Wangen an der Aare

Die Natur arbeitete gegen die Renaturierung der Aare

Heute ist die Bucht verlandet und soll neu ausgehoben werden. ama

Heute ist die Bucht verlandet und soll neu ausgehoben werden. ama

Eine Renaturierung sollte es sein: jene Bucht, die 2003 beim Weiher Bernerschachen auf Gemeindegebiet von Wangen an der Aare ausgehoben wurde. Die Natur, genauer gesagt die Strömung des Flusses, hat die Renaturierung jedoch rückgängig gemacht.

Heute ist die ehemalige Bucht verlandet und von Schilf überwachsen. Dennoch soll sie erneut renaturiert werden. Ein entsprechendes Wasserbaugesuch liegt noch bis 6. Februar auf der Gemeindeverwaltung von Wangen auf.

«Wir haben damals die Schwebstofffracht etwas unterschätzt», sagt Toni Moser, Projektverantwortlicher bei der ausführenden Firma Scheidegger AG mit Sitz in Langenthal. Zwar wusste man, dass die Strömung Schwebstoffe mitführt, doch rechnete man damit, dass diese nicht nur rein, sondern von der Strömung auch wieder rausgetragen würden. Dafür erwies sich die Bucht allerdings als zu klein. «Zudem hatten wir im Jahr 2003 ausserordentlich grosse Hochwasserereignisse, sodass sich viele Schwebestoffe angesammelt haben.»

Mittlerweile hat man weitere Erfahrungen an ähnlichen Stellen gesammelt. «Es zeigte sich, dass eine durchströmte Bucht nicht geeignet ist», so Moser, «neu planen wir nur noch einen schmalen Einlauf flussabwärts.» Die Bucht soll ein Stillgewässer werden. Dafür wird die Auflandung entfernt und ein Damm aufgeschüttet. Bis Ende März sollen die Arbeiten ausgeführt sein.

Doch wieso wird die Bucht überhaupt nochmals bearbeitet, wo doch die Natur das Stück zurückerobert hat? Moser, der auch Präsident der Fischpacht-Vereinigung Oberaargau ist, liefert dafür die Erklärung: «Wir wollen eine Ökozone für Jungfische schaffen.» Denn in einem Stillgewässer wie der geplanten Bucht erwärmt sich das Wasser im Vergleich zum Fluss um einige Grad, sodass Fische bevorzugt dort laichen und ein Biotop für Jungfische entsteht.

Beiträge aus Renaturierungsfonds

Auch eine Verbindung zum bestehenden Weiher gleich neben der Bucht wurde bei der Projektausschaffung diskutiert. Doch dies bringe nichts. «Der Weiher wird über eine kalte Quelle gespeist und würde die Bucht wieder abkühlen, sodass sie nicht mehr wärmer wäre als die Aare», erklärt Moser. Zudem biete der Weiher ein eigenes Mikroklima.

Die Kosten für die auf rund 150000 Franken geschätzten neuerlichen Bauarbeiten werden einerseits über den Renaturierungsfonds des Kantons Bern gedeckt, zu 80 Prozent allerdings von der Alpiq Hydro Aare AG bezahlt, welche die drei Flusskraftwerke Flumenthal, Gösgen und Ruppoldingen betreibt. «Das Geld stammt aus einem Fonds für ökologische Verbesserungen», erklärt Andreas Meier, Mediensprecher der Alpiq. Der Fonds wird vom Stromerlös des mit dem «naturemade star» zertifizierten Kraftwerk Ruppoldingen gespeist. «Wir sind froh um Projekte wie die Bucht beim Bernerschachen. Ökologische Ersatzmassnahmen sind sehr gesucht», erklärt Meier.

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