenmanufaktur Eterna den Verantwortlichen auf die Stirn geschrieben. Mit neuen Ideen versuchen sie sich den Platz auf dem Markt zurückzuerobern, den sie bedingt durch die Uhrenkrise und die darauf folgenden Besitzerwechsel verloren hatten.

Eterna Grenchen: Seit 153 Jahren in der Uhrenbranche

Eterna ist seit 153 Jahren in der Uhrenbranche tätig. Die Firma gehörte zu den innovativsten Uhrenbetrieben. Erinnert sei an die Eterna Matic (1948), die mit einem kugelgelagerten und deshalb reibungsarmen Rotorsystem ausgestattet wurde. Bis heute ist der Kugellagerrotor Standard bei Automatikwerken. Als der Zementindustrielle Franz Wassmer 1984 die Eterna aus der SMH-Gruppe kaufte, besass er wohl eine Marke, aber das ganze technologische Wissen war verloren. 1995 übernimmt die Familie Porsche die Eterna. 1998 produziert Eterna in Lizenz Porsche Design Uhren. Zum 150-Jahr-Jubiläum der Grenchner Firma präsentiert sie ihr eigenes Kaliber 3030 und kehrt offiziell zu den Ursprüngen als Uhrenmanufaktur zurück. Heute produziert Eterna zwei Linien Manufakturuhren (Vaughan, Madison) sowie drei Linien mit Standardwerken (KonTiki, Contessa, Soleure). Sie beschäftigt rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Entwicklungsbüro sorgen sieben Personen für die innovativen Ideen. (uby)

Vor nicht allzu langer Zeit begann der ETA-Verwaltungsratspräsident Nicolas Hayek an der Schraube zu drehen. Wer mit Menge und Zeitpunkt der Lieferung von Uhrwerken aus der ETA-Produktion unzufrieden ist, solle doch selber Uhrwerke produzieren. Dazu hatte sich Eterna aber schon längst entschieden.

Die Uhrenfirma wollte an ihre Vergangenheit anknüpfen und wieder zur Manufaktur werden, so wie früher vor der Aufteilung in ETA und Eterna Anfang der 80er-Jahre. Weiterhin werden in einem Teil der Eterna-Uhren Uhrwerke der ETA ticken. «Die hundertprozentige Unabhängigkeit suchen wir nicht. Unser strategisches Ziel ist der Aufbau der eigenen Manufaktur», sagt Patrick Schwarz.

Eterna steckte in den letzten Jahren viel Energie in die Entwicklung eigener Manufaktur-Kaliber. Und Eterna will wieder dorthin, wo sie früher schon mal war. Sie will beitragen zur Weiterentwicklung der Uhrenindustrie mit ihren Innovationen.

2002 darf als das Geburtsjahr der Manufaktur Eterna bezeichnet werden. Eterna begann, ein eigenes Uhrwerk (Kaliber) zu entwickeln. Das Einzelstück ging 2005 in Serie und 2008 offiziell in den Verkauf. Inzwischen hat Eterna die Produktion ausgebaut und produziert vier Kaliber.

Die Uhrwerke, und darauf sind Patrick Schwarz, CEO, und Patrick Kurz, technischer Direktor, besonders stolz, werden im eigenen Haus hergestellt und zusammengebaut. Die Herstellung bezieht sich vor allem auf alle Brücken und Platinen.

Hier liegt die grosse Stärke der Uhrenfirma, die beispielsweise mit ihren Maschinen bis zu einer Genauigkeit von 5/1000 Millimeter fräsen kann. Einzelteile, insbesondere gestanzte Teile, Drehteile und Zahnräder, werden extern in Auftrag gegeben.

«Wir sind heute fähig, eigene Uhrwerke zu entwickeln und zu bauen», so Patrick Schwarz. Bei den vier eigenen Kalibern soll es aber nicht bleiben. Weitere werden laut Schwarz und Kury folgen. «Was wir in den letzten vier Jahren aufgebaut haben, darf sich sehen lassen.»

Eterna war die Uhr der Massen und der technologisch modernen Uhrenträger. «Dorthin wollen wir zurück», erklärt Patrick Schwarz. Beste Qualität zu einem fairen Preis sei ihr Credo. Die Kollektionen mit Standardwerken (KonTiki, Contessa, Soleure) kosten ab 2000 Franken. Die Uhren aus der eigenen Manufaktur (Vaughan und Madison) sind ab 5650 Franken zu haben.

Da ist es doch noch ein langer Weg, bis Massen die Werke zu kaufen vermögen. Aber die Qualität hat es in sich. Wer eine Eterna mit der neusten Innovation, dem Kaliber 3505, trägt, ist stolzer Besitzer einer Weltneuheit, die die Uhrenwelt nachhaltig beeinflussen könnte. Die Rede ist vom Eterna Spherodrive.

Die Innovation: Ringe bilden ein Doppelkugellager

Bisher hatte der Federkern zwei Funktionen. Er dient als Aufzugsachse für die Zugfeder und als Aufhängung der Federhaustrommel. Bei der Innovation der Eterna bilden zwei unabhängig von einander drehende Ringe ein Doppelkugellager. Zwischen diesen beiden Ringen ist ein dritter Ring, der auf die Grundplatte aufgeschraubt wird. Der eine Ring dient zur Führung des Federkerns, der andere für die Befestigung und Lagerung der Federhaustrommel. (uby)

Was ist Spherodrive? Vom Ruhm der Vergangenheit zehrt Eterna unter anderem mit ihrem Logo. Die fünf in einem Kreis angeordneten Kügelchen erinnern an die grösste technische Innovation der Eterna, an das kugelgelagerte Rotorsystem der Eterna Matic. Die Idee der reibungsarmen Technik findet im Eterna Spherodrive eine Fortsetzung. In der Analyse haben sich die Eterna-Forscher auf einen Schwachpunkt im Uhrwerk konzentriert. Im Federhaus, der Batterie der mechanischen Uhr, wirken grosse Kräfte.

Das Federhaus unterliegt dadurch dem höchsten Materialverschleiss im Uhrwerk. «Uns ist es gelungen, die klassische Architektur der Energiequelle neu zu gestalten.» Dabei kommen die kleinen Kügelchen ins Spiel. Sie werden in einem Doppelkugellager verwendet, haben einen Durchmesser von 0,3 Millimeter und bestehen aus dem Keramikwerkstoff Zirkoniumoxid.

Die Wirkung ist erstaunlich. Höhere Langlebigkeit, verbesserte Energieübertragung, keine Schmierung, höhere Gangreserve, einfachere Montage und Service. Tests über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigen, laut Eterna, kaum Verschleiss.

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