Bern
Das Tor zum «Tempel» steht offen

Es könnte die grösste Attraktion sein auf «Ornaris», der «Fachmesse für Neuheiten und Trends», die auf dem Berner BEA-Expo-Gelände stattfindet, auch am Samstagnachmittag. Doch das Haus nebenan hätte natürlich keinen Platz, es ist eine Attraktion für sich. Und so lassen Tausende Menschen «Ornaris» links liegen und steuern auf die Postfinance-Arena zu. Sie ist die Neuheit, die es zu besichtigen gilt, und sie liegt mehr im Trend als alles andere.

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Postfinance-Arena
5 Bilder
SCB Kabine Kabine: Alles ist vorbereitet für die SCB-Spieler.
Führung Führung: Die Besucher wurden durchs Stadion geführt.
Originaldach Dach: Seit dem Bau 1970 ist es unverändert.
Grosser Auftritt Europe: Die Schweden spielten «The Final Countdown».

Postfinance-Arena

Berner Rundschau

Johannes reichen

Ein paar Fans verteilen auf dem Platz vor dem Stadion, der noch keinen Namen hat, Flyer. Das Stadion hat einen Namen, nur den Anhängern des Schlittschuhclubs Bern ist das egal. Sie nennen es «Tempel» oder aber so, wie es immer geheissen hat. Ein neues Lied haben sie geschrieben, jetzt bringen sie den Text unter die Leute. «D Aumänd isch wider gstosse vou, dr SCB schiesst hütt viu Gou», heisst es da.

Das ehemalige Allmend-Stadion, erbaut 1967, heisst jetzt eben Postfinance-Arena, und so wird es eingeweiht. Ein schöner Tag für André Baumann aus Ersigen, Architekt bei der HRS Real Estate AG, dem Gesamtprojektleiter, der die Medien durchs Stadion führt. 24 Meter steht er über der Eisfläche, am höchsten Punkt der «Wand», der steilen und hohen Stehplatzrampe. «Sie ist der Hauptgrund, dass das Stadion um- und nicht neu gebaut wurde», sagt Baumann. Zwei Jahre hat der Umbau gedauert, 108 Millionen Franken gekostet. 18 518 Kubikmeter Beton wurden verbaut, und der SCB wird auch in der neuen Saison so viele Zuschauer anziehen wie sonst kein Eishockeyclub in Europa. 17 131 Zuschauer passen jetzt hinein.

Grosszügig sind auch die Räume für die Spieler. «Vermutlich sind sie so gross wie nirgendwo sonst in der Schweiz», sagt Sven Leuenberger, Generalmanager und ehemaliger SCB-Spieler. Er führt durch die Gänge, die normalerweise nur dem Team vorbehalten sind. Er weist auf Handschuh- und Schlittschuhtrockner, auf den 200 Quadratmeter grossen Kraftraum, den Whirlpool und, natürlich - «wie Sie riechen können» -, die Spielerkabine.

Zwar ist auch die Postfinance-Arena nur ein Eishockey-Stadion, doch sie beherbergt viele Welten. Die edelste befindet sich gleich unter dem Dach, hier befinden sich die VIP-Logen, 21 gibt es. «Alle konnten vermietet werden», sagt André Baumann. Der Blick fällt hinunter aufs Eisfeld und die «Wand», oder aber er geht hinauf zu den alten Holzbogen, die das Dach tragen, die noch die gleichen sind wie 1970, als es gebaut wurde. Der damalige Stadtpräsident Reynold Tschäppät, Vater des aktuellen, fragte die Fans im Stadion: «Weit dir es Dach über em Chopf?» Und die Fans wollten.

«Hopp SCB», ruft der Sänger in die Menge draussen vor dem Stadion, es ist Joey Tempest von Europe. Die schwedischen Rocker sind gekommen, um zu singen, was hier alle hören wollen. «The Final Countdown», die Melodie, die im Stadion bei jedem SCB-Tor gespielt wird. Und sie spielen es in der Zugabe, die Leute singen und hüpfen und schwenken ihre Schals. Es ist nicht der Countdown vor dem ersten Spiel. Zuerst noch muss das Stadion eingeweiht werden.

Darum stehen sie auf der Bühne, der Stadtpräsident Alexander Tschäppät, der SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi und die Vertreter der am Umbau beteiligten Unternehmen. «Zwei Meisterfeiern» wünscht sich Tschäppät im nächsten Jahr, vom SCB und von YB. «Es gibt jetzt keinen Grund mehr, nicht spektakuläres Eishockey zu bieten», sagt Lüthi, und dann übergeben sie den Bambini des SCB die Einweihungstafel.

«Ohne EISBäREN wäre hier nichts los», singen ein paar Deutsche während dieser Zeremonie. Sie sind angereist, um das Spiel zu sehen zwischen dem SCB und den Eisbären Berlin. Sie und 17 000 andere werden am Abend Zeugen der 2:4-Niederlage der Berner. Gölä
bildet den letzten Fixpunkt des Fests, auf ihn passt das Motto des Tages, das sich SCB-Fans bestimmt auch für die neue Saison wünschen: «D Arena rockt!»