Mellingerstr. 33

Die Hausbesetzer wollen auf das Fehlen geeigneter Räume für die freie Kulturszene hinweisen

aus Mellingerstrasse 33 Die Besetzer haben es sich gemütlich gemacht, von Einsturzgefahr keine Spur.

Hausbesetzer, Kulturraum, Brennpunkt

aus Mellingerstrasse 33 Die Besetzer haben es sich gemütlich gemacht, von Einsturzgefahr keine Spur.

Der Kanton lässt sein Haus Mellingerstrasse 33 seit Jahren leer stehen. Für eine Gruppe junger Leute unverständlich, wo es doch in Baden an Kulturräumen fehle.

Roman Huber
«Wir sind unzufrieden mit der Kultursituation in Baden.» Mit dieser Meinung stehen sie nach der Räumung des ehemaligen Gstühl-Dreiecks und dessen Neubebauung nicht allein da. Sie möchten einen Raum in Baden, wo man sich treffen kann, um sich auszutauschen. Sie, das sind zwei Hausbesetzer, die sich einer bunt gemischten Gruppe zuordnen, dem Hippie-Style zugetan, kulturell angehaucht, links und autonom, aber nicht gewaltbereit. «Wir wollen unsere Werte einhalten.» Dazu gehöre auch der Respekt.

«Wir suchen einen Ort ausserhalb von Profitgier, für freie Entfaltung, ohne Konsumzwang und Abzockerpreise», erklären die beiden Hausbesetzer, die sich zu einem Gespräch mit der AZ bereit erklärt hatten. «Wir haben in Baden ein ‹LWB›, ein ‹Ventil›, aber keinen Ort für freie Kultur, selbst verwaltet.» Und das Haus Mellingerstrasse 33 schien ihnen dafür geeignet.

Etwas machen, nicht saufen
Die Besetzung im Bäderquartier durch die Jusos sei ein schlechtes Beispiel gewesen, erklären sie darauf angesprochen: «Wir schmeissen keine Party und wollen niemanden, der randaliert und Vandalismus betreibt.» Von Facebook halten sie gar nichts. «Unsere Kontakte sind persönlich», erklären beide, und diese würden doch weit über die Region hinausreichen.

Gewisse Verbindungen zur Zürcher Besetzerszene leugnen sie nicht ganz. Informationen über Personen gibt es von ihnen aber keine. Ausser: Beide gehen einer geregelten Arbeit nach, stehen kurz vor bzw. nach einer Ausbildung und haben einen festen Wohnsitz.

Für sie ist es unbegreiflich, dass in einer Stadt eine solche Liegenschaft wie das Haus Mellingerstrasse 33 einfach leer dem Zerfall überlassen wird, bis sie abgebrochen werden muss. Gerade solche Objekte seien mit wenig Kosten für eine Zwischennutzung bereitzustellen.

Nicht die einzigen Gäste
Die Besetzer haben das Haus zwar leer angetroffen. Eingestiegen seien sie über ein offenes Fenster im ersten Stock. Dann wurde das Eingangsschloss ausgetauscht. Die Räume im Haus könnte man gut herrichten. Von Einsturzgefahr, wie sie im Ultimatum der Kantonspolizei angeführt wurde, keine Spur.
Gefahr könnte höchstens beim Umgang mit Feuer entstehen. Dies vor allem darum, weil einzelne Räume voller Gerümpel seien. Versicherungstechnisch könne man einzig die fehlenden Fluchtwege ins Feld führen, meinen die Besetzer. Verschiedentlich dürfte auch Leben im Hause sein, ist ein Besetzer überzeugt. Spuren und Zeitungen würden darauf hindeuten, dass das Haus regelmässig bewohnt werde. Es sehe nach einer Obdachlosenunterkunft aus.

Zufrieden mit der Aktion
Die Besetzung sei gut verlaufen, sie seien mit der Aktion zu einem Teil zufrieden. Den übertriebenen Polizeieinsatz jedoch kritisieren sie. «Darum kontaktierten wir auch Geri Müller, weil die Kapo bei ihrem Ultimatum gewarnt hat, dass ei-
ne Zwangsräumung «unschön» werden könne», sagt einer der Besetzer. Enttäuscht ist er jedoch darüber, dass man beim Eigentümer, dem Kanton, kein Gehör erhalten habe. Zweimal habe man versucht, mit Regierungsrat Roland Brogli Kontakt aufzunehmen. Dass er nicht zurückgerufen habe, sei für sie enttäuschend gewesen.
Umso mehr freuten sich die Besetzer, dass sie von vielen Passanten und auch von Leuten aus der Nachbarschaft nach anfänglicher Skepsis freundlich wahrgenommen und sogar aufgemuntert worden seien. «Diesen ist nämlich das leer stehende Haus auch nicht ganz geheuer», sagen die Besetzer.

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