Polsterei

Langenthaler Polsterei bleibt altem Handwerk treu

Teamarbeit in der Werkstatt (v.l.): Belmiro Marques (Mitarbeiter), Hanspeter Erlacher und Peter Erlacher. Felix Gerber

Teamarbeit in der Werkstatt (v.l.): Belmiro Marques (Mitarbeiter), Hanspeter Erlacher und Peter Erlacher. Felix Gerber

Die Erlacher GmbH restauriert nicht nur Möbel, sondern stellt auch eine eigene Polstermöbellinie her. Ferner wächst die Objektmöblierung zu einem wichtigen Standbein heran. So konnten rund 1870 Tische für den Synthes-Neubau in Zuchwil bezogen werden.

In der Polsterei Erlacher GmbH in Langenthal lebt ein altes Gewerbe weiter. Ob Biedermeier-Sofa, moderner Ledersessel oder stoffbezogener Stuhl: Die Polstermöbel werden im schmucken Neubau in der Industriezone Wolfhusenfeld zu neuem Leben erweckt. In einem ersten Arbeitsschritt trennen die spezialisierten Fachkräfte die alten Bezüge aus Leder, Stoff, Alcantara oder Kunstleder sauber ab. Nach anschliessend gezeichneten Schablonen wird das neue Material zum Neubezug zugeschnitten. Die Füllungen des alten Möbels werden ersetzt. Auf speziellen Maschinen oder von Hand wird genäht und die Möbel neu bezogen.

Patron und Firmengründer Peter Erlacher und sein Sohn Hanspeter Erlacher als designierter Nachfolger sind sichtlich stolz auf die geleistete Handarbeit. Nach dem «Service» sind die Sofas oder Fauteuils wieder wie neu, sagen beide und zeigen beim Rundgang durch die Werkstatt einige schöne Exemplare. «Wir bereiten mit unserer Arbeit vielen Menschen eine Freude. Denn oft handelt es sich bei den restaurierten Objekten um Erb- oder Lieblingsstücke», weiss Peter Erlacher aus Erfahrung. Und das muss den Kunden und Kundinnen einiges wert sein. Kostet doch eine Restaurierung rasch einige tausend Franken.

Nischenmarkt

Die Erneuerung von Polstermöbeln sei das Hauptgeschäft des Familienbetriebes. «Rund 60 Prozent unseres Umsatzes entfallen auf diese Sparte», erklärt Hans-peter Erlacher.

Rund 20 Prozent erwirtschaftet die Erlacher GmbH mit dem Verkauf von Polstermöbeln der eigenen Möbellinie «Stega» (siehe Kasten). «Diese Möbel werden von uns entworfen und in unserer Werkstatt von A bis Z gefertigt.» Und damit bewegen sich die Langenthaler als Schweizer Hersteller in einem Nischenmarkt. Peter Erlacher illustriert dazu mit einigen Zahlen den grossen Strukturwandel, den die Schweizer Polstermöbelindustrie hinter sich hat. 1970 habe es in der Schweiz noch 23 grosse Polstermöbelhersteller gegeben, heute seien es nur noch drei grössere. Insgesamt wurden 1950 für 5 Millionen Franken Möbelstücke (alle Möbel) eingeführt, was einem Importanteil von 7 Prozent entsprach. Heute betragen die Importe, so Erlacher, rund 3,2 Milliarden Franken, was einem Anteil von 94 Prozent entspricht.

Dass sich die Eigenfabrikation trotz der übermächtigen Konkurrenz aus dem Ausland lohnen kann, liege im wichtigsten Verkaufsargument: Made in Switzerland. Der Kunde könne in der Werkstatt «live» zuschauen, wie das Sofa oder der Sessel Schritt für Schritt entsteht. Möbelgeschäfte im Grossformat wie Ikea seien keine direkte Konkurrenz. «Wir sprechen mit unseren Produkten eine ganz andere Kundschaft an.»

Gegen viele Bewerber durchgesetzt

Nebst den beiden angestammten Geschäftsbereichen wird die Objektmöblierung immer wichtiger. «Wir entwickeln Polstersofas, Sessel, Eckbänke, Stühle, Barhocker bis zu Wandbespannungen und Korpusse für Restaurants, Hotels, Spitäler, Altersheime oder Eingangshallen», erläutert Hanspeter Erlacher. Einen Prestigeauftrag haben sich die Langenthaler im vergangenen Jahr geangelt. Für den Europahauptsitz des Medtech-Konzerns Synthes in Zuchwil konnte Erlacher 1870 Tische, Beistellwagen und Druckerwagen mit Rindsleder beziehen, das heisst vollflächig verkleben. «Dazu haben wir 5400 Quadratmeter Leder verarbeitet, was 1018 Rindshäuten entspricht», sagt Erlacher junior mit Stolz. Man habe sich gegen viele Mitbewerber durchsetzen können.

Aktuell sei der Betrieb gut ausgelastet. Umsatzzahlen gibt der Familienbetrieb aber keine bekannt. Während die Wirtschaftskrise 2008/09 praktisch spurlos am Langenthaler Unternehmen vorbei-gegangen sei, spüre man nun doch die herrschende Verunsicherung über die weitere Konjunkturentwicklung. «Wir können zwar viele Offerten verfassen, aber die Kunden stellen teilweise ihre Möbelwünsche zurück.»

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