Rekord
«Wie Spazierengehen auf dem Wasser»: Lindauerin fährt als erste Frau 64 Kilometer mit Stand-up-Paddle über den Bodensee

Meral Akyol benötigte rund elf Stunden – dann hatte sie den Bodensee der Länge nach durchquert. Trotz einiger Probleme während der Überfahrt möchte sie es nächstes Jahr wieder wagen.

Judith Schönenberger Jetzt kommentieren
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Meral Akyol war fast elf Stunden lang auf ihrem Stand-up-Paddle unterwegs.

Meral Akyol war fast elf Stunden lang auf ihrem Stand-up-Paddle unterwegs.

Bild: PD/Marvin Peter/Surfschule Lindau/Adfunture Outdoor GmbH

Viele haben es bereits ausprobiert und noch mehr sind vom Stand-up-Paddle-Brett geplumpst. Meral Akyol aus Lindau hielt indes zehn Stunden und 53 Minuten lang aus: Als erste Frau überwand sie am Montag den Bodensee auf dem Stand-up-Paddle-Brett der Länge nach. Um 9.22 Uhr fuhr sie in Bodman-Ludwigshafen los, brachte 64 Kilometer hinter sich und traf am Abend um 20.15 Uhr in Bregenz ein. «Ich habe grosse Lust, es nochmal zu machen», sagt die 45-Jährige. Sie habe ihr Team schon vorgewarnt. Und das, obwohl die Überfahrt körperlich und mental sehr anstrengend gewesen sei:

«Am Anfang hatte ich mit sehr starken Windböen zu kämpfen, das waren schwere Stunden. Da ging mir schon die Kraft aus.»

Kaputte Uhr und störende Polizei

Trotzdem machte Akyol weiter, auch dann, als ihre Uhr nicht mehr die richtigen Zahlen für Puls und zurückgelegte Strecke und Zeit anzeigte. «Während des Trainings habe ich mich immer auf meine Uhr verlassen. Als sie während der Überquerung ausstieg, musste ich mit Kopfrechnen beginnen. So war ich aber wenigstens beschäftigt und machte mir weniger Sorgen.» Trotzdem habe sie ab und zu gezweifelt, ob sie sich zu viel zugemutet habe. Dank mentaler Vorbereitung und einer motivierenden Musik-Playlist auf den Ohren habe sie es aber durchgezogen.

Glück hat ihr auch die österreichische Wasserpolizei gewünscht, die sie von einem Boot aus grüsste. «Dabei gab es so hohe Wellen, dass ich beinahe vom Brett gestürzt wäre», sagt Meral Akyol. Die Polizisten hätten sich danach für ihre gut gemeinte Störaktion entschuldigt. Auch die letzten Kilometer waren für die Lindauerin nicht einfach:

«Der Wind drehte und kam von Südost, ich musste noch einmal alle Kraft aufwenden.»
Glücklich, aber müde kam Meral Akyol abends in Bregenz an.

Glücklich, aber müde kam Meral Akyol abends in Bregenz an.

Bild: PD/Marvin Peter/Surfschule Lindau/Adfunture Outdoor GmbH

Der Aufwand hat sich gelohnt, Meral Akyol hat als erste Frau den Bodensee auf einem Stand-up-Paddle durchquert. Jetzt wolle sie sich erst einmal erholen. Sechs Monate lang hat sie sich auf die Bodensee-Überquerung vorbereitet und ging dafür vier- bis fünfmal in der Woche auf dem Bodensee paddeln. Krafttraining habe sie keines gemacht. Mit Stand-up-Paddling hat Akyol vor zwei Jahren begonnen. Steht sie nicht auf dem Wasser, arbeitet sie als Life-Coach und Grafikdesignerin. Auf dem Brett spüre sie eine innere Ruhe:

«Ich bin diesem Sport regelrecht verfallen, für mich ist es wie Spazierengehen auf dem Wasser.»

Den Rekord für die schnellste Überquerung hält seit 2019 der Ostschweizer Dario Aemisegger, der in Speicher lebt. Er brauchte von Bodman-Ludwigshafen nach Bregenz zehn Stunden und sechs Minuten.

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