Burri
Adrenalinkick für Mensch und Hund

Für Yvonne Burri aus Fraubrunnen war die Teilnahme an der Agility Europa Meisterschaft in Holland ein eindrückliches Erlebnis. Dabei ging es nicht nur um Punkte, sondern um die einmalige Stimmung unter 700 startenden Hundefans.

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Vierbeiner

Vierbeiner

Solothurner Zeitung

Isabelle Streit

Auf den Hund gekommen ist Yvonne Burri aus Fraubrunnen nicht. Im Gegenteil: dank dem Hundesport bleibt sie quicklebendig. Wenn sie die Hände anhebt und mit ihrem Border Collie
«Jezz» spricht, dann geht bei beiden die Post ab. «Jezz» spannt unternehmungslustig seine Muskeln und ist bereit, wie ein Pfeil um die Slalomstangen zu wirbeln oder durch einen Tunnel zu rennen. «Ich habe schon als Kind die Eltern bekniet, einen Hund anzuschaffen», erzählt sie.

Als sie zum ersten Mal an einem Agility-Turnier einen Border Collie in Aktion sah, sprang der Funke: «Ich war begeistert von dieser Dynamik und der Teamarbeit mit dem Menschen», sagt die Hundefreundin. Inzwischen ist sie dieser Sportart schon seit elf Jahren treu und hat sich diesen Sommer mit der Teilnahme am «European Open Agility» in Holland einen Traum verwirklicht.

Sport für fitte Vierbeiner

Alleine die Qualifikation war spannend. Rund 130 Anwärter aus der ganzen Schweiz kämpften um einen der 18 Plätze in der Kategorie «large», also für grosse Hunde. Im Agility kämpfen die Hunde getrennt nach den Grössen «large», «medium» und «small». Dabei gibt es Hunderassen, die häufig auf dem Podest anzutreffen sind. So zum Beispiel die frechen Jack-Russels bei den Kleinen oder die besonders gelehrigen Border Collies bei den Grossen.

«Es gibt aber keine fixen Regeln», sagt Burri, «die Sportart eignet sich grundsätzlich für alle Vierbeiner, sofern sie nicht übergewichtig sind.» Und für die Besitzer jeden Alters gilt die Hauptregel: Sie müssen Spass haben, sich mit ihren Hunden abzugeben. Das ist schon alles. Mitmachen können alle - und Trainingsmöglichkeiten gibt es in jeder Region.

«Für mich ist es ebenfalls ein Adrenalinkick, wenn ich an einem Turnier laufe», erzählt Burri. «Bin ich aber allzu nervös, stecke ich damit den Hund an und wir harmonieren nicht.» So ist es ihr und «Jezz» diesen Juli im holländischen Arnhem ergangen. Aber enttäuscht war sie deswegen nicht - oder höchstens ganz kurz, denn: Das Erlebnis wird sie nie vergessen. «Die Stimmung war genial», sagt sie schwärmend.

Die meisten der etwa 700 Teilnehmer campierten mit ihren Familien auf einem grossen Terrain und während zwei Tagen standen die Hunde im Zentrum. Wer nun denkt, dass da den ganzen Tag ein grosses Gebell war, der täuscht sich. «Die Hunde kennen den Betrieb und es war sehr diszipliniert und gut organisiert», sagt sie. Während einige ganz grosse Camper dabei hatten, war die allein erziehende Burri mit ihren beiden Kindern im kleinen Zelt unterwegs. «Wir hatten trotzdem Spass», erzählt sie. Gelernt habe sie wiederum viel.

Agility in Fräschels

Am Wochenende vom 29. und 30. August wird in Fräschels bei Kerzers die Schweizer Meisterschaft in Agility ausgetragen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen. Zuschauen ist gratis. Weitere Informationen, zum Beispiel über Trainingsmöglichkeiten oder Neueinsteigerkurse, unter: www.agilitysports.ch oder www.agility-ch.ch. (isa)

Tempo und Präzision

Obwohl die Geräte und Hindernisse beim Agility normiert sind, ist jeder Parcours anders ausgesteckt. Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Der Mensch kann den Ablauf kurz vorher in einer Begehung ablaufen, doch der Hund weiss nicht, was auf ihn wartet. «Mein Border denkt manchmal selber», sagt Burri, «dann will er das nächst gelegene Hindernis in Angriff nehmen, obwohl zuerst ein anderes an der Reihe wäre.» Deshalb: Der Hund muss hören und sekundenschnell umsetzen. Manchmal muss er links und dann wieder rechts vom Menschen gehen.

Diese schnellen Wechsel sollten fleissig trainiert werden, denn jede Hundertstelsekunde zählt. «Aber», betont sie ausdrücklich, «‹Jezz› ist nicht mein Sportgerät, das jederzeit funktionieren muss.» Der Border ist für sie ein fröhliches Familienmitglied mit dem Recht, sich erholen zu dürfen. Deshalb sorgt Yvonne Burri dafür, dass er seine Gelenke nicht überstrapaziert. «Ich trainiere mit ihm bewusst Muskeln, indem ich ihn häufig am Fahrrad laufen lasse.»

Mit ihrer Freude hat sie inzwischen ebenfalls Tochter Michelle angesteckt: Die 14-Jährige läuft mit ihrem Terrier-Chihuahua-Mischling «Weasly» und «Oss», einem Border Collie, auch schon Turniere. Agility wirkt definitiv verbindend - wer es nicht glaubt, kann sich noch diesen Monat an der Schweizermeisterschaft in Fräschels bei Kerzers selber davon überzeugen (siehe Kasten).