Frauen werben Frauen
Neckertaler Amtsträgerinnen werben Frauen für die Behördentätigkeit – an fünf Anlässen erzählen sie von ihrer Arbeit

Am 1. Januar 2023 startet die neue Gemeinde Neckertal. Die Behörden werden im Frühjahr 2022 gewählt. Nun werden die aktuellen Amtsträgerinnen aktiv und wollen Frauen für eine Ratstätigkeit motivieren.

Zita Meienhofer
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«Die Vereinbarkeit ist nicht in jedem Fall das eigentliche Problem. Frauen können Beruf und Familie durchaus organisieren. Aber Politik machen heisst, weniger verdienen und der öffentlichen Kritik ausgesetzt sein. Das will man sich nicht unbedingt antun. Im bürgerlichen Lager ist das eines der Hauptprobleme, was die Rekrutierung von Nachwuchs angeht.» Das sagt eine ehemalige Nationalrätin aus der Ostschweiz in der Analyse zur Studie «Politische Partizipation von Frauen in der Ostschweiz», die im September 2019 publiziert wurde.

Im Kanton St. Gallen regieren hauptsächlich die Männer

Frauen sind in der Ostschweizer Politik untervertreten. Das zeigt ein Blick auf die politische Bühne in Bern. Dasselbe gilt auch auf kantonaler und kommunaler Ebene. Die Zahlen im Kanton St.Gallen bekräftigen die Aussagen dieser Studie: Es gibt 77 Gemeinden. Von den über 400 Gemeinderatsmitgliedern ist ein knappes Drittel weiblich. In sieben Gemeinden amtieren Gemeindepräsidentinnen. In zehn Gemeinden ist keine Frau im Gemeinderat vertreten.

Maja Meyer-Böhm, Initiantin der Anlässe um Frauen für ein politisches Amt zugewinnen.

Maja Meyer-Böhm, Initiantin der Anlässe um Frauen für ein politisches Amt zugewinnen.

Bild: Ralph Ribi

Ein Thema, das bekannt ist. Ein Thema, für das sich politische Frauengruppen und Frauenverbände stark machen. Ein Thema, das wohl weiterhin ein Thema bleiben wird und das auch Maja Meyer-Böhm aus Mogelsberg kennt. Sie, die Gemeinderätin von Neckertal und politisch in der FDP aktiv ist, sie, die ein eigenes Kommunikations- und Marketingbüro führt. Im Hinblick auf die Wahlen im Frühjahr 2022 hat sie sich ihre Gedanken gemacht. Zu jenem Zeitpunkt werden die Behördenmitglieder für die neue Gemeinde Neckertal gewählt.

Die Chance, dass in den Gremien der neuen Gemeinde mehr Frauen politisieren

Die Gemeinden Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil hatten im Juni über eine Fusion abgestimmt, am 1. Januar 2023 tritt diese in Kraft. Dann endet auch die Amtszeit der bisherigen Räte. Maja Meyer-Böhm sagt für die Zeit danach:

«Es ist wichtig, dass beide Geschlechter in den Gremien gut vertreten sind. Zumal alle bisherigen Gemeinderätinnen und die Gemeindepräsidentin zurücktreten werden.»

Maja Meyer-Böhm hatte deshalb eine Idee, die sie gemeinsam mit ihren Amtskolleginnen in die Tat umsetzen wird. Unter dem Titel «Frau, bring dich ein – wir brauchen dich» organisiert sie Abende in allen fünf Dörfern der neuen Gemeinde. An diesen Anlässen werden aktuelle und ehemalige Behördenvertreterinnen von ihrer Tätigkeit, der Vereinbarkeit, den Voraussetzungen berichten.

