Presserat
CH Media verstiess teilweise gegen Rechercheregeln

Verschiedene Portale von CH Media haben bei der Berichterstattung über eine Medienmitteilung des Universitätsspitals Zürich (USZ) zur Coronaforschung teilweise gegen Rechercheregeln verstossen.

Samuel Christian Thomi
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Der kritisierte Titel des Artikels wie er nun – nach der Beanstandung – neu daherkommt. (Screenshot)

Der kritisierte Titel des Artikels wie er nun – nach der Beanstandung – neu daherkommt. (Screenshot)

HO

Dies geht aus einem Entscheid des Schweizer Presserats hervor. Die Selbstregulierungsinstanz der Schweizer Medien hat diesen laut einer Mitteilung vom Dienstag auf seiner Homepage aufgeschaltet. Demnach gibt der Presserat einem Beschwerdeführer teilweise Recht. Dieser hatte in seiner Eingabe kritisierte, die Redaktion des News Service von CH Media habe mit dem auf verschiedenen Onlineseiten des Medienkonzerns publizierten Artikel gegen die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» verstossen.

Konkret wirft der Beschwerdeführer der Redaktion vor, bei der Quellenbearbeitung nicht genug sauber gearbeitet zu haben. Dies, indem ohne kritisch zu hinterfragen ein missverständlicher Titel und Einstieg einer Medienmitteilung des USZ auch gleich zum Titel und Einstieg in den Artikel übernommen worden sei. CH Media argumentierte in dem Verfahren vor dem Presserat vergeblich, es übersteige das «übliche und angemessene Mass journalistischer Sorgfaltspflicht im Berufsalltag», an der grundsätzlichen wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit einer Medienmitteilung eines schweizerischen Universitätsspitals zu zweifeln.

Im Zweifelsfall nachfragen

CH Media hat die kritisierten Passagen bereits vor dem nun publik gewordenen Entscheid des Presserates entfernt, den Text aktualisiert und sich freiwillig in einer Fussnote für den Fehler entschuldigt.

Obwohl er dafür nicht direkt zuständig ist, kommt der Presserat in seinen Erwägungen ebenfalls zum Schluss, dass die erwähnte Medienmitteilung des Universitätsspitals Zürich «zumindest ausgesprochen missverständliche Passagen» enthält. Dies könne eine Redaktion durchaus auf falsche Fährten führen. Allerdings könne dies eine Redaktion «nicht vollkommen entlasten», wie dies die Redaktion von CH Media beantragte. Dass die Redaktion bei einer unsicheren Situation nicht bei der Verfasserin der Medienmitteilung nachgefragt habe, sei ein Recherchefehler respektive ein Verstoss gegen die Sorgfaltspflicht der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten».

Ähnlich lautende Beschwerden desselben Beschwerdeführers gegen die «NZZ am Sonntag» sowie «higgs.ch» hat der Presserat dagegen laut dem am Dienstag publizierten Entscheid abgelehnt.