Homberg
Biken: Der illegale Breitensport

Drei Mountainbiker zeigten der AZ ihre illegalen Pfade, weil sie finden: Der Sport ist nicht auf zuhalten. Es brauche bewilligte Routen.

Drucken
Teilen

Sabine Kuster

Uli Römmelt aus Aarau ist Mountainbiker. Im Sommer flitzt er über steile Pfade, über Wurzeln und Steine. Er liebt die Geschwindigkeit und die Herausforderung, eine enge Kurve immer besser fahren zu können. Wenn er im Gebirge unterwegs ist, erntet er oft bewundernde Blicke von Wanderern oder gar Applaus.

Für eine Tour am Abend ist es in die Berge zu weit. Doch hier in den Wäldern haben Mountainbiker viele Feinde.

Römmelt und zwei Freunde stehen mit Helm und gut gefedertem Velo bei der Kunsteisbahn Aarau. Sie wollen der Journalistin zeigen, wo sie unterwegs sind, auch wenn sie dafür gebüsst werden könnten.

Gemäss Waldgesetz sind Velos und Pferde nur auf befestigten Waldstrassen zugelassen. Auf solchen sind sie auch mehrheitlich unterwegs – doch ihr Ziel sind immer Pfade in unwegsamem Gelände, sogenannte Trails.

«Verbieten bringt nichts»

Uli Römmelt wie auch sein Kollege Philipp Schmid scheuen sich nicht, öffentlich zu ihrem Hobby zu stehen. «Mountainbiken ist längst ein Massensport, das ist nicht aufzuhalten», findet Philipp Schmid, «verbieten bringt nichts, besser wäre es, man würde den Sport kanalisieren.»

Mit «kanalisieren» meint Schmid bewilligte Bike-Routen, wie es sie in den umliegenden Kantonen gibt. Im Aargau gibt es lediglich in Gränichen einen bewilligten Parcours, jedoch keine längere Tour.

Uli Römmelt versteht nicht, warum mit Mountainbikern kein friedliches Nebeneinander möglich sein soll. «Genauso wie Hundehalter ihre Hunde an die Leine nehmen, wenn ihnen jemand entgegenkommt, bremsen auch wir ab und fahren im Schritttempo vorbei», sagt er.

Die Jogger und Spaziergänger, welche die Mountainbike-Freunde an diesem Nachmittag auf schmalen Pfaden kreuzen, grüssen freundlich. Doch Monika, die Dritte in der Gruppe, kennt auch andere Geschichten: «Einmal versperrte mir ein Mann den Weg.

Als ich freundlich fragte, ob ich überholen dürfe, sagte er Nein. Ich fuhr um ihn herum, worauf mich der Mann anrempelte.» Dennoch kennen die drei niemanden, der je eine Busse fürs Verlassen der Waldstrassen erhalten hat.

Trails gibt es immer mehr, obwohl sie nicht selten sie von Gegnern zerstört oder mit Baumstämmen blockiert werden. «Diese Pfade sind nichts im Vergleich mit den Spuren, welche die Waldmaschinen hinterlassen», finden die drei und zeigen auf tiefe Gräben, die in den Wald führen.

Dass der Druck auf den Wald zunimmt, weil immer mehr Leute hier Erholung suchen, dessen sind sich auch Uli Römmelt und seine Bike-Freunde bewusst. Aber es sei doch gut, wenn die Jungen hier den Kick suchen würden, statt in den Strassen rumzuhängen, verteidigt Philipp Schmid seinen schnellen Sport und fährt eine Holztreppe hinunter. Es wundert einen, dass danach die Knochen noch alle am richtigen Ort sind.

Aktuelle Nachrichten