Kanton Aargau
Aargauer Krisenstab macht Schweinegrippe-Impfübung

Immer mehr Menschen erkranken an der Schweinegrippe. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation Pandemiestufe 6 ausgerufen. Jetzt handelt der Kanton.

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Aargauer Krisenstab macht Schweinegrippe-Impfübung

Aargauer Krisenstab macht Schweinegrippe-Impfübung

Walter Schwager

Maja Sommerhalder

Der Kanton bereitet sich auf eine Schweinegrippe-Pandemie im Aargau vor: Derzeit organisiert der Kantonale Führungsstab einen Impfplan für den Ernstfall. Am kommenden Dienstag und am Montag in einer Woche müssen die Chefs der regionalen Führungsorgane (RFO) zur Instruktion. Sie wären bei einer Pandemie für das Impfen zuständig. «Aufgebot zum Rapport ‹Auftragserteilung Planung einer Präpandemie-Impfung›», steht im Schreiben, das am 19 Mai verschickt wurde. RFO sind der Krisenstab der Gemeinden und koordinieren bei Katastrophen und Notlagen.

Die Gemeinden sind bereit

Nicht nur der Kanton, sondern auch die Gemeinden bereiten sich auf die Schweinegrippe vor.

Wie die «Neue Fricktaler Zeitung» berichtete, setzte die Stadtverwaltung Rheinfelden schon im Dezember 2007 ein sogenanntes Pandemieteam ein. Wegen der Schweinegrippe schaffte sich die Stadtverwaltung nun 5000 Schutzmasten an, die im Bedarfsfall an Mitarbeiter mit Kundenkontakt abgegeben werden können. Ebenfalls wurden Desinfektionsmittel zur Reinigung der Hände gekauft. Zudem werden an die Mitarbeiter Merkblätter vereilt. Darin geht es um die Themen Hygiene, Distanzhalten oder wie man sich bei einer Erkrankung verhalten soll.

Auch in der Gemeindeverwaltung Wohlen ist die Schweinegrippe Thema: «Wir haben 3000 Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel im Lager. Gewisse Bereiche würden wir bei einer Pandemie in der Verwaltung abgrenzen», sagt Gemeindeschreiber Peter Hartmann. Einzelne Mitarbeiter könnten im Ernstfall auch von Zuhause aus arbeiten: «Sie können auf unser Computersystem zugreifen. Mit Kunden würde man vor allem übers Telefon oder Internet kommunizieren.» Ein Pandemieplan gibt es in Wohlen schon seit 2007. Wegen der Schweinegrippe wird dieser aktualisiert. Zudem würde an die Belegschaft ein Merkblatt mit den Verhaltensregeln verteilt. Auch in Baden ist alles im Pandemieplan geregelt.

Auf der Stadtverwaltung Brugg wurde jede Abteilung mit Masken ausgerüstet. «Diese reichen für etwa eine Woche», so Stadtammann Rolf Alder. Es sei geregelt, wer bei einer Pandemie wen vertreten würde. In Aarau hat man schon 2007 einen Pandemieplan ausgearbeitet. Zudem wurde Schutzmaterial im Wert von 7000 Franken eingekauft. Im Lager befinden sich 50 Schutzmasken und ein halbes Pack Plastikhandschuhe pro Mitarbeiter. Ebenfalls wurden Desinfektionsmittel, Bauplastiken und Absperrbänder angeschafft, um gewisse Bereiche in der Verwaltung trennen zu können.

