Angst vor Verkehrskollaps auf der Stadtautobahn: Politiker fordern ÖV-Ausbau während Sanierungsarbeiten

Bis 2027 wird die Stadtautobahn instand gesetzt. Bauarbeiten stehen deshalb auf der Tagesordnung. St.Galler Politiker befürchten, dass viele Autofahrer auf das städtische Strassennetz ausweichen werden. Deshalb fordern sie einen Ausbau des ÖV-Angebots.

Christoph Renn
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Bis 2027 ein bekannter Anblick: Stau auf der Stadtautobahn wegen Bauarbeiten. (Bild: Urs Bucher)

Bis 2027 ein bekannter Anblick: Stau auf der Stadtautobahn wegen Bauarbeiten. (Bild: Urs Bucher)

Die Stadtautobahn ist eine Grossbaustelle. Die Vorarbeiten für das Instandsetzungsprojekt, das bis 2027 dauert, laufen. Momentan werden Mittelstreifen-Überleitungssysteme, auch Müls genannt, installiert. Sie ermöglichen bei Baustellen, den Verkehr von einer Fahrbahn auf die andere umzuleiten. Die Folge der aktuellen Bauarbeiten: Im Abschnitt Kreuzbleiche bis Neudorf gibt es Einschränkungen bei den Fahrspuren. Deshalb gilt permanent Tempo 80.

Trotz der Bautätigkeiten sollen während der Instandsetzung der Autobahn grössere Verkehrskollapse vermieden werden. Dies wird vor allem in den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend eine Herausforderung. Markus Weber, Projektleiter beim Bundesamt für Strassen, sagt:

«Eine Reduktion des Verkehrs um zehn Prozent würde dabei schon helfen.»
Ruedi Blumer, Kantonsrat SP. (Bild: Urs Bucher)

Ruedi Blumer, Kantonsrat SP. (Bild: Urs Bucher)

Die beiden Kantonsräte Ruedi Blumer (SP) und Arno Noger (FDP) schreiben in ihrer Interpellation «Instandsetzung Stadtautobahn St.Gallen: Verbesserung des ÖV-Angebots», dass diese Reduktion aber nicht zu zusätzlichen Belastungen des städtischen Strassennetzes führen dürfe.

Kein Verkehrskollaps wegen Bauarbeiten

Die Verkehrssituation in der Stadt wird sich laut Vertretern von Stadt, Kanton und Bund nicht immens verändern. Vor allem, weil der Grossteil der Arbeiten auf der Stadtautobahn in der Nacht durchgeführt würden. Zudem ist das städtische Strassennetz gemäss Markus Weber während der Spitzenzeiten nicht stärker belastbar als jetzt. Bei der Planung sei deshalb Ziel gewesen, dass der Verkehr auf der Autobahn bleibe und sich nicht in die Stadt St.Gallen verlagere. Bei einem Unfall komme es wie bisher zu längeren Wartezeiten.

Die Spitzenzeiten dehnten sich hingegen aus, sagt Weber. Von einem Verkehrskollaps könne trotzdem nicht die Rede sein: Deshalb seien auf dem städtischen Netz auch keine Massnahmen geplant, um möglichen Ausweichverkehr zu bewältigen. «Wir setzten auf Information und Sensibilisierung», sagt Weber und ergänzt: «Wir hoffen, dass einige Personen auf Fahrten verzichten, auf den ÖV ausweichen oder nicht zu Spitzenzeiten auf der Stadtautobahn unterwegs sind.»

Die St.Galler Stadtpolizei teilt diese Einschätzung. Polizeisprecher Dionys Widmer sagt:

«Seit Beginn der Arbeiten auf der Autobahn konnten wir keine signifikante Verkehrszunahme auf dem städtischen Strassennetz feststellen.»
Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen. (Bild: pd)

Das bedeute nicht, dass es in der Stadt nie staut – doch Stau habe es schon vorher gegeben. Widmer sagt, dass sich auch während der Bauphase die Fahrt von Winkeln nach Neudorf durch die Stadt nicht lohne. «Dieser Weg geht über die Stadtautobahn immer noch schneller.»

Hanspeter Krüsi, Sprecher Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Hanspeter Krüsi, Sprecher Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Auch die Kantonspolizei St.Gallen rät davon ab, via Stadt der Autobahn auszuweichen: «Es zeigt sich immer wieder, dass selbst bei einer Staubildung auf der Autobahn das Ausweichen auf anliegende Strassen eine schlechte Wahl ist», sagt Kapo-Mediensprecher Hanspeter Krüsi.

Stadt stellt Arbeiten an Strassen nicht ein

Weil sie am Tag keine wesentliche Verkehrszunahme auf dem städtischen Strassennetz vermuten, haben Stadt, Kanton und Bund sich mit Ausnahme der Dosierung im Gebiet Winkeln gegen Massnahmen in der Stadt entschieden. So werden auch wie in Vorjahren die nötigen Arbeiten auf dem Strassennetz ausgeführt. «Wir bauen ganz normal weiter», sagt der städtische Verkehrsplaner Christian Hasler. Es wäre ein falsches Zeichen, wenn sämtliche Baustellen in der Stadt eingestellt würden. Auch er hofft, dass es während der Bauzeit bis 2027 eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr gibt.

Arno Noger, FDP-Kantonsrat. (Bild: Urs Bucher)

Arno Noger, FDP-Kantonsrat. (Bild: Urs Bucher)

Die Kantonsräte Ruedi Blumer und Arno Noger gehen einen Schritt weiter: So schreiben sie, dass die Bevölkerung vor möglichen Verkehrskollapsen während der langen Bauzeit nur mit verkehrsreduzierenden Massnahmen bewahrt werden können. Und sie liefern eine Idee: Ein gut abgestimmtes zusätzliches Angebot des öffentlichen Verkehrs von Bahn und Bus zu den täglichen Verkehrsspitzenzeiten sei naheliegend. Dies böte auch die Chance, den Anteil der ÖV-Nutzenden am Gesamtverkehr deutlich zu erhöhen.

Winkeln wird zum neuralgischen Punkt

Einen Ausbau des ÖV-Angebots ist laut Christian Hasler nicht geplant. Möglich sei aber eine angepasste Streckenführung bei Winkeln. Denn dort liegt sein Hauptaugenmerk, weil die Autobahn in der ersten Bauetappe ab Mitte 2020 stadteinwärts von drei auf zwei Spuren verringert werden muss. Deshalb hoffe er, dass vor allem Personen aus Herisau vermehrt mit dem Zug nach St.Gallen fahren.

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