Eine Behördenposse, wie sie schöner nicht sein könnte, hat ihr vorläufiges Ende genommen: das Hin und Her zwischen der Einwohnergemeinde Wangen an der Aare und dem Kanton Bern um das ehemalige Pfarrhaus von Wangen.

Nun hatten die Einwohner von Wangen genug, an der Gemeindeversammlung sagten sie deutlich Nein zu einem neuerlichen Kauf: 157 Nein zu 32 Ja. Wie sehr das Geschäft mobilisieren konnte, zeigte sich am Montagabend. Der Saal im Salzhaus war so voll wie schon lange nicht mehr, praktisch jeder Stuhl war besetzt. Und nach der Abstimmung – welche auf Antrag geheim erfolgte – klatschten die Wanger frenetisch.

Vorausgegangen waren engagierte Voten aus der Versammlung: «Wir müssen uns fragen, ob wir dieses Haus geschenkt entgegennehmen würden, wenn wir über die Folgekosten Bescheid wüssten», sagte Samuel Grunder, Fürsprecher und früherer Gemeinderat.

Es gebe zu viele Ungewissheiten, beispielsweise sei das Dach energetisch nicht saniert. Für Manfred Schaffer, Präsident der FDP Wangen, ist es nicht Aufgabe der Gemeinde, ein solches Haus zu kaufen und zu vermieten. «Das Haus wird auch so durch die Denkmalpflege geschützt sein», entkräftete er ein Argument des Gemeinderates für den Kauf.

Zurück auf Feld eins

Da half es auch nichts, dass Gemeindepräsident Fritz Scheidegger den Pfarrhauskauf für 390000 Franken plus die 90000 Franken für Sanierungsarbeiten als eine gute Gelegenheit anpries. Während der Diskussion sanken die Mundwinkel des Gemeindepräsidenten je länger, je tiefer, seine Hoffnung schien mit jedem Satz der Gegner zu schwinden.

«Es ist schade, wir hätten das Pfarrhaus gewollt», äusserte sich Scheidegger nach der Versammlung. Doch er sei froh, dass der Entscheid deutlich gefallen sei und nicht wie vor einem Jahr mit lediglich vier Stimmen Differenz. «Nun haben wir im Gemeinderat etwas weniger Arbeit», fand Scheidegger zudem einen positiven Aspekt.

Für die Gemeinde ist das Kapitel Pfarrhaus nun abgeschlossen. Das Pfrundland für den Kaufpreis von 150000 Franken wird sich der Gemeinderat trotzdem sichern, dies liegt in seiner eigenen Kompetenz.

Der Kanton Bern muss jedoch wieder von vorne mit der Käufersuche fürs Pfarrhaus beginnen, wobei er die Schuld ein Stück weit selber trägt. Denn als vor einem Jahr die Einwohnergemeinde dem Kauf knapp zustimmte, verunmöglichte der Kanton selber das Geschäft.

Für das Land, welches damals mit dem Haus zusammen verkauft werden sollte, wollte er nachträglich plötzlich 150000 statt wie vereinbart 20000 Franken, deshalb brauchte es erst diese neuerliche Abstimmung. Doch da hatte der Kanton die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Angeboten hatte der Kanton Bern das Pfarrhaus auch der Kirchgemeinde von Wangen an der Aare. Diese hat den Kauf aber bisher abgelehnt. «Die Absage der Einwohnergemeinde werden wir im Kirchgemeinderat diskutieren», sagt Fritz Bangerter, Präsident der Kirchgemeinde, auf Anfrage.

Ob der Kanton von sich aus wieder an die Kirchgemeinde gelangt, konnte gestern niemand beantworten. «Wir müssen die Situation neu analysieren und beurteilen», schrieb Mediensprecher Gerhard Ammann lediglich.

Häusler an Miete interessiert

Verlierer der Posse ist Marc Häusler. Der stellvertretende Regierungsstatthalter hatte mit der Gemeinde bereits einen Vormietvertrag unterzeichnet. Nach dem Nein zum Kauf ist dieser hinfällig geworden. «Nun werde ich beim Kanton anfragen, ob eine Vermietung dennoch möglich wäre», sagt Häusler auf Anfrage. Dies stehe gemäss Ammann beim Kanton allerdings nicht im Vordergrund.

Häusler schliesst einen Kauf ebenfalls nicht aus: «Das müsste man aber genau anschauen.» Mit dem Kanton habe er noch keinen Kontakt aufgenommen. Zu welchem Preis man das Pfarrhaus an eine private Käuferschaft veräussern würde, konnte Ammann gestern noch nicht sagen. Klar ist aber, dass dieser deutlich höher wäre als der Vorzugspreis für die Gemeinde von 390000 Franken.