In Frick hingegen hat man sich nicht speziell auf die Schweinegrippe vorbereitet, wie Gemeindeschreiber Heinz Schmid sagt: «Wir haben zwar Material, wollen aber nicht in übertriebenen Aktivismus verfallen. Wenn es soweit ist, werden wir mit gesundem Menschenverstand reagieren und die nötigen Massnahmen ergreifen.» (som)

Keine Panik schüren

«Wir wollen keine Panik schüren, aber man muss an das Undenkbare denken», sagt Martin Widmer, Chef des Kantonalen Führungsstabes. Die Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz will keine bösen Überraschungen erleben, falls eine Schweinegrippe-Pandemie den Aargau lahmlegen würde: «Wir wollen lieber vorher abklären, wie wir innert kurzer Zeit möglichst viele Menschen impfen können.» Dabei gehe es um personelle, räumliche und zeitliche Fragen. Dieses Impfkonzept hat der Kanton schon im Jahr 2008 getestet, nachdem die Vogelgrippe die Schweiz bedrohte. Im Ernstfall müsste der Bund eine solche Impfübung anordnen.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Momentan gibt es noch gar keinen Schweinegrippe-Impfstoff. «Man ist dran und geht davon aus, dass er frühestens im Spätherbst zur Verfügung steht. Trotzdem müssen wir schon jetzt planen», sagt Widmer. Könnte eine Pandemie nicht schon vorher im Aargau ankommen? «Dann müssten wir uns nach den Empfehlungen des Bundes richten.» Einen pfannenfertigen Plan gebe es nicht: «Die Situation wäre entscheidend.» Im schlimmsten Fall würden Schulen geschlossen oder den Betrieb in Unternehmen reduziert werden. Funktionieren müssten hingegen die Spitäler, auch wenn viele Angestellten wegen der Grippe aufielen: «Dann behandelt man nur noch die dringenden Fälle», so Kantonsarzt Martin Roth. Auch müssten die Angestellten so gut wie es geht, vor einer Ansteckung geschützt werden.

Tamiflu reicht nicht für alle

Eine Pandemie würde das Aus der Quarantäne bedeuten: «Eine Absonderung bringt dann nichts mehr. Schweingrippe-Erkrankte teilen aber nicht mit Patienten mit einem Knochenbruch das Zimmer.» Das Grippemedikament Tamiflu ist beim Bund gelagert und reicht für 25 Prozent der Bevölkerung. «Bei Bedarf würde es der Bund an die Kantone verteilen.» In den nächsten Wochen erhalten die Institutionen im Gesundheitswesen ein Schreiben. Unter anderem werden sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihre Pandemiepläne aktualisieren sollen.

«Das Undenkbare denken» «Wir wollen keine Panik schüren, aber man muss an das Undenkbare denken»: Martin Widmer, Chef des kantonalen Führungsstabes.

«Das Undenkbare denken» «Wir wollen keine Panik schüren, aber man muss an das Undenkbare denken»: Martin Widmer, Chef des kantonalen Führungsstabes.

Wegen der Schweinegrippe wird in den nächsten Wochen die Internetseite für Pandemie-Vorsorge «www.ag.ch/ pandemievorsorge» aktuallisiert: Dort ist festgehalten, wie sich die Bevölkerung verhalten muss. Hygiene ist das A und O: Will heissen, Hände waschen und Papiertaschentuch benutzen. Schon im Januar, bevor die Schweinegrippe aktuell wurde, wandte sich der Kanton an die Gemeindeverwaltungen. Er bat sie ihren Pandemieplan zu überprüfung und empfahl Schutzmasken zu besorgen.

Verwaltung ist vorbereitet

Die kantonale Verwaltung ist jedenfalls auf eine Schweinegrippe-Pandemie vorbereitet. 1.6 Millionen Schutzmasken bestellte Widmer vom kantonale Führungsstab für die 4700 Staatsangestellten. «Das reicht für einige Monate.» Einfach so geschlossen würde die Verwaltung nicht: «Als öffentliche Institution müssen wir den Betrieb aufrechterhalten.» Trotzdem: Man rechnet damit, dass bei einer Pandemie etwa ein Drittel der Angestellten erkranken. «Im Ernstfall würden wir unsere Dienstleistungen reduzieren und nur noch die nötigsten Aufgaben verrichten.» Mit Kunden würde man nur in direkten Kontakt treten, wenn es nicht anders

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