Andy Eglis leicht verfrühter Nachruf

Das bekannte Café Schief bleibt Ennetbaden sicher bis vor Weihnachten als Dorfbeiz erhalten – vielleicht sogar länger.

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Schief

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Schweiz am Sonntag

Von Andreas Tschopp

«Genau so muss eine gemütliche Dorfbeiz aussehen! Das war mein Eindruck, als ich zum ersten Mal durch die Tür des ‹Schief› in die Gaststube eintrat»: Das schreibt der ehemalige Spitzenfussballer, Trainer und heutige TV-Kommentator Andy Egli in seinem Gastbeitrag in der «Ennetbadener Post». Dessen Titel lautet «Abschied vom Schief» und ist als Nachruf verfasst auf die Ennetbadener Dorfwirtschaft an der Sonnenbergstrasse 1. Das dort 1819 - just im Jahr, als Ennetbaden sich von Baden trennte - erstellte Haus soll einem Neubau weichen und das Café Schief, das offiziell seit 1980 diese Bezeichnung trägt und zuvor Café Brunner hiess, daher geschlossen werden. Der Termin dafür wurde mehrfach hinausgeschoben wegen der Grabungsarbeiten der Kantonsarchäologie.

Diese Grabungen sind mittlerweile abgeschlossen, und der Schliessungstermin wurde auf Ende September festgesetzt. Deshalb erschien Andy Eglis «Nachruf» auch in der September-Ausgabe der Dorfpost - etwas verfrüht. Wie die Nachfrage auf der Gemeindeverwaltung ergab, kann Wirt Hausi Rüfenacht sicher noch bis zu den Weihnachten Gäste empfangen im tatsächlich leicht schiefen Restaurant, das nach wie vor in Gemeindebesitz ist. Deren Stimmberechtigte sagten 2006 knapp Ja zum Abriss der Liegenschaft und zur Neuüberbauung Zentrum II an deren statt. Rüfenacht, der seit bald 30 Jahren auf dem «Schief» wirtet, feiert im Dezember seinen 65. Geburtstag und könnte dann in den Ruhestand treten. Seine Pensionierung werde sich aber eventuell nochmals hinausschieben, «je nachdem, wie es mit der Bewilligung des Neubaus läuft», meint Rüfenacht werweissend.

Die Baugesuchseingabe für das Zentrum II wurde schon wiederholt in Aussicht gestellt. Jetzt soll sie aber noch diesen Herbst erfolgen. Das war von der Gemeinde zu erfahren und wird bestätigt von der Bauherrin, dem Architektur- und Ingenieurbüro Gähler und Partner AG, das im ehemaligen Badhotel Schwanen residiert. Dort soll neu eine Seniorenresidenz entstehen. Dieses Projekt hängt noch in der Schwebe - und mit diesem bisher auch der Neubau Zentrum II. Damit soll nun aber unabhängig begonnen werden, wenn die Bewilligung vorliegt. Im Frühjahr 2010 könnte es bestenfalls so weit sein. Dann schlägt fürs «Schief» definitiv die letzte Stunde.

Andy Egli wohnte von 1983 bis 1990 in Ennetbaden ganz in der Nähe der Dorfbeiz, die er so lieb gewonnen und in der er als Hilfskellner gearbeitet hat am Sonntagabend nach den Matches mit den Grasshoppers. «Das war in erster Linie zu meiner Freude. Ich habe gerne Kontakt zu Menschen. Und im ‹Schief› wars mir einfach richtig wohl», schreibt Egli, der besonders die Sommerabende unter den Kastanien im Garten als «wundervoll» empfand. «Die meisten Gäste waren sehr respektvoll und beeindruckt. Andere amüsierten sich, weil ich den Kellner-Job nicht nach allen Regeln der Kunst beherrschte. Für mich aber wars eine willkommene Abwechslung zum Beruf als Fussballer», hält Egli zum Schluss fest in seinen Erinnerungen ans «Schief», wo Friedensreich Hundertwasser, Jane Birkin und Ottmar Hitzfeld Gäste waren und gegen dessen Abriss Ende der Siebzigerjahre «BT»-Verleger Otto Wanner kämpfte - erfolgreich.

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