Burma
Berufsausbildung mit Hindernissen

Eigentlich hätte nach der ersten Lehrabschlussprüfung der Elektromonteure im Vorjahr alles klar sein sollen. Doch die örtlichen Lehrkräfte am Berufsbildungszentrum CVT in Yangon, Burma, konnten sich nicht ans Drehbuch erinnern.

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Kochkurs

Kochkurs

Solothurner Zeitung

Walter Christen

«Mein diesjähriger Einsatz in Yangon galt der zweiten Lehrabschlussprüfung der Elektromonteure. Nach der Premiere im vergangenen Jahr hatten die Lehrer angefragt, ob ich noch einmal mithelfen könnte. Als ich in Burma eintraf, waren Material und Werkstatt schon beinahe fertig vorbereitet. Im Vorjahr war das eine oder andere noch nicht rund gelaufen. Zudem waren dieses Mal zwei neue Lehrer dabei, einer davon ein Schüler aus der letztjährigen Abschlussklasse, der weiter gebildet wird.

«Nummer Sicher» zog nicht

Bei der Vorbereitung der Dokumente stellte sich heraus, dass meine Freunde nicht mehr wussten, was wie zusammenhängt. Wir hatten im Vorjahr alles genau besprochen und aufgeschrieben, da es unklar war, ob ich heuer wieder dabei sein könnte, und ich wollte auf Nummer Sicher gehen.

Weit gefehlt: Die Lehrer konnten sich nicht ans Skript erinnern. So haben wir alles noch einmal besprochen, aufgeschrieben und auf jeden Computer kopiert. Ich habe den Lehrern eingeschärft, dass ich im nächsten Jahr definitiv nicht da sein werde.

Dann kam für die Elektriker die Stunde der Wahrheit: Die praktische Prüfung. Alles lief perfekt, dass heisst fast perfekt. In Burma gibt es täglich nur einige Stunden Strom. Deshalb hatte ich in der Vorwoche den Generator testen lassen. Nun sprang das Ding nicht mehr an. Improvisieren war angesagt. Nach einem kurzen hektischen Moment konnte aber jeder Kandidat seine Arbeit testen. Alle neun Kandidaten bestanden die Prüfung.

Generator für die Schule ist zu teuer

In der dritten Woche meines Aufenthalts wurde das Kurslokal verlegt. Die bisher als Werkstatt genutzte Halle war seit dem Wirbelsturm Nargis vom Mai 2008 nur noch beschränkt nutzbar. Glücklicherweise konnte die Schule ein neues Gebäude in gutem Zustand und mit viel mehr Platz mieten.

Das grösste Problem ist, dass es in diesem Stadtteil nur acht Stunden pro Tag Strom gibt, und niemand weiss, zu welcher Tageszeit. Deshalb sollte ein Generator angeschafft werden. Ein Gerät der Leistungsklasse 50 kW aus einheimischer Produktion kostet etwa 1800 Dollar - für das Budget der Schule ein grosses Problem. Momentan ist die Anschaffung nicht gesichert.

Parallel zur Prüfung der Elektromonteure fand dieses Jahr erstmals ein Kurs «Kochausbildung 1» statt. Im neu eingeführten, dreijährigen Lehrgang «Hotel und Gastronomie» werden die Lehrlinge in den Bereichen Küche, Rezeption und Service ausgebildet.

Unter der Leitung von Urs Auchter, einem in vielen Küchen gestählten Küchenchef mit Auslanderfahrung, lernen die Schüler den Umgang mit den Geräten der Küche, Hygiene am Arbeitsplatz sowie Umgang mit Lebensmitteln und natürlich die Zubereitung der Speisen. Es war eine Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung die Lehrlinge arbeiten und ihre Werke präsentieren. Jeden Abend wurde die Küche peinlich sauber gereinigt.

Einige Lehrlinge mussten zuerst den richtigen Umgang mit Messern lernen. Sie sind als Housekeeper, im Frontoffice oder gar als Butler angestellt. Die ursprüngliche Idee, Allrounder auszubilden, erwies sich als nicht praktikabel. Zunächst werden gut ausgebildete Arbeitskräfte benötigt. Das Projekt Hotel und Gastronomie wird weiter verfolgt und das Schulkonzept weiterentwickelt.»