Bei guter Stimmung etwas Gutes tun

Schlagzeugbässe und rauchige Rockerstimmen schallten am Wochenende aus dem kleinen Wäldchen bei Röthenbach b. Herzogenbuchsee und lockten wieder jede Menge Besucher an. Der Eintritt war frei, die Bands spielten ohne Gage, und die Spenden kommen den umliegenden Kinderheimen zugute.

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Solothurner Zeitung

Alexandra Kampe

Die Sonne geht langsam unter, vereinzelt fallen ein paar Regentropfen vom Himmel, und die ersten Sounds dröhnen vorerst leise aus den E-Gitarren. Die Winkelgrube bei Röthenbach bietet ein romantisches Bild; eine ruhige Idylle könnte man meinen. Aber am letzten Juliwochenende lassen es die Veranstalter des 15. Waldrock-Open-Airs traditionsgemäss krachen.

Eine Frauenstimme erklingt, das Schlagzeug der Band Changed setzt ein, und aus den Lautsprechern dröhnt der Song «Bohemian Like you». Lichterketten und Lampions beleuchten den Weg zur kleinen Grube am Waldrand. Nach und nach füllt sich diese mit einem gut gelaunten Publikum und Freunden ausgelassener Rockmusik. Es sind zwischen 200 und 300 Besucher jeder Altersklasse, die in die Winkelgrube bei Röthenbach strömen. «Im Schnitt sind es in den vorangegangenen Jahren etwas mehr gewesen, aber das Wetter spielt halt auch immer eine grosse Rolle. Wir sind schon sehr zufrieden und hatten am Anfang Angst, mit weniger Publikum rechnen zu müssen», erklärt Sacha Lanz, einer der Verantwortlichen.

Feiern und dabei Kindern helfen

Auf die gemütliche Atmosphäre sind die Veranstalter des Waldrock-Open-Airs besonders stolz, und das soll auch so bleiben. Das siebenköpfige Organisationskomitee hat erneut alles Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Dennoch: Eine finanzielle Entlöhnung möchte niemand von ihnen dafür. Finanziert wird das Open Air von umliegenden Restaurants und kleineren Sponsoren. Strom, Licht und Ton erhält das Team zu Spezialpreisen, und über Spenden jeglicher Art ist man immer sehr dankbar.

Freiwillige Helfer unterstützen zusätzlich das Anliegen von Lanz und dessen Kollegen. Denn die Spenden der Besucher und die Einnahmen aus Getränken und Essen sind einzig für den guten Zweck gedacht: Die umliegenden Kinderheime sollen von dieser Veranstaltung profitieren. Das Motto ist und bleibt: «Benefiz - We rock for the Kidz!». «Als wir das zehnjährige Bestehen feierten, haben wir darüber nachgedacht, alles etwas grösser zu veranstalten und Eintritt zu verlangen, da wir grosse Erfolge mit dem Open Air feierten. Aber letztlich soll doch alles beim Alten bleiben», berichtet Lanz stolz. Denn die Idee, Kindern zu helfen, habe absolute Priorität.

Grube als Treffpunkt für alte Bekannte

Die freiwilligen Helfer sind an diesem Abend überall zu finden. Besonders der 13-jährige Cedric Wiedmer hat grossen Spass dabei, ein Teil der Benefiz-Veranstaltung zu sein. «Ich bin das zweite Jahr dabei. Besonders gut finde ich die Rockbands, die hier auftreten», sagt er. Insgesamt stehen an diesem Wochenende sechs regionale Bands auf der Bühne und rocken das Publikum. Auch der Brunch am Samstagvormittag gehört zum alljährlichen Programm.

«Einfach nur mal etwas feiern und nette Leute treffen. So macht es Spass», findet Gerald Rikli. Wenn er es schafft, kommt er jedes Jahr nach Röthenbach. Priorität hat für ihn die gute Laune und vor allem der gute Zweck. «Jedes Jahr treffe ich hier alte Kollegen. Es hat schon fast Tradition.» Dass es dabei nicht um Profit geht, findet Rikli besonders gut. Er spendet nicht nur am Waldrock-Open-Air, sondern setzt sich auch privat für die Jugendförderung ein. «Es ist toll, dass dieses Fest keinen Eigennutz hat.» Mit dieser Meinung ist Rikli nicht allein. Hans und Marianne Urben kommen auch regelmässig ans Open Air und treffen immer wieder gute Freunde. «Die Musik ist eher etwas für die Jüngeren, aber das macht nichts. Wir kommen so gerne hierher, weil es einfach gemütlich ist», sagt Marianne Urben. «Natürlich spenden wir auch für die Kinder. Das ist klar.»

Bis spät in die Nacht hinein wird vor der Bühne und an den Bierständen gefeiert, gelacht und getrunken. Diese Gemütlichkeit geniesst auch Adela Blankenburga mit ihrem Mann. «Vor einem Jahr sind wir zufällig hier vorbeigekommen, und es hat uns gut gefallen. Darum sind wir auch dieses Jahr wieder hier. Es ist einfach wunderbar, dass so den Kinderheimen geholfen werden kann.» Mit dabei ist auch die Mutter der gebürtigen Tschechin. Zu Besuch in der Schweiz, spendet auch sie gern für eine gute Sache.