Utzenstorf
«Bitte anrufen, wir suchen dich»

Simon Bosch und Emine Bytyqi sind 17 Jahre alt und OK-Mitglieder des Ämmenairs. Eine Woche vor dem Festival sieht das Programm noch dürftig aus, finden beide. Sie hoffen, dass sich das durch diesen Text noch ändern wird.

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Openair

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Marisa Cordeiro

Sie sind jung, engagiert und voller Elan: Simon Bosch aus Utzenstorf und Emine Bytyqi aus Bätterkinden. Zusammen mit fünf weiteren Jugendlichen aus ihrem Kollegenkreis organisieren sie das zweite Ämmenair, das am 11. und 12. September bei der Saalanlage in Bätterkinden stattfindet. Beide waren bereits 2008 OK-Mitglieder. «Damals habe ich gedacht, das mache ich kein zweites Mal», gibt Simon Bosch zu und fügt an: «Der Aufwand und die Anspannung vor dem Anlass waren sehr gross.»

Doch dann kam der Tag der Wahrheit, und alles wurde besser als erhofft: Mehr Leute als erwartet und gute Stimmung trotz Regenwetter. Schliesslich seien es die Reaktionen nach dem Ämmenair gewesen, die ihn für ein weiteres Mal motiviert hätten. «Durch das Ämmenair habe ich erfahren, wie viel Aufwand hinter einem Festival steckt. Dadurch schätze ich sie als Besucher nun mehr als früher.» «Für mich war es der Reiz, einen Anlass für Jugendliche zu organisieren», sagt derweil Emine Bytyqi, «denn wer kennt die Jugendlichen besser als wir uns selber?», fragt sie.

Es ist ein Indiz

Deshalb helfen nun beide wieder mit, das Ämmenair zu organisieren. Simon zeichnet für das Programm verantwortlich, Emine für die Modenschau. Diese ist zugleich neu im Programm: «Das hat mich sofort angesprochen», sagt die lernende Fachfrau Gesundheit und erzählt, wie es dazu gekommen ist: Jugendarbeiter Urs Widmer habe sich bei «Bonehead» - «eine Boutique, die bei uns sehr in ist» - ein Quietsch-Entchen gekauft. «Dieses wurde unser Maskottchen und figuriert nun auf dem Ämmenair-Flyer.» Da sei Urs Widmer die Idee einer Modenschau gekommen, in Zusammenarbeit mit dieser Boutique. Bald hätten sie und Kollegin Allessa schon eine bunte Modellgruppe zusammengetrommelt - Blonde, Brünette, Dunkelhäutige, Kleine und Grosse, fünf Mädchen und fünf Jungs. «Damit wollen wir zeigen, dass niemand perfekt ist», sagt Emine. Und: «Erstaunlicherweise haben auch die angefragten Jungs alle sofort eingewilligt.» Für sie ein Indiz dafür, dass Jungs von heute modebewusster sind. Vor gut einer Woche habe sich dann die Gruppe in der Boutique Outfits ausgesucht, «aus jeder Szene etwas, also Emos, Rocker, Hip-Hopper und Rapper», zählt Emine auf.

Das Ämmenair

Zwei Tage Jugendkultur unter freiem Himmel, für Jugendliche von Jugendlichen - das ist das Ämmenair. Das OK setzt sich aus einem siebenköpfigen Team zusammen: Stefan Aebi, Utzenstorf; Alessa Blatter, Bätterkinden; Simon Bosch, Utzenstorf; Emine Bytyqi, Bätterkinden; Clemens Haupt, Utzenstorf; Christof Hofer, Fraubrunnen; Sandro Glauser, Zauggenried. Unterstützung erhalten sie von Jugendarbeiter Urs Widmer. Dieser hat das Festival 2008 initiiert. Damals besuchten rund 500 Jugendliche das Festival. Das Budget beläuft sich auf 12 600 Franken, die hauptsächlich dank dem Sponsoring durch regionale Firmen gedeckt werden können. 2009 erhielt das Ämmenair den Jugend-MitWirkungs-Preis des Kantons Bern. (com)

Nebst der Modenschau treten am Ämmenair bisher drei Bands, zwei Solosänger, ein Rapper und ein Hip-Hopper auf. Auch zwei Sprayer werden sich am Samstag an einer Wand ertüchtigen. Doch sie alle seien nicht genug, sagt der Schreinerlehrling und Programmverantwortliche Simon. «Wir suchen dringend Leute, die sich auf der Bühne präsentieren wollen.» Er ist überzeugt, dass es viele Leute gibt, die zwar ein Talent, nicht aber die nötige Überwindung für den Auftritt besitzen. «Bitte schreiben Sie das», sagt er. «Und dass mich anrufen soll, wer Lust hat.» Und wann sollen die Leute anrufen? «Am besten schreiben sie gar keine Zeit dazu, sonst überlegen sie es sich vielleicht bis 19 Uhr wieder anders», entgegnet er prompt und lacht.

«Es ist ein Teufelskreis»

«Es ist logisch, dass Jugendliche noch nicht so zuverlässig sind», kommentiert derweil Emine den Verlauf der Vorbereitungen. «Und dennoch sind wir ein Super-Team.» Simon stimmt zu und sagt: «Ja, wir ergänzen uns sehr gut. Jeder kann sich aufgrund seiner beruflichen Herkunft oder seinen privaten Interessen einbringen.» Beide betonen, dass sie die Erfahrungen durch das Engagement nicht missen möchten. «Ich habe gelernt, welche Konsequenzen es für andere hat, wenn ich meine Pflichten nicht erfülle», sagt Emine. «Ja, und wenn ein Projekt dümpelt, macht es auch keinen Spass mehr. Das ist ein Teufelskreis», sagt Simon.

«Meine Rolle ist eine andere»

In seiner Freizeit ist der Schreinerlehrling musikalisch: Zu Schulzeiten besuchte er verschiedenste Instrumentalunterrichte: Klavier, Gitarre und weitere. Heute schreibt er sogar berndeutsche Lieder über Gott und die Welt. Ob er dann am Ämmenair den Auftakt mache? Simon lacht verlegen, schüttelt den Kopf. «Nein, nein», winkt er ab, «meine Rolle am Ämmenair ist eine andere. Lieber muntere ich andere dazu auf.»

Wie es sich auf der Bühne anfühlt, kann dafür Emine aus erster Hand berichten. Sie liess sich vergangenes Jahr von Simon dazu hinreissen: «Vor so vielen Leuten zu singen hat viel Überwindung gekostet. Und der Auftritt war nicht perfekt. Aber das Publikum hat gefeiert und geklatscht - das war super.»

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