Ein Anlass, um Frauen für ein Amt zu motivieren

Der Anlass ist nur für Frauen zugänglich. Maja Meier-Böhm sagt: «Wir wollen die Interessierten in einem guten Umfeld informieren, sie zu einer Amtstätigkeiten motivieren.» Gemäss ihren Aussagen werden die aktuellen Behördenvertreterinnen mit den interessierten Frauen am Tisch sitzen und über die Kriterien für eine Kandidatur, über die Rahmenbedingungen aber auch über die Vorteile einer Ratstätigkeit sprechen. Die Frauen haben die Möglichkeit von den Amtsträgerinnen zu erfahren, welche interessanten und herausfordernden Seiten ein politisches Amt mit sich bringt.

Veranstaltungen in diesem Rahmen hat es im Toggenburg noch keine gegeben. Auch nicht in anderen Region wie Maja Meyer-Böhm vermutet. Die Idee stammt von ihr. Sie sagt:

«Ob ich richtig liege, das weiss ich nicht.»

Sie weiss aber, dass es viele starke und fähige Frauen gibt, die sich jedoch nicht getrauen, sich selber nicht melden. Aktiv wurde sie deshalb und auch darum, weil ihr das Thema Gleichstellung sehr wichtig ist und, weil sie an einem Workshop beim Amt für Gleichstellung nochmals für dieses Thema sensibilisiert wurde.

Die Anlässe finden wann wo statt

Donnerstag, 25. November 2021, 20 Uhr, Pfarreiheim Mogelsberg
Mittwoch, 15. Dezember 2021, 20 Uhr, Mehrzwecksaal Chrüzweg, Brunnadern
Mittwoch, 12. Januar 2022, 20 Uhr, Ref. Kirchgemeindesaal St. Peterzell
Dienstag, 18. Januar 2022, 20 Uhr, Pfarrhaus Oberhelfenschwil
Dienstag, 25. Januar 2022, 20 Uhr, Kirchgemeindesaal Hemberg

Aktuelle und ehemalige Amtsträgerinnen erzählen von ihrer Arbeit

Am Anlass teilnehmen werden nebst Maja Meyer-Böhm fünf Vertreterinnen aus Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil. Es sind dies Vreni Wild, Gemeindepräsidentin Neckertal; Andrea Galli, Schulratspräsidentin Neckertal; Hedy Hauser, ehemalige Schulratspräsidentin Oberes Neckertal; Martina Langenegger, Gemeinderätin Hemberg sowie Tiara Truno, Gemeinderätin aus Oberhelfenschwil. Hedy Hauser gehört ebenfalls der Findungskommission an, die sich mit der Suche einer Gemeindepräsidentin oder eines Gemeindepräsidenten befasst. Sie nimmt als Vertretung der FDP in dieser Kommission Einsitz. Die Findungskommission und die Frauengruppe arbeiten allerdings unabhängig. Hedy Hauser sagt, dass es ihr ein Anliegen sei, dass die Frauen in der Politik vertreten seien. Weshalb das oft nicht so ist, begründet Hauser mit dem Faktor Zeit.

Gemeindepräsidentin will bewusst machen, was im täglichen Leben durch die Politik beeinflusst wird

Mit den Frauen am Tisch sitzen wird auch Vreni Wild, die seit ihrem 30. Lebensjahr ein politisches Amt bekleidet. Wenn sie eine Frau für ein politisches Amt gewinnen möchte, sagt sie zu ihr: «Auf Gemeindeebene ist eine massgebliche Mitgestaltung möglich. Viele Leute sind sich nicht bewusst, dass fast alles im täglichen Leben durch die Politik beeinflusst ist. Die Arbeit in einem Rat ist vielseitig, interessant und auch eine Weiterbildungsmöglichkeit.» Zum schwierigsten Teil eines politischen Amtes sagt sie: «Das ist der Umgang und auch die Verarbeitung von Widerständen. Es braucht einen breiten Rücken, weil man natürlich auch Anfeindungen ausgesetzt ist. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass meistens das Amt und nicht die Person gemeint ist.»

Weitere Informationen sind erhältlich bei Maja Meyer-Böhm unter mmb@mmb.ch.

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