Hausbesetzer

Altbau besetzt

Seit vorgestern haben Hausbesetzer zwei leerstehende Mietwohnungen an der Wasserstrasse 37 in Beschlag genommen.

Yen Duong

Etwa 15 Personen sitzen vor den Eingängen der Häuser an der Wasserstrasse 31 - 39 im St. Johann herum. Eine Frau und ein Mann schleppen einen Tisch und Sitzbänke auf die Strasse. Ein anderer Mann stellt einen Topf auf den Tisch. Es ist Zeit fürs Mittagessen, es gibt Pasta. Zwei ältere Nachbarn gehen bei den Essenden vorbei und wünschen ihnen lächelnd «Guten Appetit».

Seit vorgestern haben Hausbesetzer zwei leerstehende Mietwohnungen an der Wasserstrasse 37 in Beschlag genommen. Sie befürchten, dass Immobilien Basel-Stadt als Eigentümerin der fünf Häuser die Wohnungen abreissen und durch noblere und somit teurere ersetzen möchte.

Wenig Widerstand

Darauf deute laut den Wohnungsbesetzern einiges hin: «Die Wohnungen an der Wasserstrasse 31 - 39 werden von Immobilien Basel-Stadt sehr schlecht unterhalten, es wird gar nichts gemacht», sagt einer von ihnen. Zudem würden fünf freistehende Wohnungen nicht mehr zur Vermietung ausgeschrieben. «Die Häuser passen wohl nicht ins Leitbild der Quartieraufwertung des Kantons», meint er nachdenklich.
Die Besetzer scheinen auf wenig Widerstand seitens der Nachbarn zu stossen. «Es ist super, dass sie sich für den Erhalt der Häuser einsetzen», meint die 31-jährige Studentin. Sie wohnt an der Wasserstrasse 35 und zahlt 400 Franken pro Monat für ihre Bleibe. Kritik an ihren «neuen Nachbarn» übt die Studentin dennoch aus: Es würden Bierflaschen auf dem Gemeinschafts-WC liegen gelassen, das störe.

Stolz zeigt sie ihre Wohnung, aber: «Es schimmelt hier. Die Zustände der Wohnungen sind katastrophal. Aber sie haben trotzdem Charme und sind halt günstig.» Ein anderer Nachbar, der im Haus Nr. 37 wohnt, meint: «Es ist offensichtlich, dass die Eigentümerin die Wohnungen verrotten lassen will.» Es sei nur wünschenswert, dass man sich wehre.

Frist erstreckt

Bis jetzt haben die Wohnungsbesetzter zwar bereits Besuch von Immobilien Basel-Stadt erhalten, aber noch keinen von der Polizei. Das könnte sich aber ändern. «Wir haben Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch eingereicht», sagt Barbara Neidhart, Mediensprecherin von Immobilien Basel-Stadt, zur bz. Eigentlich hätten die Besetzer bis kommenden Sonntag draussen sein müssen, die Frist sei inzwischen aber erstreckt worden. Ein neues Datum wurde noch nicht definiert. Nächste Woche fänden weitere Gespräche statt.

Neidhart erklärt, dass die leerstehenden Wohnungen so schnell wie möglich wieder vermietet würden. Das habe man aber schon vor der Besetzung beschlossen. Sie seien leergeblieben, weil man nicht wusste, wie die Zukunft des Quartiers aussehen werde. Das sei nun klar.
Ob die Wohnungen renoviert und die Mietzinsen höher werden, das stehe jetzt aber noch nicht fest.

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