Fünf der noch sieben Frauen haben den Rücktritt erklärt und lassen sich nur noch als Stadtführerin «in Zivil» engagieren. Chef-Stadthostess Therese Wyss und noch eine Anhängerin sind nach der Auseinandersetzung mit Tourismusdirektor Jürgen Hofer übrig geblieben. «Ich habe keine Ahnung, was Frau Wyss macht», meinte dieser auf ihre künftige Rolle angesprochen.

Keine Zweiklassengesellschaft

Im Weiteren bestätigt Hofer lediglich, dass mit dem Rücktritt der fünf Hostessen «Ruhe eingekehrt ist». Und seine Anliegen, die ursprünglich das Konfliktpotenzial gebildet hatten, umgesetzt seien. Einerseits stellte sich Hofer nach seinem Amtsantritt 2009 auf den Stadtpunkt, dass es nicht zweierlei Kategorien Stadtführerinnen geben sollte, «es war mir ein grosses Anliegen, die Leute zusammenzubringen. Denn es war schon speziell, das zwei Sorten Leute das Gleiche machen».

Diese Zusammenführung sei jetzt erfolgt, genauso wie die Einführung des aus dem Stadthostessen-Kreis kritisierten elektronischen Reservationssystems für die Stadtführungen. «Damit sind die Reservationen transparenter geworden, und wir können schneller auf Anfragen reagieren», streicht der Direktor von Region Solothurn Tourismus die Hauptvorteile des neuen Systems heraus. Mehr Effizienz bei den Stadtführungen ist für Hofer das eine, die Qualitätssicherung das andere. «Neu besteht ein Weiterbildungsprogramm mit einem Kurs einmal im Jahr, der für alle Stadtführerinnen und Stadtführer verbindlich ist.

Dabei werden sie durch die Denkmalpflege auf den neuesten Stand der Dinge gebracht.» Dagegen betont Therese Wyss, dass sie und ihre Kolleginnen sich stets freiwillig und ohne Entgelt weitergebildet hätten. Zudem möchte Jürgen Hofer die Vermarktung der Stadtführungen weiter fokussieren. «Wir überprüfen, welche Führungen am meisten nachgefragt werden und setzten entsprechende Schwerpunkte im Programm.» Mit der Abklärung der Kundenbedürfnisse «sehen wir auch, wo es Sinn macht, neue Führungen zu erarbeiten und anzubieten», meint der Tourismusdirektor.

«Im Moment gibt es sie noch»

Stadtschreiber Hansjörg Boll will an Anlässen wie der HESO weiterhin auf die Stadthostessen zurückgreifen: «Im Moment gibt es sie noch. Und bei Bedarf wende ich mich an Therese Wyss. Sie bleibt meine Ansprechpartnerin.» Sollten die zwei verbliebenen Hostessen nicht ausreichen, müsse man sehen, ob sich zusätzliche Personen rekrutieren liessen.

Immerhin seien die offiziellen Empfänge mit solchen Einsätzen – Stadthostessen hatten schon Gäste wie François Mitterrand oder Lech Walesa durch Solothurn begleitet – stark zurückgegangen. Die Stadt hat mit den Stadthostessen respektive deren Uniform-Sponsorin, der Zaunfirma Wyss, einen Zehnjahresvertrag, gültig bis 2014, einzuhalten. Dagegen habe Region Solothurn Tourismus laut Boll die Leistungsvereinbarung mit der Stadt betreffend den Hostessen-Einsatz gekündigt.

Therese Wyss und ihre Kollegin wollen sich zu den Austritten nicht äussern. Die fünf ehemaligen Hostessen hätten wohl vor allem weiter für Stadtführungen berücksichtigt werden wollen. «Das möchten wir auch, und wir können auch direkt gebucht werden», betont Therese Wyss. Aber auch die Hostessen-Funktion würden sie und ihre Kollegin weiter ausüben.