Niederbipp

Amphibien laichen neben Motorenlärm

Mitten in der Grube hat sich ein Amphibienteich gebildet.  ama

Mitten in der Grube hat sich ein Amphibienteich gebildet. ama

Seit 30 Jahren gibt es die Motocross-Piste in der Colas-Grube in Niederbipp. Entstanden ist sie durch den Aushub der Autobahn. Ende Jahr läuft jedoch die Bewilligung für die Trainingsfahrten ab.

Das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) erteilt keine Ausnahmebewilligung mehr. Erst müsse Rechtssicherheit herrschen. Der Landbesitzer würde die Grube auch weiterhin gerne den Motocross-Fahrern zur Verfügung stellen, und auch die Gemeinde steht hinter der Anlage. Damit wieder eine Betriebsbewilligung erteilt werden kann, soll das Areal nun umgezont werden. In der Niederbipper Ortsplanungsrevision ist deswegen auch die Colas-Grube einbezogen. Die Grube soll von der Landwirtschaftszone in eine Zone mit Planungspflicht umgewandelt werden. Rechtlich wäre nachher der Betrieb sichergestellt, sagt René Suter, Bauverwalter von Niederbipp. «Es ist nur ein formeller Schritt», betont er, «der Betrieb ist nicht in Gefahr.» Allerdings müsste zusätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben werden.

Natur und Motoren im Einklang

Für die Umwelt ist der Rennsport bekanntlich nicht gerade das Beste. Suter betont aber, dass die Motocross-Trainingspiste genügend weit vom Dorf entfernt liegt. Problematisch könnte höchstens sein, dass inmitten der Piste ein Amphibienlaichgebiet liegt. Auch hier widerspricht Suter: «Motocross und die Amphibien kommen sehr gut miteinander aus. Ein Problem für die Tiere bestünde erst, wenn dort nicht mehr gefahren würde.» Dies bekräftigt Hans-Ulrich Sterchi, Präsident von Pro Natura Bern. Denn gewisse Amphibien benötigten zum Laichen unbepflanzte Böden, wie sie durch die Motocross-Trainings entstünden. «Solche Lebensräume sind selten und müssen erhalten bleiben.» Also ein Argument, um die Colas-Grube im jetzigen Zustand zu erhalten.

Es könnte Einsprachen geben

Scheint also, dass die Colas-Grube als Motocross-Trainingsstrecke nicht infrage steht. Die Umzonung hat allerdings ihre Tücken. Denn mit der Planungspflicht und der Umweltschutzverträglichkeitsprüfung gibt es die Möglichkeit zur Einsprache. Christian Müller, Betreiber der Motocrosspiste, ist verunsichert: «Das Ganze könnte kontraproduktiv sein. Jeder Bürger könnte nun reklamieren.» Er versteht nicht, wieso die bisherige Bewilligung nicht weiter erteilt werden konnte: «Es ist verrückt, dass die Piste nach 30 Jahren nicht mehr gesetzeskonform sein soll. Das Ganze kostet nur, bringt aber nichts.» Müller fände es nicht nur für sich persönlich ein Verlust, wenn die Trainingsstrecke nicht mehr in der Colas-Grube sein dürfte. «Es ist die einzig derart öffentliche Trainingsstrecke in der Schweiz.» Die Sportszene würde durch eine Schliessung stark betroffen.

Eine Schliessung sei auf keinen Fall die Absicht des AGR, sagt Arthur Stierli, Vorsteher der Abteilung Orts- und Regionalplanung. Vielmehr sei jetzt aufgefallen, dass es keine Rechtsgrundlage für die Motocrosspiste gebe. «Wir wollen eine beständige Ordnung, welche auch Sicherheit für den Betreiber schafft», bekräftigt er. Früher habe man die Bewilligung schlicht nie hinterfragt, jetzt gehe das aber nicht mehr. «Solche Anlagen sind grundsätzlich planungspflichtig, bisher hat man dies vielleicht anders beurteilt», sagt Stierli.

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