Sechseläuten

Böögg verspricht einen prächtigen Sommer

Fast 13 Minuten hat der Böögg am Zürcher Sechseläuten den Flammen getrotzt, dann explodierte der Kopf des Wintersymbols mit einem lauten Knall. Für Zürcherinnen und Zürcher bedeutet dies: Frühlingsbeginn und einen prächtigen Sommer 2010. Wegen der Aschewolke mussten prominente Sechseläuten-Fans dieses Jahr auf das Spektaktel verzichten. Zum Beispiel Peter Sauber.

Als Gastkanton zum Frühlingsfest der Zürcher Zünfter eingeladen war unter dem Motto «Nidwalden bringt den Frühling» der Innerschweizer Kanton. Bei Sonne und angenehmen Temperaturen zogen rund 6000 Personen - darunter 3500 Zünfter, 1300 Musiker, 1000 Kinder sowie zahlreiche Gäste am Montagnachmittag durch die Innenstadt.

Zehntausende von Schaulustigen verfolgten den Vorbeimarsch des Zugs der 25 Zünfte und einer Gesellschaft. Er startete in der unteren Bahnhofstrasse und führte via Bürkliplatz - Bahnhofstrasse (Kontermarsch) - Uraniabrücke - Limmatquai zum Sechseläutenplatz.

Separat marschieren musste einmal mehr die Gesellschaft zu Fraumünster - die Frauenzunft, bei der die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch zu Gast war. Nächstes Jahr dürfen die Frauen erstmals zusammen mit den Männern am grossen Zug der Zünfte teilnehmen - als Gäste. Über eine künftige regelmässige Teilnahme ist noch nicht entschieden.

Zu Fuss, auf blumengeschmückten Wagen oder auf Pferderücken zogen die Zünfter in bunten historischen Kostümen, Trachten oder Uniformen zum wegen Bauarbeiten verkleinerten Sechseläutenplatz. Die Zünfte stellten ihre Handwerkstraditionen vor oder präsentierten Symbole aus dem Quartier.

Aschewolke hält Ehrengäste zurück

Bundespräsidentin Doris Leuthard und Bundesrat Ueli Maurer waren als Vertreter der Landesregierung geladen. Auch Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer war mit von der Partie. Zahlreiche Politikerinnen und Politiker aus dem Gastkanton Nidwalden marschierten mit - unter anderen Regierungsrat Gerhard Odermatt und Ständerat Paul Niederberger.

Zürichs Politik an dem männlich dominierten Fest wurde unter anderm durch die abtretende Regierungsrätin Rita Fuhrer vertreten. Mit dabei waren auch die Regierungsräte Markus Kägi und der neu gewählte Ernst Stocker.

Aus der Welt des Sports kam beispielsweise das an der Olympiade mit Bronze ausgezeichnete Curling-Team. Pianist und Komponist George Gruntz sowie der «Schweizer des Jahres 2009», Kinderherzchirurg René Prêtre, und der Einsiedler Abt Martin Werlen liessen sich den Gang durch Zürichs Strassen auch nicht nehmen.

Verhindert an der Teilnahme durch die Auswirkungen der Aschewolke war beispielsweise Formel-1-Rennstall-Besitzer Peter Sauber. Er konnte nach dem GP von China noch nicht in die Schweiz zurückreisen. Aufgehalten worden war auch Brady W. Dougan, CEO der Credit Suisse.

Eher kurzes Leben für den beliebten Schneemann

Um 18 Uhr begann schliesslich der Höhepunkt des Festes: Der Nidwaldner Landammann, Beat Fuchs, entzündete den zwölf Meter hohen Holzstoss. Darauf erfreute sich der mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllte rund dreieinhalb Meter grosse Böögg eher kurz seines Lebens.

Während zu den Klängen des Sechseläutenmarsches die Reitergruppen um den Holzstoss galoppierten, loderten die Flammen rasch zum Böögg empor, der nach gut elf Minuten Feuer fing. Nach zwölf Minuten und 54 Sekunden ertönte unter grossem Applaus des Publikums der letzte grosse Knall, der den Kopf des Bööggs wegsprengte.

Böögg überlebt durchschnittlich 14 Minuten

In Zürich heisst es, dass ein früher Tod des Bööggs einen schönen Sommer einläutet. In den letzten rund zehn Jahren hatte die Schneemann-Figur im Durchschnitt 14 Minuten ausgeharrt.

Für die Öffentlichkeit war mit dem Ableben des Bööggs das Sechseläuten weitgehend vorbei. Viele brieten noch eine Bratwurst in der Glut. Die Zünfter statteten sich am Abend in ihren Zunftlokalen bis tief in die Nacht gegenseitig Besuche ab. (sda/dge)

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