Zugegeben, auf dem Papier klingt das diesjährige Fasnachtsmotto der Wiedlisbacher eher langweilig: «Das isch Heimat» - das Thema scheint auf den ersten Blick wenig Spielraum für Kostüme und Wagenbauten zu geben.

Doch wie die Fasnächtler dieses Motto umgesetzt haben, zeugt von grosser Kreativität. Das Städtli verwandelt sich an diesem bewölkten Sonntagnachmittag in einen Ort der Schweizer Tradition und des Brauchtums, aber auch neue Errungenschaften kommen nicht zu kurz, mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Denn schliesslich ist Fasnacht.

Von Pingu bis M-Budget

Da sind etwa diese Pinguine, oder Pingus, Dutzende von ihnen, watscheln durch die Gasse, verteilen Täfeli oder beschiessen die Schaulustigen mittels Konfettikanone. Die befindet sich oben auf dem gigantischen fahrenden Eisberg, bewacht von einem grimmig tanzenden Eisbären. Von dort herab führt nur eine lange Rutsche. Zwar liegt der Südpol nicht in der Schweiz, aber zumindest ist die bekannte Trickfilmserie Pingu heimisch.

Heimat ist aber auch die Migros-Marke M-Budget - zumindest glaubt das die Fasnachtsclicke Buchsi Önz. In einem überdimensionierten Einkaufswagen stellen sie all die grün-weissen Produkte zur Schau, die das Billigsegment anzubieten hat - und noch einige selbsterfundene mehr. Ob Gottlieb Duttweiler wirklich in diesem Einkaufswagen geboren wurde, wie die Wagenbauer behaupten, sei dahingestellt.

Ein Miststock weckt Gefühle

Auch die Besucher haben sich das Motto zu Herzen genommen, erscheinen als Älpler, wie die Kindergärtler oder Primarschüler im Umzug. Ein Pilot der ehemaligen Swissair mischt sich mit seiner Stewardess unter die Menge, ebenso wie Kühe, Käser, Milchmänner.

Selbst ein Miststock soll heimische Gefühle wecken, zur Schau getragen in einer Schubkarre, garniert mit roten, blauen und weissen Rosen. Einzig eine Gugge fällt in diesem Heimatwerk gänzlich aus dem Rahmen: die Bohème-Musig aus Olten. Ein bisschen Ire, etwas Schotte, den Schwedenkleber an der Tuba - nein, schweizerisch ist das nicht.

Selbst Grössen wie Didier Cuche, Polo Hofer, Ueli Maurer und Roger Federer finden den Weg nach Wiedlisbach - zumindest aufgemalt an einem Umzugswagen. Genauso wie ein paar Klone des genialen Physikers Einstein. Das isch Heimat.