Städtereise
Ein Tag in St.Gallen: Vom Brunch bis zur Party – die besten Tipps und Adressen

Gäste der Gallusstadt kommen nicht nur kulinarisch auf ihre Rechnung. St.Gallen bietet eine herausgeputzte Innenstadt, sehenswerte Museen und Badevergnügen im Naturweiher, alles in Gehdistanz.

Martin Oswald
Drucken
Teilen

Grüezi und guten Morgen in der Gallusstadt. Ich nehme Sie heute mit auf einen Städtetrip, gespickt mit vielen kulinarischen Highlights. St.Gallen hat einiges zu bieten, Sie werden sehen. Die Geschichte der Stadt geht zurück auf die Legende des heiligen Gallus im Jahr 612 nach Christus. Otmar gründete hier im Jahr 719 das später berühmte Kloster. Rund um das Klosterviertel schmiegt sich die hübsche Altstadt, welche eingebettet zwischen Rosenberg und Freudenberg liegt. St.Gallen ist darum eine «Stägestadt» und zählt rund 13'000 Treppenstufen. Bereit, diese Stadt kennen zu lernen? Dann legen wir los!

09.00 Uhr

Zeit für ein nahrhaftes Frühstück und einen guten Kaffee, schliesslich haben wir einen erlebnisreichen Tag vor uns.

Drahtseilbähnli: Veganes Porridge aus Hirseflöckli, Hafermilch und Beeren, Randenhummus, Dörrtomatenaufstrich, Crêpes mit Ahornsirup und Früchtekompott. Diese Frühstückskarte ist einmalig in der Stadt. Von Mittwoch bis Freitag, von 9 bis 11.30 Uhr, gibt es es Zmorge à la carte, Samstag und Sonntag, von 9 bis 14 Uhr, ein grosses Brunchbuffet. (St.Georgenstrasse 3, 9000 St.Gallen, 071 222 42 17)

Claudia Braun, die Wirtin im «Drahtseilbähnli».

Claudia Braun, die Wirtin im «Drahtseilbähnli».

Bild: Claudio Heller

Chocolaterie Kölbener: Hier verbindet sich Kaffee- mit Schokoladenkunst. Süsse Spezialitäten gibt es hier im Direktverkauf, zum Degustieren oder gleich zum Verzehr. Wenn es das Wetter erlaubt, sitzt man hier draussen inmitten des Klosterviertels. (Gallusstrasse 20, 9000 St.Gallen, 071 222 57 70)

Blumenmarkt: Dieses kleine Lokal hat einfach Charme und ist am Morgen meist bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter der Woche gibt es veganes Birchermüsli und hausgemachtes Granola, am Wochenende Brunch von 9 bis 14 Uhr. Probieren Sie die Pancakes mit Ahornsirup oder die frisch gefüllten Bagels.

10:30 Uhr

Wer gerne dem gepflegten Shopping frönt, schlendert jetzt am Vormittag durch die Multergasse und Neugasse. Hier finden sich Uhrengeschäfte, Modeausstatter, Kosmetik, Bücher, Sportutensilien, aber auch jede Menge Einkaufsmöglichkeiten für frische Brötchen, Patisserie oder Wurstspezialitäten. Nicht verpassen: einmal über den Roten Platz gehen. Dieses Wohnzimmergefühl gibt es nur in St.Gallen.

Die Künstlerin Pipilotti Rist hat den Roten Platz beim Bleicheli gestaltet.

Die Künstlerin Pipilotti Rist hat den Roten Platz beim Bleicheli gestaltet.

Bild: Hanspeter Schiess

Wer nichts mit Shopping anfangen kann, stattdessen etwas über Architektur und Geschichte erfahren möchte, nimmt bei einer der vielen unterschiedlichen Führungen teil. Zum Beispiel: «Wenn Altstadthäuser Geschichten erzählen». Wer schneller vorankommen möchte, kann die Stadt auch auf einer geführten Tour mit dem E-Bike entdecken.

12.00 Uhr

Zeit für eine Pause und etwas zu essen. Wer in St.Gallens Innenstadt ein gutes Restaurant sucht, hat die Qual der Wahl. Hier drei ausgewählte und geprüfte Vorschläge:

Zum Goldenen Schäfli: Der schiefe Boden in der Zunftstube ist das Markenzeichen dieser traditionellen Erststockbeiz, was schon so manches Fernsehteam von überall auf der Welt anlockte. Wohl infolge von Grundwasserabsenkungen im Zuge der Kanalisierung der Stadt senkten sich die Mittelfundamente des Gebäudes sukzessive. So sitzt der Tischnachbar «oben» gut 20 Zentimeter höher als jener «unten». Mara Zwatz und Astrit Memetaj zaubern hier trotz winziger Küche grosse Gerichte. (Metzgergasse 5, 9000 St.Gallen, 071 223 37 37)

«Zum Goldenen Schäfli» – schräger Boden, tolles Essen.

