Vereine

600 potenzielle neue Vereinsmitglieder

Verstärkung: Der Männerchor Schlieren hofft, es mögen einige der Neuzuzüger in den Gesang einstimmen. Christian Murer

Männerchor

Verstärkung: Der Männerchor Schlieren hofft, es mögen einige der Neuzuzüger in den Gesang einstimmen. Christian Murer

Schlieren bekommt in diesen Tagen Hunderte neue Einwohner, die es zu integrieren gilt. Davon könnten die Vereine profitieren. Besondere Werbeaktionen planen aber die wenigsten.

Sidonia Küpfer

«Wir überlegen uns, wie wir die Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger ansprechen könnten», sagt Jsabelle Meier, Präsidentin des Satus Sportvereins Schlieren. Die Idee stecke aber noch in den Kinderschuhen, konkrete Vorschläge gäbe es noch nicht, so Meier. Sie erhofft sich, dass vor allem die Männer- und die Frauenriege des Satus Zuwachs aus dem Kreis der Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger erfahren könnte. Andere Riegen stiessen hingegen an ihre Grenzen, wie etwa die Gymnastikgruppe, erklärt Meier.

Werbung am Neuzuzügeranlass

600 neue Schlieremerinnen und Schlieremer. Das könnten potenziell auch 600 neue Vereinsmitglieder sein. Denn dass viele Limmattaler Vereine gegen Mitgliederschwund kämpfen, wird immer wieder zum Thema, oft im Zusammenhang mit Helfereinsätzen. Doch bei den Vereinen scheinen bislang kaum Vorbereitungen für Werbeaktionen bei den neuen Einwohnern zu laufen. Die angefragten Vereinspräsidenten verweisen vor allem auf den Neuzuzügeranlass, an dem sie ihre Vereine präsentieren werden.

Ganz so einfach scheint es aber nicht zu sein, dort neue Mitglieder zu werben: Die Feuerwehr Schlieren etwa ist konstant auf der Suche nach neuen Mitgliedern und nimmt jeweils auch an der Neuzuzügerbegrüssung teil. «Letztes Jahr interessierte sich allerdings nur gerade eine Person für einen Beitritt.

Dazu kam es dann aber auch nicht», bilanziert Feuerwehrkommandant Stephan Burri. Es habe sich gezeigt, dass die Rekrutierung neuer Mitglieder vorwiegend auf Mund-zu-Mund-Propaganda beruhe, sagt Burri. Ein aktives Anschreiben der neuen Schlieremerinnen und Schlieremer, um sie für die Feuerwehr zu begeistern, sei nicht geplant.

Integration durch Vereine

Etwas mehr Erfolg verzeichnete der Männerchor Schlieren in den letzten Jahren an den Neuzuzügeranlässen. «Wir gewannen so meist ein oder zwei neue Mitglieder», sagt Urs Peyer, Präsident des Männerchors Schlieren. Für ihn biete dieser Anlass auch eine gewisse Vorselektion, erklärt Peyer. Wer von diesem Angebot Gebrauch mache, zeige Interesse an Schlieren: «Den Interessierten stehen wir vom Männerchor dann Red und Antwort.» Dabei stehe beim Männerchor vor allem die Generationenfrage im Vordergrund. Es fehlt an jüngeren Sängern.

Wann aber der nächste Neuzuzügeranlass stattfinden wird, steht noch nicht fest, er werde aber wohl wie bis anhin im Frühling durchgeführt, hiess es bei der Schlieremer Stadtkanzlei. Die Integration so vieler Neuzuzüger dürfte für Schlieren zu einer grossen Herausforderung werden. Die Vereine könnten dazu Hand bieten.

Dieses Bewusstsein ist auch im Schlieremer Stadtrat vorhanden: Die Stadt werde die Rolle der Vereine auch am Freiwilligenanlass vom 5. November thematisieren, sagt Stadtrat Robert Welti. «Wir möchten an diesem Abend einerseits den Freiwilligen danke sagen, sie andererseits aber auch dazu motivieren, bei der Integration dieser Menschen mitzuhelfen», erklärt er.

In der Willkommensbroschüre der Stadt finden die Neo-Schlieremerinnen und Neo-Schlieremer auch eine Liste aller Vereine. Für Welti ist klar: «Wer Kontakt sucht, der kann ihn auch finden.» Dabei verweist er auch auf die Angebote der Kirchgemeinden.

Für Männchorpräsident Urs Peyer ist klar, dass den Vereinen auch eine Integrationsfunktion zukomme. Das sei schliesslich auch einer der Gründe, weshalb sich die Schlieremer Vereine auf der Internetseite der Stadt präsentierten, so Peyer weiter.

Bei der Freizeit-Vereinigung sind es momentan logistische Fragen, welche sich im Zusammenhang mit den neuen Schlieremern stellten: Jeweils im Herbst und im Frühling verschicke man einen Flyer in alle Schlieremer Haushaltungen. Damit mache man auf das Kursprogramm aufmerksam, das auch an verschiedener Stelle öffentlich aufliege - so etwa in der Stadtbibliothek.

Nun, da die Zahl der Haushaltungen ansteige, müsse man sich überlegen die Auflage der Flyer zu steigern, um alle Einwohner zu erreichen. Denn neue Mitglieder wären in der Freizeit-Vereinigung, welche eine grosse Bandbreite an Kursen anbietet, sehr willkommen.

Zusammenleben in Quartieren fördern

Integration ist ein Prozess, der von beiden Seiten kommen muss. So weist Stadtrat Robert Welti darauf hin, dass auch die Neuzuzüger sich um Anschluss bemühen müssten. Die Stadt habe auf viele Bereiche keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Einen weiteren Schritt hat Schlieren dennoch geplant: Die Stadt möchte Quartierzusammenkünfte fördern: «Wir möchten dazu anregen, dass die Zusammengehörigkeit auf kleinem Raum gepflegt wird. Dass man beispielsweise einmal mit dem Nachbarn zusammensitzt», erläutert Welti die Idee. Auch dies könnte ein Schritt sein, um aus Neuzuzügern Schlieremer zu machen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1