Amtsübergabe
Leeres Büro, Chaos und Misstrauen: Regierungsrat Darbellay beklagt sich über Vorgänger Freysinger

Er habe ein völlig leeres Büro vorgefunden und seinen Vorgänger Oskar Freysinger mehrmals versucht anzurufen. Zu einer geordneten Amtsübergabe kam es jedoch nie.

Chantal Gisler
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Eine geordnete Amtsübergabe zwischen Christophe Darbellay (l.) und Oskar Freysinger fand trotz mehrfachen Anrufen nicht statt. (Archiv)

Eine geordnete Amtsübergabe zwischen Christophe Darbellay (l.) und Oskar Freysinger fand trotz mehrfachen Anrufen nicht statt. (Archiv)

KEYSTONE/OLIVIER MAIRE

Nach nur einer Amtsperiode abgewählt. Und das, obwohl er noch vor vier Jahren das beste Ergebnis erreicht hatte. Diese Niederlage macht Oskar Freysinger wohl sehr zu schaffen. Denn laut Walliser Bote habe es keine geordnete Amtsübergabe an seinen Nachfolger Christophe Darbellay gegeben. Darüber beklagte sich Staatsrat Darbellay vor dem Walliser Parlament: «Ich habe ein völlig leeres Büro vorgefunden. Ich habe Oskar Freysinger mehrmals angerufen, um eine geordnete Übergabe durchführen zu können.» Eine solche sei aber nie zustande gekommen.

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.
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Von 1999 bis 2002 ist Freysinger Präsident der SVP Wallis, die er mitbegründet hat.
National bekannt wird er, als er am SVP-Parteitag 2002 in Lupfig ein Spottgedicht vorträgt – mit einer Spitze gegen den damaligen Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi. (Symbolbild)
2003 zieht Freysinger in den Nationalrat ein, wie auch Pascale Bruderer (seit 2002 im Rat) und Christophe Darbellay.
Mit seinen Provokationen macht er sich schnell einen Namen und ziert bald die Titelblätter nationaler Medien. Hier geht es um ein Inserat, das Osama bin Laden auf einer ID zeigt.
Auch in seiner Partei steigt Freysinger auf. Ab 2012 ist er einer von sieben SVP-Vizepräsidenten.
Nach drei Legislaturen ist Schluss: Zu den nationalen Wahlen 2015 tritt der Walliser nicht mehr an.
Berührungsängste zu extrem rechten Kreisen kennt Freysinger nicht. Mehrmals gerät er deswegen in die Schlagzeilen. Er tritt etwa beim rechtsextremen deutschen Magazin «compact» auf.
2013 entsteht Wirbel um Freysinger, weil in einer SRF-Sendung die deutsche Reichskriegsflagge in seinem Büro zu sehen ist. Er lässt verlauten, ihm gefielen die Farben und Symbole...
...und nicht die Ideologie dahinter.
2013 gelingt ihm die Wahl in den Walliser Staatsrat.
Er ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.
Bei den Regierungsratswahlen 2017 peilt Freysinger die Wiederwahl an.
Im Wahlkampf startete Freysinger einen Frontalangriff auf die vorherrschende CVP.
Im ersten Wahlgang musste er bereits eine empfindliche Schlappe hinnehmen – er landete nur auf Platz 6. Nach dem zweiten Wahlgang war dann klar: Die Walliser haben ihn aus der Regierung gewählt.

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Keystone

Davon lässt sich der Staatsrat jedoch nicht unterkriegen. Dank seinen «sehr guten Dienstchefs» habe sich Darbellay einen guten Überblick verschaffen können. Er blickt positiv in die Zukunft: «Es geht darum, diese Zeit hinter uns zu lassen und die Missstände aufzuarbeiten, die in dieser Zeit entstanden sind», erklärte Darbellay. «In der letzten Legislatur wurden im Bildungsbereich Regeln mit Füssen getreten und neue Regeln aufgestellt, die zu Chaos und Misstrauen führten.» Dieses Kapitel wolle er jetzt zuschlagen. «In der Schule hat es Platz für alle Schüler. Für Behinderte und für Hochbegabte.»

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