«Zum Goldenen Schäfli» – schräger Boden, tolles Essen.

Bild: Urs Bucher

Concerto: Im St.Galler Kulturviertel, zwischen Museen und kulturellen Einrichtungen, barocken Gebäuden und Jugendstilhäusern, befindet sich das Restaurant Concerto. Hier wird Esskultur geboten, mit einer raffinierten und regionalen Küche. Das «Concerto» ist direkt an die Tonhalle angebaut. Mittags stehen drei Menus zur Auswahl. Als Klassiker werden zudem ein Rindstatar verfeinert mit Cognac oder gebackene Felchen-Knusperli angeboten. (Museumstrasse 25, 9000 St.Gallen, 071 242 07 77)

Dreilinden: Wer bereit ist, ein paar der berühmten St.Galler Treppenstufen zu besteigen, findet in diesem Lokal eine tolle Aussicht über die Stadt. Im Restaurant Dreilinden werden saisonale, regionale und frische Spezialitäten angeboten. «Leidenschaft und Raffinesse» versprechen Oliver, Sabrina und das «Dreilinden»-Team. Zum Apéro ein Flammkuchen, zum Hauptgang ein Dreilinden-Burger und zum Nachtisch ein Bad im Frauenweiher gleich hinter dem Restaurant – aber bitte erst nach einer kleinen Verdauungspause. (Dreilindenstrasse 42, 9011 St.Gallen, 071 245 15 30)

14.00 Uhr

Der Nachmittag ist angebrochen und ich möchte Ihnen noch mehr von dieser Stadt zeigen. Kunst- und Kulturfreunde stehen jetzt vor einer schwierigen Entscheidung, denn das Angebot in der Gallusstadt ist gross.

Führung in der Stiftsbibliothek St.Gallen.

Führung in der Stiftsbibliothek St.Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess
  • Wer Unesco-Weltkulturerbe bewundern möchte, besucht das Kloster mit der berühmten Stiftsbibliothek. Diese wurde spätestens 719 gegründet und gehört zu den bedeutendsten historischen Bibliotheken der Welt. Im Barocksaal finden sich über 170'000 Bücher, Handschriften und Frühdrucke.
  • Wer der Blütezeit dieser Stadt auf die Spur gehen möchte, dem sei das Textilmuseum empfohlen. Es beherbergt eine der bedeutendsten Textilsammlungen der Schweiz. Gewebe und Stickereien aus aller Welt, Musterbücher, Entwurfszeichnungen und Fotografien illustrieren die Geschicke der Schweizer Textilindustrie.
  • Für Naturfreunde lohnt sich eine kurze Busfahrt zum Naturmuseum, wo unter anderem eine grosse Ameisenkolonie bewundert werden kann. Auf einer Fläche von 2000 m² finden Familien eine abwechslungsreiche Dauerausstellung. 2016 wurde der Neubau mit seiner markanten Fassade aus gewelltem Beton eröffnet.
  • Wer stattdessen lieber lebende Tiere in der Natur beobachten möchte, dem empfehle ich einen Ausflug zum Wildpark Peter und Paul. Hier werden einem die Tiere nicht gleich im Schaufenster vorgeführt, aber mit etwas Geduld lassen sich hier Luchse mitten im Wald und kletternde Steinböcke beobachten.
Ein junger Steinbock wagt den Sprung.

Ein junger Steinbock wagt den Sprung.

Bild: Raphael Rohner

PS: Der öffentliche Verkehr ist in St.Gallen ausgezeichnet ausgebaut und bringt Sie schnell von A nach B.

16.15 Uhr

So viel gesehen, so viel erlebt. Es wird Zeit für etwas Erholung. Wer diesen Gang nicht bereits zum Mittagessen unter die Füsse genommen hat, dem sei spätestens jetzt der kurze Aufstieg zu den Drei Weieren ans Herz gelegt. Von hier oben hat man einen perfekten Ausblick über die ganze Stadt bis hinunter zum Bodensee. Aber das ist nicht der einzige Grund, hier zu sein. Der öffentlich zugängliche Mannenweiher ist ein herrlicher Ort für einen Schwumm in sauberem Naturwasser. Anschliessend lässt man sich wahlweise auf dem Steg, den Bänken am Hang oder auf der grossen Wiese von der Sonne trocknen. Der längst nicht mehr geheime Geheimtipp ist ein Stück Zimtfladen im Milchhüsli zwischen Mannenweiher und Buebenweiher. Fein.

