Inkwil

Wesa AG in Inkwil setzt auf Produktion komplexer Kunststoffteile

Wesa-Geschäftsführer Ron Ramel will sich auch künftig erfolgreich den Konjunkturzyklen stellen. Felix Gerber

Wesa-Geschäftsführer Ron Ramel will sich auch künftig erfolgreich den Konjunkturzyklen stellen. Felix Gerber

Millionenfach verlassen Kunststoffteile die Fabrik in Inkwil. Die in dritter Generation geführte Wesa AG kann sich dank der Spezialisierung auf hochpräzise Komponenten behaupten.

Die Lage ist idyllisch, nahe am See, Blick übers Mittelland auf die Jurahöhen, viel Grünfläche: Überraschenderweise steht an der Aegelseestrasse 2 in Inkwil aber kein Einfamilien- oder Ferienhaus, sondern ein mittelständischer Betrieb, wie es ihn zu Hunderten gibt in der Region Solothurn-Oberaargau. Beim Rundgang durch die Fabrikhalle fällt der Geruch nach «verbranntem» Kunststoff auf und es ist sofort klar, was die 40 Mitarbeitenden herstellen. Die 1945 gegründete Wesa AG hat sich spezialisiert auf die Herstellung von kleinen Spritzgussteilen aus Thermo- und Duroplast.

«Auf mehr als 60 Spritzgiessmaschinen produzieren wir Kunststoffteile für die unterschiedlichsten Branchen», erläutert Ron Ramel, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt. Das auf 250 bis 400 Grad erhitzte Granulat wird mit hohem Druck in die Werkzeugformen gespritzt. Diese pressen den Rohstoff mit einer Schliesskraft von 15 bis 100 Tonnen in die gewünschte Form. Auf einem Förderband werden die fixfertigen Teile transportiert und in Behälter geleert. Die meisten Anlagen laufen vollautomatisch im 24-Stunden-Betrieb.

Nur selten Millionenhöhe erreicht

«Wir haben uns auf die Produktion von qualitativ sehr anspruchsvollen und hochpräzisen Kleinteilen konzentriert», sagt Ramel und nimmt mit der Fingerkuppe als «Beweisstück» ein Minizahnrad auf. Es ist kaum sichtbar und wiegt 0,004 Gramm. Das Maximalgewicht der bearbeiteten Teile liegt bei 100 Gramm. Dahinter steckt das Erfolgsrezept der Wesa AG, die ursprünglich mit dem Bau von Modelleisenbahnen berühmt wurde (siehe Kasten). «Wenn wir 08/15-Kunststoffteile in Grossserien herstellen würden, wären wir gegenüber der ausländischen Konkurrenz viel zu teuer», berichtet Ramel. Deshalb sei Wesa spezialisiert auf kleinere Serien, die nur selten Millionenhöhe erreichten. «Denn an einer Produktion von 5000 Stück eines Teils sind die Chinesen nicht interessiert», sagt er lachend.

Um die Qualität zu garantieren, beginnt die Arbeit der Wesa schon bei Beginn des Produktionsablaufs. «Wir stellen sämtliche Werkzeuge für die Produktion in unserer Werkzeugmacherei selbst her.» Das ermögliche eine hohe Flexibilität bei den Kundenwünschen und die direkte Einflussnahme auf die Qualität im späteren Produktionsprozess. Inzwischen lagern bei der Wesa weit über 1000 unterschiedliche Werkzeugformen, einige seien seit 1972 im Einsatz. Den weitaus grössten Teil an den Umsatz liefert aber die Produktion der Teile, erläutert der Unternehmer. Zahlen gibt der Familienbetrieb nicht bekannt.

Neu auch Medizinaltechnik

Unter den belieferten Branchen sticht eine besonders hervor. Der Elektroapparatebau ist mit einem Umsatzanteil von 70 Prozent die grösste Kundengruppe. Kein Klumpenrisiko? «Doch», sagt Ramel. «Der hohe Anteil ist historisch durch die langjährige Zusammenarbeit mit der Oltner EAO AG entstanden, die Taster und Schalter herstellt.» Deshalb würden nebst der Maschinenindustrie, Ventiltechnik oder Lineartechnik neue Branchen gesucht, beispielsweise die Medizinaltechnik. Bereits heute beliefert Wesa den Hörgerätehersteller Sonova (frühere Phonak) mit zahlreichen Kleinstteilen oder den Nähmaschinenhersteller Bernina mit «Nähfüssli» aus Kunststoff.

Den direkten Exportanteil beziffert Ramel auf etwa fünf Prozent. «Indirekt über die Schweizer Abnehmer gehen aber praktisch 100 Prozent unserer Produktion ins Ausland.» Deshalb werde der Druck wegen des starken Schweizer Frankens von den Kunden auch auf seine Firma weitergegeben.

Einbruch bei Bestellungen

Das vergangene Geschäftsjahr sei bis auf die letzten drei Monate ein gutes Jahr gewesen. «Im vierten Quartal kam es zu einem starken Einbruch bei den Bestellungen.» Dagegen sei das laufende Geschäftsjahr wiederum sehr gut angelaufen. Sein Fazit: «Die Nachfrage ist sehr massiven und rasanten Wechseln ausgesetzt. Die Berge werden höher, die Täler tiefer.» Deshalb seien zuverlässige Prognosen über den Geschäftsverlauf praktisch unmöglich geworden. Schlecht in Erinnerung ist Ron Ramel das Krisenjahr 2009. «Die Aufträge waren stark eingebrochen. Aber es ist gelungen, die schwierige Phase ohne Kurzarbeit und ohne Stellenabbau zu überstehen. Einzig frei werdende Stellen haben wir nicht ersetzt.»

Der 45-jährige Unternehmer glaubt trotz vieler Unsicherheiten weiter an den Betrieb. «Das Unternehmen soll in Familienhand bleiben.» Das war schon immer so. Ramel, gelernter Polymechaniker und studierter HTL-Maschineningenieur, ist 2004 nach einem langen Aufenthalt in Kanada bewusst mit seiner Familie in die Schweiz zurückgekehrt, um das Unternehmen von seinem Vater und zwei Onkeln zu übernehmen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1