Industrieunternehmen

Fischer Precise setzt voll auf Herzogenbuchsee

Tobias Moser, Geschäftsführer der Fischer AG: «Unsere Spindeln sind das Herzstück einer Werkzeugmaschine.» Hanspeter Bärtschi

Tobias Moser, Geschäftsführer der Fischer AG: «Unsere Spindeln sind das Herzstück einer Werkzeugmaschine.» Hanspeter Bärtschi

Das Industrieunternehmen Fischer Precise in Herzogenbuchsee hat Grosses vor. Der traditionsreiche Familienbetrieb erstellt einen Neubau, um die Fertigung von Präzisionsspindeln auszubauen. Das sei ein Bekenntnis zum hiesigen Werkplatz, heisst es in «Buchsi».

Wie viele andere exportorientierte Industriefirmen in der Region musste sich auch die Fischer-Precise-Gruppe entscheiden: Wollen wir angesichts des starken Frankens weiterhin in der Schweiz produzieren oder die Fertigung ins Ausland verlagern? Für das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Herzogenbuchsee war die Fragestellung auch deshalb nicht abwegig, weil es bereits über Produktions- und Montagestandorte in Deutschland und in den USA verfügt.

Die Antwort sei klar zugunsten von Herzogenbuchsee ausgefallen, erklärt Tobias Moser, Geschäftsführer der Fischer AG, dem Mutterhaus der Fischer-Precise-Gruppe (siehe Kasten). Dabei stellt er klar, dass die Strategie vom Patron und Firmeninhaber Roland Fischer vorgegeben wird. Zwar sei der Konkurrenzdruck im globalen Markt extrem hart, aber mit dem Festhalten am Standort Schweiz seien auch Vorteile verbunden. Gerade im Kampf mit Mitbewerbern. Moser nennt die Nähe zur Entwicklung, die hohe Qualität sowie die motivierten und engagierten Fachkräfte. «Dadurch können wir unsere Kernkompetenzen für die Entwicklung und Fertigung der Präzisionsspindeln hier behalten.»

Sozusagen als Tatbeweis berichtet der 35-jährige Geschäftsführer über die jüngsten Pläne. «Wir wollen unsere Fertigung ausbauen. Dazu erstellen wir in Herzogenbuchsee eine neue zweistöckige Halle mit einer Länge von 52 Metern und einer Breite von 30 Metern.» Damit wird die bestehende Produktionsfläche um rund 3000 Quadratmeter erweitert. Das Baugesuch sei eingereicht und im Laufe des kommenden Jahres soll die Halle «in Betrieb gehen». Das sei sozusagen ein Geburtstagsgeschenk zum 75-jährigen Bestehen der Firma. Das Investitionsvolumen liegt in Millionenhöhe.

Der Entscheid dürfte nicht leicht gefallen sein. Denn die Wirtschaftskrise und der Eurozerfall führten 2009 und 2010 bei der Fischer AG zu einem massiven Umsatzeinbruch. «Wir mussten Arbeitsplätze abbauen und Kurzarbeit einführen», blickt Tobias Moser zurück. Auch aktuell sei der Wechselkurs für ein Unternehmen mit einem Exportanteil von 75 Prozent weiterhin ein grosses Problem. «Aber wir klagen nicht mehr, sondern passen uns den Gegebenheiten an mit Effizienzprojekten über sämtliche Arbeitsprozesse hinweg.» Inzwischen habe sich der Geschäftsgang deutlich erholt. Sowohl umsatz- wie personalmässig habe man das Niveau von vor der Krise wieder erreicht. Der Umsatz der Fischer AG liege bei rund 50 Millionen Franken, jener der ganzen Gruppe bei 70 Millionen Franken. In Herzogenbuchsee arbeiten 200 Angestellte, gruppenweit beschäftigt Fischer Precise 370 Mitarbeitende.

Als Spindel-Hersteller produziert die Fischer AG das «Herzstück einer Werkzeugmaschine», erläutert Moser auf dem Betriebsrundgang. Damit die Maschinen hochpräzise schleifen, bohren und fräsen können, braucht es einen ebenso präzisen Antrieb. Fischer fertigt Spindeln mit einer Drehzahl von bis zu 400 000 Umdrehungen pro Minute und einer Leistung bis zu 150 Kilowatt. Damit die eingespannten Werkzeuge auch wirklich rund laufen, arbeitet Fischer im Tausendstel-Millimeter-Bereich. Moser betont, dass es angesichts des «harten Konkurrenzkampfes» nur dank der Qualität und der Zuverlässigkeit der Produkte möglich sei, als volumenmässig mittelgrosser Anbieter bestehen zu können. «Wir haben eine Fertigungstiefe von hohen 60 Prozent. Wir bewegen uns technologisch weltweit an der Spitze», hält der promovierte Physiker mit Management-Ausbildung stolz fest. Er leitet seit 2011 als Geschäftsführer und zuvor als Entwicklungschef die Geschicke des Stammhauses der Gruppe, der Fischer AG.

Dabei windet er Firmenpatron Roland Fischer ein Kränzchen. Seine Maxime sei nicht die Gewinnmaximierung, sondern der Erhalt und die Schaffung guter Arbeitsplätze. Dazu werde jeweils ein grosser Teil des Gewinnes in die technologische Entwicklung, den Maschinenpark und in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden gesteckt. So betreibt das Familienunternehmen mit der Fischer Engineering Solutions AG ein 16-köpfiges Forschungs- und Entwicklungsteam. Auch im Bereich der beruflichen Grundausbildung beschreitet Fischer neue Wege. Unter dem Projektnamen «Young Future» erhalten die Lernenden die Möglichkeit, ihre «eigene Firma» zu führen. Dabei sind sie verantwortlich für den ganzen Prozess – von der Produktentwicklung über die Produktion und den Einkauf bis hin zum Vertrieb (wir berichteten). Der Anteil der Lernenden an allen Beschäftigten in Herzogenbuchsee liege bei über zehn Prozent.

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