Altes und neues Testament
Leidenschaft für die Heilige Schrift: Die umfangreiche Bibelsammlung des Theologen Thomas Markus Meier lässt sich in Frauenfeld besichtigen

Am Anfang seiner Sammlung stand eine Geschichte über zwei Eselinnen. Thomas Markus Meier, katholischer Theologe und Pastoralraumleiter der Pfarrei St.Anna Frauenfeld, pflegt ein aussergewöhnliches Hobby. Er sammelt Bibeln. Ein auf einer Auktion ersteigertes Exemplar kann auch mal 5000 bis 10'000 Franken kosten.

Claudia Koch
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Thomas Markus Meier zeigt das Leporello des Buches Samuel der durchwegs illustrierten Wiedmann-Bibel.

Thomas Markus Meier zeigt das Leporello des Buches Samuel der durchwegs illustrierten Wiedmann-Bibel.

Bild: Claudia Koch

Was für ein Glück. Wäre Thomas Markus Meier nicht vor drei Jahren als Pastoralraumleiter nach Frauenfeld gekommen, hätte er seine umfangreiche Bibelsammlung unbeachtet in einem Keller unterbringen müssen. Er machte der Kirchenvorsteherschaft den Vorschlag, seine Sammlung nach Frauenfeld als Dauerleihgabe zu zügeln. Und siehe da: In einem wenig genutzten Raum im Pfarreizentrum hat die Sammlung vorläufig einen geräumigen, hellen Platz gefunden.

«Wenn ich eine Führung mache, kann eine Wand geöffnet werden, was gerade in der aktuellen Zeit von Vorteil ist.»

Das sagt Meier. Das massgefertigte Büchergestell scheint wie gemacht für diesen Raum. «Das ist wie eine Fügung von oben», sagt der Theologe. Ein gemütlicher Sessel und weitere Sitzgelegenheiten laden dazu ein, sich in eine der teilweise aufwendig gefertigten Bibeln zu vertiefen.

Eselgeschichte als Auslöser

Die Illustrationen in der Bibel waren auch der Grund für die Sammelleidenschaft. Oder besser gesagt: das Fehlen einer Illustration. Meier schrieb bei einer früheren Tätigkeit jeweils das Krippenspiel selber und thematisierte darin etwa die Herbergssuche oder die Heiligen Drei Könige. Die Kinder durften ihre Wunschrolle zuvor anmelden.

«Einmal war die Rolle des Esels sehr gefragt. So machte ich mich in der Bibel auf die Suche nach erzählbaren Eselgeschichten.»

So erklärt es Meier. Dabei stiess er auf die Geschichte von Saul, der mit seinem Knecht zwei Eselinnen suchen sollte und vom Propheten Samuel zum König gesalbt wurde. Eine Illustration dazu fand er jedoch in keiner Bibel. Doch ihm fiel auf, wie viele unterschiedliche Bibelillustrationen es gibt. Meier sagt dazu: «Ich bin nicht nur Konsument, sondern auch Produzent, der selber Bibelillustrationen malt.» Von da an war seine Leidenschaft für Bibeln, besonders für die Illustrationen, geweckt.

Geschichte hinter jeder Bibel

Da es sich dabei um ein kostspieliges Hobby handelt – ein Faksimile kann zwischen 5000 und 10'000 Franken kosten – ist Meier stets mit wachen Augen und Ohren unterwegs. Bei Auktionen oder spezialisierten Verlagen wird er oftmals fündig. Eine Radiosendung vor ein paar Jahren zum Thema Heilige Schrift trug ihm einige Telefonate ein, die dann in eine Schenkung mündeten.

Vielfalt an Bibeln

Die Sammlung von Thomas Markus Meier ist in drei Themenkreise aufgeteilt: Bibelübersetzungen, Kunstbibeln und illustrierte Bibeln. Letzte machen den grössten Part aus und reichen von aufwendigen Faksimiles bis hin zu zeitgenössischen Comics. Kunstbibeln gibt es etwa mit Bildern von Chagall oder Rembrandt, aber auch als Gesamtwerk illustrierte von Salvador Dalí und Rosina Wachtmeister. (clk)

Hinter jeder Bibel, die entweder einen schön gefertigten Einband, speziell gefärbte Blätter oder besondere Druckfarben aufweist, steht somit eine eigene Geschichte. Diese gibt Meier gerne an seinen Führungen an interessierte Leute, wie kürzlich dem Frauenfelder Stadtrat, weiter. Die Illustration der verschwundenen Eselinnen hat Meier doch noch gefunden: in einem Buch über christlich antike Buchkunst. Die Eselszene ist gar die älteste Buchmalerei, die es überhaupt gibt.

Weitere Informationen zur Bibelsammlung und zur Buchung von Führungen unter www.kath-frauenfeldplus.ch/Bibelsammlung