Mehrweg-Geschirr für St.Galler Takeaways: Gastronomen sind noch skeptisch

Ein Start-up vertreibt in der ganzen Schweiz Take-away-Geschirr zum Zurückbringen. Das Konzept stösst in zahlreichen Städten auf Anklang, nicht aber in St.Gallen. Das soll sich ändern.

Marlen Hämmerli
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In der «Cucina» können Gäste Take-away-Geschirr zum Zurückbringen benutzen. (Bild: Benjamin Manser)

In der «Cucina» können Gäste Take-away-Geschirr zum Zurückbringen benutzen. (Bild: Benjamin Manser)

Seit kurzem stehen auf der Wärmetheke im Restaurant Cucina auberginefarbene Mehrwegbehälter. Das Restaurant im Einkaufszentrum Lerchenfeld ist Teil eines Netzwerks von Gastrobetrieben, die alle dasselbe Mehrwegsystem nutzen.

Dieses wurde von der Jungfirma Recircle aufgebaut, die die Mehrwegbehälter vertreibt. Dank des Netzwerks können Kunden die schmutzigen oder abgewaschenen Behälter in allen teilnehmenden Gastrobetrieben zurückbringen oder wiederauffüllen lassen (siehe Zweittext).

Kaffeebecher im Test

Der Zmittag ist gegessen; das Einweggeschirr landet im Abfall. Genau das will das Start-up Recircle verhindern. Die Jungfirma vertreibt ein wiederverwendbares Take-away-Geschirr. Gegen ein Depot von zehn Franken können Gäste ihr Essen in einem auberginefarbenen Behälter mitnehmen. Ist er leer, waschen die Kunden das Geschirr, um es wiederzuverwenden, oder bringen es einem der am Netzwerk beteiligten Gastrobetrieben zurück. Dieser wäscht es dann ab und nutzt es weiter.
Ziel von «Recircle» ist es, den Abfall aus Take-away-Geschirr zu reduzieren, Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Derzeit testet die Firma wiederverwendbare Kaffeebecher. In St. Gallen sind sie im Restaurant Roter Platz erhältlich. Laut Recircle-Geschäftsleiterin Jeannette Morath kommen die Becher gut bis sehr gut an. (mha)

Vier Gastrobetriebe bieten bisher das Geschirr an

Das Mehrweggeschirr von «Recircle» ist in vielen Schweizer Städten – darunter Zürich oder Bern – weit verbreitet. Nicht aber in St.Gallen. Neben der «Cucina» bieten nur das «Tibits», die Mensa der Kantonsschule am Burggraben und das Restaurant Roter Platz die Behälter an. Im Restaurant am Raiffeisenplatz wurde es laut Jennifer Rohr, Chef de Service, erst kürzlich eingeführt. Die Gäste hätten sehr positiv reagiert. «Viele nutzen die Behälter und nehmen sie teils auch mit nach Hause.» Man habe sich zur Umstellung entschlossen, um die Umwelt zu schonen. Aus diesem Grund habe auch die Kanti-Mensa vergangenen Oktober auf Mehrwegbehälter umgestellt, teilt die Medienverantwortliche der SV Group mit.

Wie die Schüler und Lehrer der Kanti haben auch die Gäste von Martin Vetsch, Inhaber der «Cucina», positiv auf die Behälter reagiert. «Natürlich hat es Gäste, die weiterhin Einweggeschirr nutzen. Aber insgesamt kommen die Behälter gut an.» Es sei eine Win-win-Situation:

«Man spart Geld, tut etwas für die Umwelt und die Gäste finden es angenehmer zum Essen.»

Angst der Gastronomen schwindet nur langsam

Warum aber sind die Behälter in St.Gallen nicht verbreiteter? «In einer Stadt Fuss zu fassen, ist schwierig», sagt «Recircle»-Geschäftsleiterin Jeannette Morath. Es brauche mehrere Betriebe, die das Mehrwegsystem verwenden, dann verbreite es sich schneller. Um «Recircle» bekannt zu machen, besuchen Mitarbeiter Restaurants, Imbisse und Bäckereien und erklären das System. «Dasselbe werden wir dieses Jahr wieder tun.» So schwinde langsam die Angst der Gastronomen vor der Umstellung. «Manche haben Respekt vor dem Abwasch, doch in der Realität behalten vier von fünf Kunden ihren Behälter.»

Häufig höre sie von Gastronomen als Absagegrund: «Ich mache erst mit, wenn alle Gastrobetriebe mitmachen», sagt Morath. «Manche meinen auch, die Gäste wollen das nicht oder bei ihnen würde es nicht funktionieren.» So hat die «Schiffchuchi» in der Marktgasse probiert, die Behälter einzuführen. Der Versuch ist aber laut Geschäftsführerin Regi Weigelt aus zwei Gründen gescheitert. Erstens seien die jetzigen Einwegverpackungen auf die Portionen abgestimmt. Zweitens sei das «Recircle»-Netzwerk noch zu unbekannt. «Während des Mittagsservices haben wir leider keine Zeit, Aufklärungsarbeit zu leisten.» Das Einweggeschirr der «Schiffchuchi» sei zudem aus Karton und damit nachhaltig.

Anders ist die Situation in der Pizzeria Schwanen. «Wir verkaufen nur ganz wenige Take-away-Essen. Etwa zehn pro Monat», sagt Durako Blerim, der die Pizzeria führt. Pizzakartons seien ausserdem recycelbar und die Aluminium-Behälter für Pasta wiederverwendbar. In der Metzgerei Gemperli an der Ecke Webergasse/Schmiedgasse ist die Hygiene das Problem: «Wir haben keinen Industrie-Geschirrspüler und könnten das Geschirr nicht gut genug abwaschen», sagt Filialleiter Bruno Böhi.

«Die Investition wäre zu hoch für die Mengen, die wir rausgeben und der Platz fehlt auch.»

Damit das «Recircle»-System funktioniert, braucht es nicht nur teilnehmende Betriebe, wie «Cucinca»-Geschäftsführer Martin Vetsch anmerkt. «Ein Schwachpunkt ist die Disziplin der Leute. Es gibt Spezialisten, die vergessen das Geschirr vier von fünf Mal, und kein Neues nehmen, weil sie eines Zuhause haben.»