Sexuelle Übergriffe

Neue Vorwürfe gegen Spacey: «Es brauchte nur einen Mann unter 30, und er fühlte sich frei, uns anzufassen»

Kurz nach seiner öffentlichen Entschuldigung via Twitter hagelt es neue Vorwürfe gegen US-Schauspieler Kevin Spacey. (Archivbild)

Kurz nach seiner öffentlichen Entschuldigung via Twitter hagelt es neue Vorwürfe gegen US-Schauspieler Kevin Spacey. (Archivbild)

Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos hat neue schwere Vorwürfe gegen Oscar-Preisträger Kevin Spacey erhoben. Während dessen Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre habe es unzählige Übergriffe und ungewollte sexuelle Avancen gegeben.

"Viele von uns haben eine 'Kevin Spacey Geschichte'. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen", schrieb der 35-jährige Cavazos am Montag auf Facebook. "Es war so üblich, dass es sogar zu einem schlechten Witz wurde."

Er könne die Anzahl der Personen nicht mehr zählen, die ihm die gleiche Geschichte über Spacey erzählt hätten, schreibt Cavazos weiter. Demnach habe Spacey mehrfach Schauspieler eingeladen, um "über ihre Karriere zu reden".

Nach ihrer Ankunft im Theater habe der Oscar-Preisträger die Eingeladenen mit einem vorbereitetem Picknick und Champagner auf der Bühne erwartet. Die Geschichten variierten darüber, wie weit das Picknick gegangen sei, doch die Technik sei immer die gleiche gewesen.

Cavazos berichtet weiter, dass Spacey sich auch an der Bar des Theaters Schauspielern aufgedrängt habe, die sein Interesse geweckt hätten. "Auf diese Weise hat er mich beim zweiten Mal berührt. Ich habe mich nie darauf eingelassen, aber ich weiss, dass einige Angst davor hatten, Stopp zu sagen."

Er selbst habe zweimal unerfreuliche Erfahrungen gemacht, die er als Frau ohne zu zögern als "sexuelle Belästigung" bezeichnet hätte. Er hoffe, viele weitere Leute fänden nun den Mut, von ihren eigenen Erlebnissen zu berichten.

Beschwerden ernst nehmen

Der heute 58-jährige Spacey war zwischen 2004 und 2015 am Londoner Theater engagiert. In einem Statement betonte die Theaterleitung: "Ungebührliches Verhalten jedes Mitarbeiters des Old Vic ist völlig inakzeptabel."

Beschwerden würden unter einer bestimmten E-Mail-Adresse entgegengenommen und vertraulich behandelt. "Wir haben externe Berater eingesetzt, die uns bei der Bearbeitung der eingegangenen Informationen unterstützen."

Bereits vor Cavazos hatte der 46-jährige Schauspieler Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") Spacey eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen und Spacey 26.

Nach Rapps Vorwürfen hatte sich Spacey sofort für den beschriebenen Angriff auf den damals minderjährigen Schauspieler entschuldigt, an den er sich nach eigenen Angaben nicht mehr erinnern konnte.

Gleichzeitig outete er sich als schwul, was ihm sofort harsche Kritik eintrug: Viele sahen darin ein Ablenkungsmanöver und warfen ihm zudem vor, Homosexualität pauschal mit Pädophilie in Verbindung zu bringen.

Diese Nachricht verbreitete US-Schauspieler Kevin Spacey via Twitter.

Berufliche Konsequenzen

Die Vorwürfe haben für Spacey erste berufliche Konsequenzen. Nachdem Netflix am Montag angekündigt hatte, dass "House of Cards" nach der sechsten Staffel komplett eingestellt wird, teilte der Streamingdienst nun mit, dass auch die Dreharbeiten an der sechsten Staffel bis auf Weiteres ruhen. Damit solle Zeit geschaffen werden, "die Lage zu untersuchen und auf jegliche Besorgnisse der Crew" einzugehen, erklärte Netflix.

Die Entscheidung wurde demnach gemeinsam mit der Produktionsfirma Media Rights Capital getroffen. Die sechste Staffel der Serie, in der Spacey die Hauptrolle eines machthungrigen und skrupellosen Politikers spielt, sollte nach den bisherigen Planungen im nächsten Jahr gezeigt werden.

Rapp und Cavazos machten die Anschuldigungen vor dem Hintergrund der Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Der Skandal um den einst einflussreichen Hollywood-Mogul hat zu einer weitreichenden Debatte über sexuelle Belästigung unter anderem in der Filmbranche geführt.

Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Mehr als 50 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet.

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