«Das Feldschiessen soll den Charakter einer vaterländischen Kundgebung haben» - das steht im Reglement des Schweizer Schiesssportverbandes über das Eidgenössische Feldschiessen. Ihren Beitrag zum guten Gelingen dieses grössten Schützenfestes der Welt liefern am Wochenende auch die befreundeten Schützengesellschaften Oberbipp und Rumisberg auf dem Schiessplatz Stierenweid.

Am Samstagmittag haben bereits 32 Schützen ihr Programm absolviert. So auch der Ehrenpräsident der Schützengesellschaft Oberbipp, der 59-jährige Hans Känzig. Er ist verantwortlich für das Feldschiessen. «Dass man hier mitmacht, ist Ehrensache», sagt der Insider, der dem Verein seit 41 Jahren angehört - 31 davon als Präsident.

Känzig hat mit 65 Punkten sein obligates Kranzresultat erzielt. Zusammen mit dem 63-jährigen Ruedi Wingeier (67 Punkte, seit 30 Jahren im Vorstand) und dessen 24-jährigem Sohn Marco (58 Punkte, für die Eingangskontrolle zuständig) wird in der Festwirtschaft gefachsimpelt. Dazu gesellt sich mit der Rumisbergerin Fränzi Flückiger ein weiteres Mitglied der Schützenfamilie. Sie war neun Jahre Sekretärin und nennt Känzig liebevoll «Platzhirsch». Die Mittagspause im Schützenhaus ist vorbei. Immer mehr Schützen treffen ein und lassen sich bei der für die EDV zuständigen Natalie Ernst registrieren.

Licht ist wichtig

Nach der Waffen- und Laufkontrolle übernimmt Hans Känzig - er wird später von Ruedi Wingeier abgelöst - das Kommando. Er erklärt, wie die 18 Schuss in welcher Zeit als Einzel-, Kurz- und Schnellfeuer auf die Feldscheibe abzugeben sind. Ein interessantes Familienduell ist im Gang. Vater Urs Schneeberger (62 Punkte) und sein Sohn Nik (61) gratulieren sich danach gegenseitig zur Kranzauszeichnung. «Wenn ich den Nuller nicht gehabt hätte», sagt der Vater und weist auf den zwölften Schuss hin, bei dem er sich über den Druckpunkt nicht im Klaren gewesen sei: «Der Schuss war rechts aussen neben der Scheibe.» Die gleiche Punktzahl (62) erreicht der 18-jährige Adrian Egger mit seinem Sturmgewehr 90, der Waffe der meisten Schützen. Immer weniger schiessen mit dem Sturmgewehr 57 und dem Karabiner. Egger, der dieses und letztes Jahr den Jungschützenkurs besuchte: «Ich bin zufrieden, aber es hätte noch etwas besser sein können.»

Guter Laune ist auch der Präsident der Schützengesellschaft Rumisberg, Christian Oehrli, der mit dem ersten Schützenmeister, Hans Peter «Budi» Müller diskutiert, wann der ideale Zeitpunkt fürs Schiessen sei. Beide sind sich einig, dass dies auf dem Oberbipper Schiessplatz am Morgen und gegen Abend sei. Sie wollen daher «nicht vor 16 Uhr» eingreifen. «Damit ziehe ich die Lehre aus dem Vorjahr, wo es bei mir wegen des Wechsels von Licht und Schatten nur noch geflimmert hat», sagt Müller konsequent. Wie ist das mit dem Alkoholkonsum vor dem Schiessen? Ruedi Wingeier: «Es gibt einige Schützen, die sich ein Glas Rotwein gönnen. Bei mir ist das anders. Ich darf nichts trinken, sonst schiesse ich auf die falsche Scheibe.»

Vom Routiner zum Newcomer: Alle machen mit

Auffällig viele Junge bereiten sich bei Ablösung 21 vor. Robin Tschumi (Jahrgang 1995) schiesst auf Scheibe eins, Ayon Sollberger (1991) auf die drei, Jürg Friedli (1990) auf die fünf und André Schär (1980) auf Scheibe sechs. «Ihm hat es exakt gereicht, und er hat einen Punkt zu wenig», wird später bei der Entladekontrolle über «Glück» und «Schicksal» debattiert. Mit 66 Punkten stellt jetzt Routinier Ernst Berchtold - beobachtet von seinem 9-jährigen Sohn Patrick - sein Können unter Beweis.

In der Ablösung 23 legt sich Cornelia Weber (1982) hin. Sie beteiligt sich erstmals an einem Feldschiessen. «Der erste Schuss ist wichtig, an den Druckpunkt denken», sagt ihr Betreuer Hans Känzig Tipps. Vergeblich. «0» steht auf der elektronischen Anzeige. Einem Dreier folgt wieder ein Nuller. «Die Höhe stimmt, aber der Schuss ist ganz rechts aussen», so Känzig. Der folgende Zweier lässt kurz hoffen, aber schon folgt wieder ein Nuller. «Total neben der Scheibe», sagt Känzig. Er hat aber das Übel eruiert: «Du schlotterst mit dem Kopf.» Das Schlusstotal ergibt immerhin 39 Punkte. Fazit: Kein Kranz, keine Karte, aber Erfahrung gesammelt. Auf dem Bänkli vor dem Schützenhaus «verdaut» Hans Schlup seine 59 Punkte. Es ist 16 Uhr. Bald ist das Licht auch für «Budi» Müller und Christian Oehrli nicht mehr zu grell, um ins Geschehen einzugreifen.