Ein eleganter Sprung in den Mannenweiher.

Ein eleganter Sprung in den Mannenweiher.

Bild: Urs Bucher
18.00 Uhr

Wieder unten in der Stadt wird es Zeit für einen Apéro.
Mein Tipp: das Seeger. Dieses stilvoll renovierte Lokal öffnete seine Tore erstmals im Jahre 1936 und ist seit jeher ein fester Teil des St.Galler Stadtlebens. Der ideale Ort, um den Puls dieser Stadt zu spüren: ein paar Sonnenstrahlen, eine Prise Feierabendverkehr, sehen und gesehen werden und dazu feine Drinks und Häppchen. (Oberer Graben 2, 9000 St.Gallen, 071 222 97 90)

Das Seeger in der Weihnachtszeit.

Das Seeger in der Weihnachtszeit.

Bild: Michel Canonica
19.30 Uhr

Jetzt macht sich langsam der Hunger bemerkbar. Aber wohin? Ich muss gestehen, dass es diesen einen Favoriten angesichts der grossen und hochstehenden Auswahl nicht gibt. Darum hier fünf Adressen, von denen Sie mit Sicherheit nicht enttäuscht sein werden.

Facincani: Die Adresse für authentische italienische Küche und liebenswerte Gastfreundschaft. Auf der Karte: Saltimbocca, Scalopine al Limone oder hausgemachte Tagliatelle. (Gallusstrasse 39, 9000 St.Gallen, 071 222 27 46)

Das Restaurant Facincani mitten in der Altstadt.

Das Restaurant Facincani mitten in der Altstadt.

Bild: Mareycke Frehner

Lagerhaus: «Fleisch für Fortgeschrittene» steht hier im ehemaligen Zollfreilager St.Gallens gross an der Wand geschrieben. Der Buchenholzgrill im Restaurant macht es möglich, Fisch und Fleisch in Perfektion zuzubereiten. Auch beim Wein haben Patrick Studerus und sein Team ein feines Händchen.

La Vigna: Wolfgang Kahr hat sich einen Namen gemacht. Seit über 15 Jahren zelebrieren er und sein Team Tavolata – das gemeinsame Essen, wo gefüllte Teller in die Mitte des Tischs kommen und sich alle bedienen. Seine verschiedenen Antipasti sind so grossartig, dass manchmal kaum Platz für den Hauptgang bleibt. (Engelgasse 12, 9000 St.Gallen, 071 245 00 88)

Netts: Köbi Nett ist längst eine lebende Legende. Auch die junge Generation um Sohn Oliver und Gastgeberin Roos steht für herzliche Gastronomie auf höchstem Niveau. Wir empfehlen: Café de Paris zum Hauptgang und Köbis Gugusli zum Dessert. (St.-Jakob-Strasse 35, 9000 St.Gallen, 071 242 66 77)

Köbi und Oliver Nett im «Netts» in St.Gallen.

Köbi und Oliver Nett im «Netts» in St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

Wirtschaft zur alten Post: Alexander Zimmermann bringt österreichische Kochkunst in die Gallusstadt. Die alte Wirtsstube verleiht dem toll abgeschmeckten Essen ein bodenständiges Ambiente. Im Sommer kann auch auf der Strasse geschlemmt werden, mitten in der Altstadt. (Gallusstrasse 4, 9000 St.Gallen, 071 222 66 01)

20.00 Uhr

Vielleicht ist Ihnen aber gar nicht nach gediegenem Abendessen, sondern viel mehr nach Unterhaltung. Drei Ideen für unterschiedliche Geschmäcker: Fussball im Kybunpark, Kultur im Stadttheater oder Musik in der Grabenhalle.

Fussball: Im Westen der Stadt steht seit einigen Jahren eines der schönsten Fussballstadien des Landes. Der hier gebotene Fussball ist eher kampfbetont als graziös, aber die Leidenschaft von Mannschaft und Fans sorgen immer wieder für Gänsehautmomente. Nicht fehlen darf in der Pause eine typische St.Galler Bratwurst, welche von den Einheimischen ohne Senf gegessen wird. Insider sagen, die Wurst schmecke bei einer 1:0-Führung des FCSG besonders gut.

So lieben es die Fans: schönes Wetter und eine volle Tribüne.

So lieben es die Fans: schönes Wetter und eine volle Tribüne.

