Wanderimker

Wanderimker Marco Paroni sucht die schönste Blust

Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen.  Fotos: ama Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen.  Fotos: ama Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen. Fotos: ama

Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen. Fotos: ama Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen. Fotos: ama Marco Paroni (61) möchte aufs Alter das Imkern ausbauen. Fotos: ama

Marco Paroni zieht mit seinen Bienenvölkern dem Frühling hinterher. Ist der Blütenstand im Mittelland vorbei, wandert er mit seinen 100 Bienenvölkern ins Tessin zu den Kastanienwäldern und in die Höhe, ins Berner Oberland.

Marco Paroni steht im Garten seines Bauernhauses in Heimenhausen. Um ihn herum schwirren Bienen. Sie fliegen aus Kästen, die wie kleine Häuser aussehen, ein und aus. Davon unbeeindruckt öffnet Paroni den Deckel einer dieser Boxen. Mit einem Rauchmacher bläst er zwei-, dreimal hinein – zum Beruhigen, wie er betont. Im Innern der Kästen sind senkrecht angeordnete Rahmen. Im schmalen Zwischenraum kleben unzählige Bienen. Sie gehen ihren Aufgaben nach: Brüten Nachwuchs aus oder verarbeiten Pollen und Nektar.

Statt in Bienenhäusern hält Paroni seine Bienen in Magazinboxen. Diese sind für ihn praktischer, denn mit seinen rund 100 Völkern wandert er. Über den Winter und im Frühling sind die Bienen im Oberaargau. Ist der Blütenstand – im Fachjargon Tracht – im Mittelland vorbei, wandert er mit den Bienen ins Tessin zu den Kastanienwäldern und in die Höhe, ins Berner Oberland oder in die Freiburger Alpen. Ist die Blütezeit dort ebenfalls vorüber, kommen die Völker wieder in den Oberaargau.

Verfrühter Flug der Bienen

In diesem Jahr sind die Bienen verfrüht am Fliegen. Rund drei Wochen, schätzt Paroni. Den frühen Frühling hat er als Imker nicht gerne, zu gross ist die Gefahr von Frost. Erfrieren werden die Bienen deswegen zwar nicht, doch die Blüten gehen kaputt, womit die Nahrung der Bienen fehlt. Auch der fehlende Niederschlag bereitet ihm Sorgen. «Es fehlt die Feuchtigkeit für den Aufbau einer guten Waldtracht.» Ganz im Gegensatz zum Vorjahr. Damals kam der Frühling sehr spät und war nass. «Dadurch hatten wir eine unwahrscheinlich gute Frühlings- und Waldtracht», so Paroni.

Von der guten Tracht ist Paroni aber weniger abhängig als die Standortimker mit einem festen Bienenhaus. Ist die Tracht an einem Ort schlecht, oder zu Ende, schliesst er abends seine Magazine, packt sie auf seinen Pick-up und fährt frühmorgens zu einem neuen Standort. Bei Sonnenaufgang öffnet er die Klappe, die Bienen schwärmen aus. «Es ist faszinierend: Die Bienen machen einen Orientierungsflug und sind eine halbe Stunde später mit Pollenhösli zurück.» Die Bienen fliegen riesige Flächen ab, zum Teil mit bis drei Kilometer Radius. Maximal eineinhalb Monate lässt Paroni die Bienen an einem Standort, bis die Blütezeit vorbei ist.

Stets auf der Suche nach Trachten

Die Wanderimker sind jedoch nicht überall gern gesehen. Manche Imker haben das Gefühl, diese brächten Krankheiten oder nähmen ihnen den Nektar weg. «Ich habe aber sehr gute Erfahrung gemacht», betont Paroni. Spürt er, dass er an einem Ort unerwünscht ist, zieht er weiter. Die Bauern würden ihn oft mit Freude aufnehmen. «Als Dank gebe ich ihnen jeweils Honig. Und zwar nicht nur gerade ein Kilo.» Paroni ist seit bald vierzig Jahren als Imker tätig. In dieser Zeit konnte er sich einige Standplätze aufbauen. Geholfen hat ihm, dass er Verwandte im Berner Oberland und im Tessin hat. Sein älterer Bruder lebt in Saanen, sein Vater stammt ursprünglich aus dem Tessin.

Manchmal muss Paroni aber auch spontan einen neuen Stellplatz für die Bienen suchen, vor allem wenn das Blütenangebot knapp ist. «Ich achte darauf, dass ich meine Magazine nicht unmittelbar neben einem Bienenhaus platziere. Doch wenn es eine sehr gute Tracht gibt, ist das Angebot so gross, dass ein weiteres Bienenvolk keinen Einfluss hat.» Wichtig sei vor allem das Gespräch mit den anderen Imkern. «Ein Wanderimker hat als Letzter das Interesse, mit kranken und geschwächten Tieren zu reisen», sagt Paroni, der im Oberaargau auch Bieneninspektor ist.

Sortenhonig durchs Wandern

Zum Imkern kam Paroni über seinen Bruder. Zusammen halfen sie einem älteren Imker und erlernten so das Handwerk. «Die Materie hat mich fasziniert: das Bienenvolk, das sowohl als Einzelwesen aber auch als Kollektiv funktioniert.» Davon angesteckt hat der gelernte Sanitär- und Heizungsmonteur inzwischen auch seine Frau Esther. Sie übernimmt Verarbeitung und Vertrieb des Honigs. Paroni hat als Standortimker begonnen. Doch für ihn war schnell klar, dass er Wanderimkerei sein möchte. «Das kommt auch in der Natur vor. In Afrika gibt es wild lebende Bienen, die ziehen.» Nicht zuletzt kann Paroni durchs Wandern Sortenhonig wie den Kastanien- den Bergblüten oder den Waldhonig herstellen. Auch für die Tiere sei das Wandern ideal. «Im Mittelland gibt es nach dem Frühling eine Lücke. Die Tiere finden dann zu wenig Nahrung.»

Wegen des Nahrungsangebots schwirren in Paronis Garten derzeit auch nur wenige Bienen. Hauptsächlich zur Aufzucht. Die anderen sind im Oberaargau bei Trachten verteilt. Paroni zieht einen Rahmen mit Waben hervor. Unter den Bienen fällt eine etwas grössere auf, mit grünem Punkt auf dem Kopf. «Die Königin», sagt Paroni. Kurz darauf setzt er den Rahmen sorgfältig wieder ein und den Deckel aufs Magazin. Schliesslich will er die Bienen nicht länger als nötig stören.

Paronis Honig gibt es direkt im Hofladen, in der Landi Buchsi und im Biofachhandel.

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