Pelletwerk
Der Pellet-Pionier in argen Nöten

Der Betrieb der Pelletwerk Mittelland AG in Schöftland läuft nicht so, wie er sollte. Um die Pilotanlage auf Vordermann zu bringen, ist neues Geld nötig. Erdgas Zürich will die Aktienmehrheit übernehmen.

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Keystone

Toni Widmer

Schlechte Nachrichten für die an der Pelletwerk Mittelland AG in Schöftland beteiligten rund 60 Gemeinden aus dem Westaargau, dem Solothurner Niederamt und Gäu sowie dem Baselbiet: Das Pionierwerk, welches seit einem Jahr in Betrieb ist, hat finanzielle Sorgen.

Grund für die finanzielle Sorgen ist die Technik. Die Pionieranlage läuft (noch) nicht in allen Teilen wie geplant. Um sie auf Vordermann zu bringen, sind Investitionen nötig. Doch weil das angestrebte Produktionsziel bisher verfehlt wurde und der Businessplan somit nicht erfüllt, fehlt es dafür an den nötigen Mitteln. «Wir haben einen Liquiditätsengpass», erklärt Verwaltungsrats-Vizepräsident Leo Baumgartner.

Hilfe erhofft man sich jetzt von Erdgas Zürich. Der bisherige Partner für den Vertrieb Mittelland-Pellets ist nach eingehender Prüfung von Betriebskonzept und Anlagen bereit, die Aktienmehrheit zu übernehmen und in die nötigen Verbesserungen zu investieren.

Gemeinden verlieren Geld

Für die bisherigen Aktionäre bedeutet diese Übernahme allerdings eine finanzielle Einbusse. Betroffen sind die bereits erwähnten Gemeinden. Sie stellen zusammen eine Zweidrittelmehrheit der Pelletwerk Mittelland AG, die aktuell ein Aktienkapital von 3,4 Millionen Franken ausweist. Mit einem Drittel ist die Schöftler Polymill AG am Pelletwerk beteiligt.

Welchen Betrag die Gemeinden ans Bein streichen müssen, will Baumgartner noch nicht offenlegen. Exakte Zahlen sollen zuerst die Aktionäre erfahren. Sie werden morgen Donnerstag detailliert über den geplanten Handel informiert und sollen an der Generalversammlung vom 23.Juni darüber befinden.

Mitspracherecht bleibt

Der Verwaltungsratsvize versichert jedoch, dass die Gemeinden ihr bisheriges Mitspracherecht auch nach dem Übergang der Aktienmehrheit an die Erdgas Zürich behalten und auch weiterhin «an der Wertschöpfungskette partizipieren» könnten.

Leo Baumgartner ist zudem zuversichtlich, dass die beteiligten Gemeinden die momentane finanzielle Einbusse mittel- und längerfristig wieder wettmachen können: «Als bisher einziges Waldholz-Pelletwerk in der Schweiz sind wir gut positioniert, um im stark wachsenden Markt erfolgreich zu sein.»

Zwei Problemkreise im Werk

Zur aktuellen Situation im Schöftler Pelletwerk haben zwei Problemkreise geführt: Zum einen gab es Schwierigkeiten mit dem Grobzerkleinerer, der nicht die auf dem Papier zugesicherte Leistung brachte. Hier hat man sich mit dem Lieferanten der Anlage auf eine Abgeltung der Minderleistung einigen können und mit dem Ausweichen auf andere Rohstoffe (Abfallholz aus Sägereien und Schreinereien statt frisches Holz aus dem Wald) auch eine Übergangslösung für die Gewährleistung der Produktion gefunden.

Das zweite Problem ist der Trocknungsprozess. Auch hier konnte die angestrebte Produktionsleistung bisher nicht erreicht werden. Der Feuchtigkeitsgehalt des angelieferten Holzes ist mit bis zu 50 Prozent deutlich höher als die ursprünglich erwarteten 30 Prozent. Deshalb muss auch diese Anlage ausgebaut werden.

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