Bild: Urs Bucher

Theater: Das Theater St.Gallen bringt jede Spielzeit über 20 Neuinszenierungen heraus und wird bei rund 470 Vorstellungen (davon etwa 50 auswärts) von über 150'000 Zuschauern und Zuschauerinnen aus dem ganzen Bodenseeraum besucht. Musiktheater, Schauspiel oder Tanz, Sie finden im aktuellen Programm bestimmt etwas für Ihren Geschmack. Auch ein Blick ins Programm der Lokremise könnte sich lohnen. Wo früher Lokomotiven parkierten, steht heute ein spartenübergreifendes Kulturzentrum mit Theater, Tanz, Kino, Kunst und Restaurant unter einem Dach.

Festspiel: Im Sommer wartet jeweils ein besonderes Highlight, nämlich Theaterspektakel vor der beeindruckenden Kulisse des St.Galler Klosters. Zum Programm der St.Galler Festspiele.

Von oben gut zu sehen: die Bühne der St. Galler Festspiele auf der Klosterwiese St.Gallen.

Von oben gut zu sehen: die Bühne der St. Galler Festspiele auf der Klosterwiese St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

Konzert: Die Grabenhalle ist seit mehr als 30 Jahren die Kulturhalle für alle. Hier finden Konzerte, Theater, Tanz, Lesungen, Filme und experimentelle Projekte für bis zu 450 Besucher statt. Diese Location lässt eine intime Nähe zwischen Zuschauer und Act zu. Und nach dem Event ist man einmal über die Strasse schon mitten im St.Galler Nachtleben. Programm.

Die Punker von Knöppel bei ihrem Konzert in der Grabenhalle.

Die Punker von Knöppel bei ihrem Konzert in der Grabenhalle.

Bild: Ralph Ribi
23.00 Uhr

Der Tag neigt sich dem Ende. Sie haben noch Energie? Dann tauchen wir nochmals ein in das Strassenleben der Innenstadt. Im sogenannten Bermuda-Dreieck kommen eine ganze Handvoll Lokale zusammen und bilden einen Treffpunkt, der gerade in den Sommermonaten zum Place-to-be für die junge Generation wird. Getränke gibt es im «Alt-St.Gallen», im «Rock Story», «Schwarzer Engel», «Lunaris» oder gleich um die Ecke im kultig eingerichteten «Paparazzo».

Wo man sich im Sommer unter freiem Himmel trifft: das «Bermuda-Dreieck».

Wo man sich im Sommer unter freiem Himmel trifft: das «Bermuda-Dreieck».

Bild: Ralph Ribi

Darf es etwas lauter zu- und hergehen? Dann ab in die Brühlgasse. Dort bilden das «Trischli», die «Caliente Bar», die «Birreria» und weitere Lokale eine Gute-Laune-Meile für jüngere Semester. Und wer vor dem Bier oder Cocktail erst mal eine Grundlage legen möchte, startet mit einem leckeren Burger bei «Hans im Glück» (Kugelgasse 3, 9000 St.Gallen) oder in der «Stickerei» (Oberer Graben 44, 9000 St.Gallen).

Nacht

Sie wollen die Nacht in der Gallusstadt verbringen, ohne weit fahren zu müssen? An diesen Adressen werden Sie gut schlafen.

Einstein: Im Herzen von St.Gallen ist das «Einstein» nicht nur ein eleganter Ort für die Übernachtung, sondern auch ein geeigneter Ort, um köstlich zu essen. Sebastian Zier und sein Team liefern 18 «Gault-Millau»-Punkte und zwei «Michelin»-Sterne. Im Erdgeschoss erwartet Sie zudem eine klassisch-elegante Bar, wie es im Buche steht. (Berneggstrasse 2, 9000 St.Gallen, 071 227 55 55)

Dom: Das Hotel Dom ist ein spezieller Ort für spezielle Menschen. Hier finden über 50 Personen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Das sympathische Hotel liegt mitten im Klosterviertel. (Webergasse 22, 9000 St.Gallen, 071 227 71 71)

Walhalla: Direkt am Bahnhof St.Gallen gelegen, bietet das frisch renovierte Hotel Walhalla über 100 grosszügige und moderne Zimmer. (Poststrasse 27, 9000 St.Gallen, 071 228 28 00)

Hat Ihnen dieser Tag in St.Gallen gefallen? Wenn ja, teilen Sie doch diesen Artikel mit Freunden, die die Stadt in der Ostschweiz unbedingt auch entdecken sollten.

Das könnte Sie auch interessieren

Aktuelle Nachrichten