Liebe

Alte Liebe rostet nicht - Jugendliebe trifft sich nach 60 Jahren wieder

1952 waren sie noch ein Paar. Danach lebten sie 60 Jahre ihr eigenes Leben. Jetzt trafen sich die beiden nach all den Jahren zum ersten Mal wieder.

Deborah Balmer

«Ich sitze ufe Bank», sagt die 78-jährige Anny und steuert im Garten auf die rote Sitzbank zu. «Ich chume au», sagt der 82-jährige Hans. «Ja, wir zwei!» Die Senioren schauen sich an und lachen verschmitzt. Ein ganz normales Paar? Ganz und gar nicht.

Anny und Hans haben sich erst vor fünf Minuten wieder getroffen - nach 58 Jahren. Man schrieb das Jahr 1952, das geprägt war vom Koreakrieg. Eisenhower wurde US-Präsident und Ernest Hemingways «Der alte Mann und das Meer» erschien.

Und eben Hans aus Fahrwangen. Der hatte in der Bürstenfabrik Walther AG in Oberentfelden die KV-Stifti beendet und war Zimmerherr bei einer Familie im Dorf. Seine Freundin Anny war gerade 20 geworden. «Weisst du noch?», fragt Hans vielsagend. Der Glanz in ihren Augen verrät Freude und dass es für beide ein besonderer Moment ist.

«Ich bin glücklich verheiratet»
Gerade haben sich die beiden vor dem Elternhaus von Anny in Oberentfelden nach langer Zeit wieder in die Arme geschlossen: Ohne Scheu küssen sie sich. «Es ist ein ausserordentlich schönes Gefühl, Hans wieder zu sehen», bemerkt die 79-Jährige.

Etwa ein Jahr lang seien sie damals ein Paar gewesen. Und Hans beschreibt, was man gut beobachten kann: «Zwischen uns war zwar ein Unterbruch, aber wir sind sehr vertraut - das ist wie Sekundenkleber.» Man könne tatsächlich sagen, dass alte Liebe nie roste.

Aber, und dann wird Hans zum ersten Mal ganz ernst: «Ich bin glücklich verheiratet und das soll so bleiben.»
Anny lebt heute am Bodensee, ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben. Ihr Wunsch, den ersten Schatz wieder zu finden, wurde immer stärker: Sie hat im «Migros Magazin» ein Inserat aufgegeben und darin nach einem Hans Fischer gesucht. Mit Erfolg.

Ihren letzten gemeinsamen Abend 1952 vergessen sie nie: Heimlich gingen sie nach Schöftland ins Kino. «Das war schön.» An diesem Abend hätten sie sich aber auch entschieden, nicht zu heiraten. Hans Fischer begründet die Trennung: «Ich hatte kein Geld, wollte zuerst beruflich etwas erreichen.»

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