Robin Williams
Warum Stars nicht vor Depressionen gefeit sind

Robin Williams hat sich das Leben genommen – er ist längst nicht der Einzige in der High Society. Suizid-Forscher warnen vor den Imitationseffekten einer falschen Medienberichterstattung.

Thomas Schlittler
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Robin Williams starb in der Nacht auf Dienstag.

Robin Williams starb in der Nacht auf Dienstag.

Keystone

Wenn sich jemand das Leben nimmt, ist das für Aussenstehende in jedem Fall schwierig nachzuvollziehen. Wenn aber jemand Suizid begeht, der in den Augen der Gesellschaft ein erfolgreiches Leben führte, macht das besonders nachdenklich.

Doch es kommt immer wieder vor, dass Menschen, die zu Ruhm und Geld gekommen sind, Selbstmord begehen: von Ernest Hemingway, Kurt Cobain, Rex Gildo bis hin zu Lucy Gordon, Robert Enke, Tony Scott und Carsten Schloter – die Liste der Prominenten, die sich das Leben nahmen, ist lang. Seit gestern erscheint in dieser traurigen Aufzählung ein weiterer Namen: Robin Williams. Der Hollywoodstar hatte Alkoholprobleme und litt an Depressionen – als einzigen Ausweg sah er offenbar den Freitod.

Depressive Komiker

«Erfahrungsgemäss ist das Suizidrisiko an den Rändern der Gesellschaft am höchsten», sagt Thomas Niederkrotenthaler von der Medizinischen Universität Wien gegenüber der «Nordwestschweiz». Dazu gehörten aber nicht nur Menschen mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Status. Vielmehr seien auch Menschen der obersten Schichten häufig betroffen.

Wie kommt es, dass Leute, die anscheinend alles haben, so verzweifelt sind, dass sie nicht mehr weiterleben wollen? Suizid-Forscher Niederkrotenthaler erklärt das mit dem Sprichwort «oben wird die Luft dünner». Mit dem Aufstieg komme es oft zu Spannungen, so der Österreicher. «Viele führen zwischenmenschliche Beziehungen, die nicht wirklich hilfreich sind, wenn es darum geht, persönliche Probleme zu besprechen.»

Zusätzlich betroffen macht der Suizid von Robin Williams, weil uns der US-Schauspieler jahrelang zum Lachen gebracht hat. Ein depressiver Komiker – ist das kein Widerspruch? Nein, sagt eine Studie der Universität Oxford, die anfangs 2014 publiziert wurde. Eine Befragung von 523 Komikern aus England, Australien und den USA kam zu einem traurigen Ergebnis: Komödianten besitzen oftmals Charakterzüge, die normalerweise Menschen mit bipolarer Störung (manisch-depressive Erkrankung) oder Schizophrenie zugeordnet werden.

Tot aufgefunden: US-Schauspieler Robin Williams (Archiv)

Tot aufgefunden: US-Schauspieler Robin Williams (Archiv)

Keystone

Die Verantwortung der Medien

Für die Medien sind Suizidfälle berühmter Persönlichkeiten eine heikle Angelegenheit. Einerseits kann die Todesursache nicht verschwiegen werden, andererseits ist bekannt, dass öffentlich thematisierte Selbsttötungen von Prominenten zur Nachahmung verleiten können. Die Suizid-Forscher der Uni Wien haben diesen sogenannten «Werther-Effekt» anfangs 2013 quantifiziert: Demnach gibt es in Österreich 20 Suizide mehr pro Monat, wenn sich ein Prominenter selbst getötet hat und die Medien «sensationsträchtig» darüber berichteten.

Von «sensationsträchtig» spricht Niederkrotenthaler zum Beispiel, wenn die Tat im Artikel genaustens beschrieben wird. «Wichtig ist, dass vermittelt wird, dass Krisen bewältigbar sind – und nicht der falsche Eindruck aufkommt, dass Suizid eine akzeptable Lösung persönlicher Probleme ist.»